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Jahresrückblick 2014 : 2015? Können Sie vergessen!

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Was sollen wir mit dem Jahr bloß anfangen, das am Freitag beginnt? Am besten zuhause bleiben, wie es sich für einen ordentlichen Brückentag gehört. Bild: dpa

Was soll nach einem Jahr wie 2014 noch kommen? 2015. Das neue Jahr wird nix. Es beschert uns viel zu wenige Gedenkbücher. Warum wir uns auf ein ergiebiges 2016 freuen sollten. Ein Vorausblick.

          Dass vor sechshundert Jahren der Reformator Jan Hus in Konstanz auf einem Scheiterhaufen endete, dass vor 150 Jahren die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Kiel gegründet wurde – dessen gedenkt mal wieder keine Sau. Jedenfalls nicht in Buchform. Ewig schade. Was wären das doch für schöne Buchtitel geworden: „1415 – Wer hat mal Feuer? Die letzten Tage des Jan Hus“ beziehungsweise „1865 – Kollege kommt gleich! Die Rettungsgeschichte der DGzRS“.

          So oder ähnlich hätten sie in den Buchläden stehen können, doch ach, 2015 wird wohl eher kein gutes Bücherjahr, schon gar nicht im jüngst so erfolgreichen Segment der Jahreszahlenbücher. Damit sind aber nicht wild und bezugslos in die Landschaft geworfene Bücher wie „1979“ von Christian Kracht oder „1984“ von George Orwell gemeint, sondern Werke, deren Titel aus Jubiläumsgründen zwingend aus einer vierstelligen arabischen Zahl gebildet wird. Jahreszahlen wie 1867, 1973 oder sogar 2009 mögen hier als Beispiel dienen; leider wären aber auch sie keine guten Buchtitel, denn in diesen Jahren war nichts Besonderes los.

          Wehmütig denken wir da zurück an das Supergedenkjahr 2014: Hundert Jahre Erster und 75 Jahre Zweiter Weltkrieg, 25 Jahre Mauerfall, dazu zehn Jahre Tsunami und hundert Jahre Heidi Kabel – da kam man aus dem Feiern und Gedenken gar nicht mehr heraus. Gedenktage und Gedenkjahre, sagt der Kulturwissenschaftler Thomas Macho, seien „symbolische Konstruktionen“; sie bezeugten die „politische Herrschaft über die Zeit, die qualitativ der Herrschaft über Territorien entspricht“. Die qualitative Herrschaft über den Buchmarkt wollen die Gedenkjahrbücher nun auch endlich erringen, und 2014 war bisher das beste Jubelbücherjahr des Jahrhunderts, ja des Jahrtausends.

          Was kann da noch kommen?

          Für den Gedenkbuchmarkt fand das Jahr 2014 nebst seinen jubilarischen Derivaten (Erster Weltkrieg 1914, Wiener Kongress 1814) allerdings schon 2013 statt, denn wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich der längst versorgte Leser. Und der deckte sich bereits im Jahr zuvor ordentlich mit Jubiläumsbüchern ein – angefangen mit „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ von Florian Illies und noch längst nicht endend mit „1913 – Bilder der Apokalypse“ von der Franz Marc Museumsgesellschaft – und den nicht minder zentenarisch sich rundenden Jubeltiteln „1813 – Kriegsfeuer“ von Sabine Ebert beziehungsweise „1813 – Die Völkerschlacht bei Leipzig“ von Gerd Fesser beziehungsweise „1813 – Napoleon, Metternich und das weltgeschichtliche Duell von Dresden“ von Günter Müchler beziehungsweise „1813 – Lützen, Bautzen“ von Peter Hofschröer beziehungsweise „1813 – Der Rekrut“ von Émile Erckmann und Alexandre Chatrian beziehungsweise „1813 – Geschichte Leben. Living History“ von Olaf Martens und Michél Kothe und so weiter und so fort.

          Da blieb für das arme Jahr 2014 selbst leider nicht mehr viel, und ein möglicherweise sogar ambitioniertes Werk wie „1814 – 1914 – 2014 – 14 Ereignisse, die die Welt verändert haben“ aus dem Brandstätter Verlag wirkt da nur noch wie ein verzweifelter Rundumschlag.

          Was aber wird nun die Zukunft bringen? Wie sieht’s aus mit dem Jubelbücherjahr 2015, ja überhaupt mit unserer „Erinnerungskultur“ (J. Gauck)? Um es vorwegzunehmen: ziemlich verheerend. Ein prüfender Blick in die Verlagsvorschauen des Bücherjahres 2015 sorgt für schwere Ernüchterung, ja umfassende Desillusionierung – angesichts der ungeheuren publizistischen Errungenschaften von 2013/14 ja auch kein Wunder. Was gibt’s 2015 schon zu feiern? Zweihundert Jahre Otto von Bismarck beziehungsweise Schlacht von Waterloo, jeweils hundert Jahre Orson Welles, Curd Jürgens, Frank Sinatra und Franz Josef Strauß, und das war’s auch schon.

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