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Italien : Wegen Berlusconi: Fernsehchefin geht

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Gibt auf: Lucia Annunziata Bild: AP

Die Präsidentin der staatlichen italienischen Rundfunkanstalt RAI, Lucia Annunziata, hat ihren Posten aufgegeben: Sie sei den politischem Druck der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi leid.

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          Die Präsidentin der staatlichen italienischen Rundfunkanstalt RAI, Lucia Annunziata, hat ihren Posten aufgegeben. Sie begründete ihre Entscheidung mit politischem Druck der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

          Die Fernsehanstalt sei von Anhängern des Regierungschefs „besetzt“ worden, die die Pressefreiheit unterdrückten, sagte Annunziata am Dienstag. Sie könne ihre Arbeit daher nicht länger fortführen. RAI sei zu einem Briefkasten für Wünsche der Berlusconi-Regierung geworden.

          Berlusconis Familie kontrolliert die private Konkurrenz von RAI, das Sendernetz Mediaset. Durch sein politisches Amt übt der Ministerpräsident aber auch die Kontrolle über das staatliche Fernsehen aus. "Ich trete zurück, weil der Pluralismus im Sender unterdrückt wird und weil das Direktorium illegitim arbeitet", sagte Annunziata auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

          „Einfach lächerlich“

          Berlusconis Stellvertreter Gianfranco Fini führte am Dienstag einen Chor von Regierungsvertretern an, die Annunziata öffentlich kritisierten. Ihre Vorwürfe seien „einfach lächerlich“ und ihre Entscheidung ziele nur darauf ab, die Europawahl im kommenden Monat zu beeinflussen, sagte er. Annunziata hat in ihrer 13monatigen Amtszeit mehrfach die Einflußnahme Berlusconis kritisiert und war mit RAI-Generaldirektor Flavio Cattaneo zusammengeraten, einem Unterstützer der Koalition Berlusconis.

          Die jüngsten Nominierungen für das RAI-Direktorium hätten das Faß zum Überlaufen gebracht, sagte sie. Die Nominierungen von ausschließlich Berlusconi-Anhängern seien eine „organisierte Kampagne der Regierungskoalition, den öffentlichen Rundfunk voll und ganz unter ihre Kontrolle zu bringen", sagte sie.

          Annunziata ist die zweite prominente RAI-Vertreterin, die innerhalb einer Woche den Sender mit dem Vorwurf politischer Einflußnahme verließ. Vergangene Woche kündigte eine der bekanntesten Fernsehjournalistinnen, Lilli Gruber, ihren Job bei RAI. Sie warf Berlusconi vor, mit der Durchsetzung seiner geschäftlichen und politischen Interessen die italienische Medien zu beschädigen.

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