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Jarre und Berger im Gespärch : Wie klingt das Internet?

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„Ich stelle mir die elektronische Musik wie eine Küche vor.“ Jean-Michel Jarre (links) und Flavien Berger in Jarres Pariser Wohnung Bild: Michael von Aulock

Sie machen beide elektronische Musik. Der eine etwas länger als der andere. Jean-Michel Jarre und Flavien Berger im Gespräch über Maschinen und künstliche Intelligenz, Fellini und Elektropop und darüber, wie die Welt so rauscht

          Der eine ist der neue Stern am Himmel des französischen Elektropop, der andere der Himmel. Zumindest hat Jean-Michel Jarre diesen Himmel ausgemalt, als er um 1970 damit begann, Musik auf Synthesizern zu machen, wie Kraftwerk zur selben Zeit in Deutschland. Mit „Equinoxe Infinity“ hat der Siebzigjährige jetzt an sein zweites Album „Equinoxe“ von 1978 angeknüpft, von dessen Cover einen schon dieselben osterinselhaften Eulenskulpturen anstarrten. Wollten wir ihn interviewen? Ja, aber noch lieber wollten wir, dass der 31-jährige Songwriter Flavien Berger ihn interviewt, dessen zweites Album „Contre-Temps“ mit seinem herrlich versponnenen Synthie-Pop eine der Platten dieses Herbstes ist. Und so stellten wir die beiden einander vor.

          Flavien Berger: Wenn ich heute elektronische Musik mache, kann ich zwischen einer unglaublichen Zahl von Instrumenten wählen. Bei dir war das anders.

          Jean-Michel Jarre: Als ich anfing, gab es nichts. Ein, zwei Synthesizer, das war’s. Damit wurde ein Album gemacht. Es galt, schrittweise die Instrumente zu erfinden. Die elektronische Musik verdankt ja viel dem Öffentlichen Rundfunk: Karlheinz Stockhausen und der WDR, Pierre Schaeffer und das Institut zur Erforschung der elektroakustischen Musik (GRM), das BBC-Labor in England. Die ersten Synthesizer waren nicht für Musik gedacht, sondern für Soundeffekte im Radio. Die Musik, die wir heute machen, ist aus Zweckentfremdungen entstanden, letztlich aus Zufall. Du hast dein erstes Album mit Apples Garage Band gemacht, einem Amateurprogramm. Du hast dir also deine Grenzen selbst gesetzt. Das ist das Gebot der Stunde. Das Originelle an deinem Werk sind für mich nicht nur die Werkzeuge, die du verwendest, sondern dein selbstgesetzter Rahmen.

          Ich wähle immer zuerst ein Thema und dann den passenden Ausdruck. Das sehe ich auch bei dir: Zwischen „Equinoxe“ und „Equinoxe Infinity“ gibt es konzeptuelle Parallelen.

          Ich bin zum ersten Mal vom Visuellen ausgegangen, vom Artwork. Auf Instagram habe ich den jungen tschechischen 3D-Künstler Filip Hodas entdeckt, der mit denselben Wesen gearbeitet hat, die es auch schon auf dem „Equinoxe“-Cover von Michel Granger gab: Sie sind wachsam und schauen dich an. Heute stehen sie für meine Beziehung zur Technologie. Die Menschen verbringen ja heute mehr Zeit damit, auf ihre Tablets und Smartphones zu starren, als ihre Partner oder ihre Familie anzuschauen. Dann wurde mir bewusst, dass diese Maschinen übers Internet auch uns beobachten. Mich lässt die Vorstellung nicht los, dass wir das 21. Jahrhundert nur überleben können, wenn es uns gelingt, im Einklang mit der Umwelt, der Natur und den neuen Technologien zu leben, vor allem mit der künstlichen Intelligenz. Das war mein Ausgangspunkt. Deshalb habe ich auch den Sound bis zum Äußersten computergeneriert, statt natürliche Klänge zu nehmen. Eigentlich habe ich mir ein Drehbuch ausgedacht. Am Anfang standen die Figuren, die Bilder und die Titel. Die Musik habe ich darum herum gebaut.

          Das finde ich echt gut. Du schaffst deine eigene Mythologie, die sich auf das frühere Cover bezieht, und bettest sie in eine Geschichte ein, als seien diese Wesen zu einem Erbe geworden.

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