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Jahrhundertkauf : Stiftung Preußischer Kulturbesitz erwirbt Humboldts Tagebücher

Skizze der Tafel 51 des Humboldtschen Werks „Vues des Cordilleres", Kontur des Berges Corazon, mit gestrichelter Linie ist die „Schneegrenze" eingezeichnet Bild: Staatsbibliothek Berlin

Der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gelingt mit dem Kauf von Alexander von Humboldts Tagebüchern ein Coup. Die bedeutenden Dokumente wandern nicht ins Ausland, sondern bleiben in der Heimatstadt ihres Verfassers.

          Es hat lange gedauert, aber jetzt ist der Ankauf perfekt: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erwirbt Alexander von Humboldts Tagebücher seiner Südamerika-Expedition. Die Reisetagebücher sind fortan eines der Glanzstücke der Staatsbibliothek zu Berlin, wichtig aber auch für das künftige Humboldtforum am Schlossplatz, dessen intellektuelles Fundament ja das Erbe der weltberühmten Humboldt-Brüder sein soll.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung, spricht von  einer „Jahrhunderterwerbung“, die nur realisiert werden konnte, weil öffentliche Förderer wie der Bund und  die Kulturstiftung der Länder, aber eben auch sehr viele private Mäzene, darunter die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Volkswagen- und die Reemtsma-Stiftung, dies ermöglichten. „Humboldts Aufzeichnungen“, sagt Parzinger aus Anlass der Vertragsunterzeichnung, „stehen für den Beginn der modernen Wissenschaft mit einer bislang unerschlossenen Vielfalt an Beobachtungen. Sie gehören damit zu den wichtigste Desiderata der Forschung zum 19. Jahrhundert.“

          Rio de Magdalena, 5. Mai 1801 Bilderstrecke

          Bisher befanden sich die Tagebücher im Besitz der Humboldt-Nachfahren, der Berliner Familie von Heinz, die das Erbe in fünfter Generation auf Schloss Tegel pflegt. Der Erlös des Verkaufs, so Ulrich von Heinz, werde vor allem der Erhaltung des Schlosses Tegel mit seinem Park, am Nordrand von Berlin gelegen, zugute kommen. Schloss Tegel, ursprünglich ein kleines Jagdschloss, ist seit 1766 im Besitz der Humboldts. Wilhelm von Humboldt ließ es nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel umbauen und brachte dort auch seine Antiken-Sammlung unter. Die Brüder, der Universitätsgründer und der Forscher, sind im Park begraben und das Schloss ist eines der bedeutenden Zeugnisse der Berliner Klassik.

          Die Preußen-Stiftung war nicht die einzige, die Humboldts Tagebücher zum national bedeutsamen geistigen Erbe zählt und darum ihr Interesse anmeldete. Auch in Mexico gehören die Aufzeichnungen Alexander von Humboldts zum nationalen Mythos, gelten sie doch als Teil der „zweiten Entdeckung“ Mittel- und Südamerikas. So gehörten zu den Interessenten die Nationalbibliotheken und Nationalmuseen in Mexico-Stadt, Buenos Aires, Rio, Brasilia und Lima. Ulrich von Heinz  hat allerdings immer nur mit der Preußen-Stiftung verhandelt.

          Die wird umgehend ein Forschungsprojekt auf den Weg bringen, vom Bundesforschungsministerium finanziert: Die Tagebücher werden erschlossen und digitalisiert. An dem Verbund beteiligen sich neben der Staatsbibliothek auch die Akademie der Wissenschaften Berlin Brandenburg und die Universität Potsdam.

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