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Japan : Japanische Etikette

  • -Aktualisiert am

Überall mit dabei - der Fotoapparat Bild: dpa

Was sich in Deutschland gehört, gehört sich in Japan noch lange nicht.

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          Regel Nummer Eins: Ein Europäer fällt ohnehin auf, von ihm wird in Japan nicht erwartet, dass er all die ungeschriebenen Gesetze kennt und einhält. Diese Regel macht den Aufenthalt in Japan einfacher, das Leben dort allerdings nicht. Viele der Umgangsformen sind auf den ersten Blick schwer verständlich, aber ergötzlich.

          Eines der besonders interessant zu beobachtenden Rituale, an dem der Geschäftsreisende selbst teilnehmen kann, ist das Visitenkartentauschen. Dabei hört die tiefe Verbeugung gegenüber dem entsprechenden Tauscher erst auf, wenn dieser sich auch wieder aufrichtet.

          Fotoapparate überall

          Wo sich der Europäer schämt, den Fotoapparat auszupacken, greifen Japaner beherzt zu. Das Fotografieren ist im fernöstlichen Land fast schon durchgängig zur Obsession geworden. Vor Sehenswürdigkeiten stehen Bänke und Schilder mit dem jeweiligen Datum bereit, vor dem sich Japaner versammeln, Mittel- und Zeigefinger zum Victory-Zeichen spreizen und Peace sagen. An Sonntagen gehört es für viele Väter und Söhne zum Wochenendvergnügen, an Bahngleisen und in Bahnhöfen Zügen aufzulauern und sie zu knipsen. Oft genügt ein Foto der Außenseite eines Gebäudes, um nach einer Reise den Kollegen zu zeigen: “Ich war da“. Nicht umsonst gibt es Handys mit integrierter Digitalkamera.

          Allgegenwärtige Mangas

          Es gibt allerdings auch Verhaltensweisen, die den europäischen Reisenden stören. Denn manche Dinge, die in Europa eine ausnehmend schlechte Erziehung signalisieren, sind in Japan gang und gäbe, weil die Menschen dort von anderen weltanschaulichen Voraussetzungen ausgehen. Während sich hierzulande Naseschneuzen statt -hochziehen schickt, ist das in Japan genau andersherum. Generell ist das Schamgefühl der Japaner anders, als das der Europäer. Comic-Bücher, Mangas, die erotische bis pornografische Details zeigen, können durchaus öffentlich in der S-Bahn gelesen werden. Japanern ist es nur wichtig, was ihre Gruppe, sei es Familie oder Kollegen, von ihnen hält, was Unbekannte denken, ist ihnen weniger wichtig.

          Helle Haare und blaue Augen - außergewöhnlich

          Deshalb kann es in S-Bahnen durchaus auch passieren, dass ältere Japaner den Platz wechseln, sobald sich ein Europäer neben sie setzt. Zu diesem Verhalten mag beitragen, dass helle Haare und blaue Augen in Geschichten und auch Mangas oft Kennzeichen für Dämonen oder übersinnliche Kräfte sind. Dem Ausländer kann es aber genauso passieren, dass ganze Grundschulklassen an ihm ihre Englischkenntnisse ausprobieren wollen.

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