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Jack Kilbys Mikrochip : Er machte die digitale Revolution möglich

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Pionierleistung in Glas: Der Mikrochip von Jack Kilby aus dem Jahr 1958 Bild: AP

Der Chip, der Computer billig machte, wird nun der teuerste. Christie’s versteigert in New York den Grundstein der digitalen Revolution, einen Mikrochip Jack Kilbys von 1958.

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          Die Geschichte der digitalen Revolution ist eine widersprüchliche, aber auch witzige. Ihr nächstes, kleines Kapitel wird am 19. Juni geschrieben, wenn das Auktionshaus Christie’s in New York für erwartete eine Million bis zwei Millionen Dollar einen Mikrochip versteigert, der am Anfang der Revolution stand, die aus großen, lauten Rechenmaschinen verschwindend winzige und billige Computer machte.

          Vor 56 Jahren trat das kleine, mit Plastik ummantelte Metallstück an, die behäbige Mechanik aus den Computern zu verbannen. Einen Sommer, den seine Kollegen mit Urlaub verbrachten, er aber als Neuling durcharbeiten musste, verbrachte Jack Kilby mit der Idee. Dann führte er sie im Herbst der Welt und seinem Chef bei dem amerikanischen Technologieunternehmen Texas Instruments vor. Der Chip funktionierte, Transistoren, Widerstände und Kondensatoren passten plötzlich in ein geldstückgroßes Bauteil - doch die Revolution blieb erst einmal aus. Andere Zeiten, andere Bedürfnisse. Heute wissen wir aber: Der integrierte Schaltkreis war eine Nobelpreis-Erfindung, im Jahr 2000 wurde Kilby entsprechend geehrt.

          Die Technologie war der Grundstein für eine Industrie, deren Jahresumsatz heute in Billionen Dollar gemessen wird. Nicht zuletzt verweist der Mikrochip auf die größte Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts: Schauen wir aus dem heutigen Computerzeitalter zurück, wird oft behauptet, die Mondlandung sei gelungen, obwohl die stärksten Computer seinerzeit gerade mal die Leistungsfähigkeit eines Taschenrechners hatten - was stimmt.

          Ohne ihn wäre die Mondlandung nicht möglich gewesen

          Aber die Mondlandung ist nicht trotz widriger Umstände gelungen, sondern wegen der jungen Errungenschaften: Der damals revolutionäre Taschenrechner war schon notwendig. Gebaut hat ihn Jack Kilby mit seinem Chip, den er auf diese Weise acht Jahre nach der Erfindung und drei Jahre vor der Mondlandung erstmals in einem Produkt unterbrachte, das seriell gefertigt werden konnte und sich verkaufen ließ. Und eigentlich ist doch „Taschenrechner“ bis heute der richtigere Begriff für die Minicomputer, die wir zur Lebenserleichterung in unseren Taschen tragen.

          Nun gilt es nur zu klären, ob Christie’s auch tatsächlich Kilbys Chip aus dem Sommer 1958 versteigert. Texas Instruments ist zumindest nicht der Anbieter des Microchips, der mit einem weiteren Prototyp und wichtigen Unterlagen aus jener Zeit angeboten wird. Das Unternehmen zeigte sich nach Rückfragen von Journalisten eher überrascht, spricht gar von einem „Mysterium“, dem es nun selbst noch einmal nachgehen müsse. Zweifel daran, dass es sich um einen der ersten Chips handelt, wurden jedoch nicht geäußert.

          Zur digitalen Revolution wird somit von dieser Woche an auch die zweite Geschichte des Chips gehören: Er ist unansehnlich und verrät ohne Beipackzettel kaum eines seiner Geheimnisse. Seine Bedeutung aber ist unbezweifelbar und hält mit vollständigen historischen Computern mit, wie sie beispielsweise zu Höchstpreisen versteigert werden, wenn sie von Apple stammen. Aber anders als Steve Jobs war Jack Kilby kein Künstler, sondern ein Ingenieur.

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