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Jahrestag des Kölner NSU-Anschlags : Kulturengel in der Keupstraße

  • -Aktualisiert am

Auf dem „Birlikte“-Fest in der Kölner Keupstraße am Pfingstsonntag Bild: dpa

Mit Bazar, Schaubühnen und sehr vielen Besuchern: Das deutsch-türkische Kulturfestival in Köln-Mühlheim setzt Zeichen für Verständigung.

          „Keupstraße ist überall“ heißt es auf einem Schriftzug, der an der Fassade eines Hauses in der Straße hängt, in der vor zehn Jahren die Nagelbombet der Nationalsozialistischen Untergrundbewegung explodierte. Am Tag vor der heutigen politischen Großkundgebung mit Bundespräsident Joachim Gauck und der vorgesehenen Schweigeminute für die neun Todesopfer und die anderen Opfer, hatte das deutsch-türkische Birlikte-Festival im Kölner Stadtteil Mühlheim seinen eigentlichen Höhepunkt.

          Die Keupstraße und umliegendes Gelände wurden von Besuchern regelrecht überflutet. Ein Durchkommen durch die Menschenmasse, vorbei an türkischen Ständen und vollgepfropften Restaurants, am Bazar, Flugblätter verteilenden Leute und Schaubühnen, war nicht einfach. „Ich möchte euch alle in diesem Moment umarmen“, hatte Meral Șahin bei der offiziellen Eröffnung des Kulturfestes am Samstag gerufen. Die Vorstandsvorsitzende der IG-Keupstraße und Mitorganisatorin des Festivals stand auf einer der Hauptbühnen, gemeinsam mit dem Kölner Oberbürgermeisters Jürgen Roters und dem Schauspielintendanten Stefan Bachmann: „Diese Straße hat so viel. Habt keine Angst, besucht uns!“ 

          Der „Engel der Kulturen“

          Und der Mühlheimer Bezirksvorsteher Norbert Fuchs fasste das Ziel der Veranstaltung noch einmal zusammen: Sie solle ein Zeichen für Versöhnen, Solidarität und friedliches Miteinander setzen. Das Gemeinschaftsgefühl dürfe durch rechte Gesinnung und Rassismus nicht zerstört werden. Am Ende des Eröffnungsaktes ließ man weiße Tauben in den Himmel aufsteigen.

          Später wurde  der „Engel der Kulturen“ auf die Bühne gerollt. Ein etwa eineinhalb Meter hoher Stahlzylinder, auf dem die Sinnbilder der großen Weltreligionen so angeordnet sind, dass sie das Bild eines Engels ergeben. Im Juni 2012 hatte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz im Brüsseler Sitz von diesem Engel als „Symbol für die europäische Idee“ gesprochen, das für Respekt und Humanität stehe.

          „Habibi, je t’aime“ erklang es später von der Tanzgruppe „Adams Töchter“, die in der Mitte der Keupstraße auftrat, eine der vielen Künstlergruppen, die nach Köln-Mühlheim gekommen sind. Die deutsch-türkische Tänzerin und Choreografin Arzu Erdem-Gallinger, viele Jahre Mitglied beim Cirque du Soleil, schloss sich für das Festival kurzfristig mit einer christlichen und einer jüdischen Kollegin zusammen; die Dreierformation nennt sich „Die drei Engel“. 

          Und auf der Keupstraße waren noch einige Kultur-Engel unterwegs. Für Kutlu Yurtseven, auf dem Festival mit seiner HipHop-Gruppe „Microphone Mafia“ und als Schauspieler in David Nuran Calis‘ „Die Lücke“ am Kölner Schauspiel doppelt vertreten, war das Kulturfestival eine Notwendigkeit. Was sich aus ihm sozial und kulturell für Mühlheim und die Keupstraße ergebe, werde man aber erst noch sehen.

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