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Jean-Luc Mélenchon : Die neue Stimme des Zorns

  • -Aktualisiert am

Der Nelkensozialist: Jean-Luc Mélenchon ist keine Pose zu groß Bild: Nicolas TAVERNIER/REA/laif

Von Präsident Hollande enttäuscht, lässt sich die französische Linke von Jean-Luc Mélenchon faszinieren. Der charismatische Sozialist weiß die Emotionen zu bedienen.

          6 Min.

          Die liberale Linke sonnt sich auf der Place des Vosges im Stadtviertel Marais. Auf den Terrassen der Cafés, teure Markentaschen zu ihren Füßen, genießen bürgerliche Bohémiens und Schwule den klaren Nachmittag. Nur hundert Meter trennen sie von ihren Vettern aus der radikalen Linken, die sich an diesem Sonntag dem 5. Mai auf der Place de la Bastille versammelt haben, um gegen die Sparpolitik und die Finanzwelt zu protestieren und eine andere Republik zu fordern: hundert Meter und - wie eine unsichtbare Wand - der Vorhang, der die Business von der Economy Class trennt in jenem Flugzeug, das auf den Tag genau seit einem Jahr chaotisch von François Hollande gesteuert wird - ein Jahrestag, der den Anlass zu dieser großen Zusammenkunft der linken Linken unter Führung des schwierigen und charismatischen Jean-Luc Mélenchon bildet.

          Unmittelbar nach der Cahuzac-Affäre trifft er sich mit seinen Anhängern, um der politischen Klasse und der „Regierung von Dieben“, die über das Schicksal Frankreichs bestimmen, mit einem großen „Kehraus“ zu drohen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Fünften Republik, dass die Linke demonstriert, während ein Sozialist im Elysée sitzt.

          Der neue Hoffnungsträger

          Sie sind aus ganz Frankreich gekommen, um ihr Unbehagen und ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen. Anne, 47 Jahre alt, lebt in der Normandie. Sie trägt zwei Buttons auf der Brust, der eine mit der Aufschrift „Résistance“ und einer ebenso geballten wie aggressiven Faust, dem Emblem der Linksfront, der um Mélenchon versammelten Koalition, während der zweite sich gegen den von der Regierung gewünschten Bau eines Flughafens in Notre Dame des Landes wendet. Ganz in Rot gekleidet, ähnelt Anne einer Stewardess der Austrian Airlines.

          Diese liebenswürdige, auf Sozialrecht spezialisierte Rechtsanwältin und Sekretärin der Linkspartei im Departement Orne erlebte ihre erste „Empörung“ im Alter von 16 Jahren, als das Schicksal der Palästinenser sie erschütterte. Sie bewundert Stéphane Hessel, Karl Marx und Jean Jaurès und schimpft über François Hollande: „Mit seinem Pakt für Wettbewerbsfähigkeit überhäuft der Präsident nur die Großunternehmen mit Geschenken, die Entlassungen vornehmen, um ihre Profite zu steigern. Die Arbeitnehmerrechte werden eingeschränkt. Sozialistisch ist an Hollande nur noch das Etikett. Er ist ein Sozialliberaler, seine Politik ist identisch mit der deutschen und fährt uns direkt gegen die Wand.“

          Anne empfindet keine Feindseligkeit gegenüber Angela Merkel („eine sicher ehrenhafte Frau“), kritisiert aber entschieden deren politische Entscheidungen: „Deutschlands Problem sind die kapitalbasierten Renten, die den Interessen der europäischen Völkern zuwiderlaufen, vor allem der Völker im Süden, mit denen wir solidarisch sind.“ Sie bewundert Jean-Luc Mélenchon - „ein aufrichtiger und brillanter Mann, der die Menschen wachrüttelt und ihnen ein Licht aufsetzt“. Da Anne gemeinsam mit ihrem Ehemann die Rede des großen Mannes nicht verpassen will, beendet sie unser Gespräch, aus Angst, ihre andere Hälfte aus dem Blick zu verlieren - „ein hartgesottener Öko, der kein Handy hat“.

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