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Karen Krüger (kkr)

Italien : Ein Gedenkpark für Corona-Opfer

  • -Aktualisiert am

Schon zum Jahresende gab es kleinere Gedenkstätten in Italien für die Corona-Opfer, wie hier vor der Kirche San Giovanni Bosco in Codogno Bild: AP

Italien eröffnet in Kürze den ersten Corona-Gedenkpark. Andere Länder planen ähnliches. Welche Form der Gedenkkultur zeichnet sich da ab?

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          In der norditalienischen Kleinstadt Codogno wird gerade das erste Covid-19-Denkmal Italiens fertiggestellt. Der Gedenkpark soll am 21.Februar eingeweiht werden. Es ist das Datum, an dem Italien vor einem Jahr den ersten Covid-19-Fall meldete. In der Nacht zuvor war der siebenunddreißigjährige Mattia Maestri mit Lungenentzündung und akuter Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Anästhesistin Annalisa Malara ordnete einen Abstrich an und brachte damit den ersten offiziellen Covid-19-Fall in der westlichen Welt ans Licht. In wenigen Stunden gingen mehr als dreihundert weitere Hilferufe beim Roten Kreuz von Codogno ein. Menschen, die keine Luft bekamen und unter sehr hohem Fieber litten: alles in derselben Nacht.

          Es war der offizielle Beginn der Pandemie. An die bis dato mehreren hundert Todesopfer von Codogno, an den Kampf des medizinischen Personals, aber auch an die Angst und Widerstandsfähigkeit der Bewohner der Kleinstadt, die über Wochen hinweg komplett von der Außenwelt abgeriegelt wurde, soll der Gedenkpark erinnern. In anderen Ländern werden ähnliche Projekte verfolgt. In Madrid ist ein Gedenkort eingeweiht worden, London hat einen Gedenkgarten angekündigt, Österreich will im Frühling drei Gedenkstätten enthüllen, und in Uruguay wird ein großes Denkmal in der Bucht von Montevideo errichtet.

          Es kündigt sich eine ganz neue Gedenklandschaft an. Sie muss ihre eigene Form und Tradition allerdings erst noch finden. Nach Pestepidemien wurden Pestkirchen erbaut, die den Schrecken des Schwarzen Todes wachhielten. Säkulare Gedenkorte, die an die Opfer von Krankheiten erinnern, gibt es bisher hingegen kaum. Die Spanische Grippe kostete um das Jahr 1918 weltweit zwischen zwanzig und fünfzig Millionen Menschen das Leben. Trotzdem existieren erst seit kurzen Gedenkorte, es sind nicht mehr als eine Handvoll. Man habe die Triumphstimmung und Erleichterung über das Ende des Ersten Weltkriegs nicht trüben wollen, lautet eine der Erklärungen.

          In Deutschland, wo etwa 350.000 Menschen an der Spanischen Grippe starben, ist das einzige Mahnmal ein Granitblock auf dem Stadtfriedhof von Wiesloch. Die Erinnerungsleerstelle hatte zur Folge, dass die Epidemie auf der ganzen Welt aus dem kollektiven Gedächtnis verschwand. Ohne diesen blinden Fleck wäre man womöglich besser auf die Corona-Pandemie vorbereitet gewesen und hätte schneller und anders reagiert. Denkmäler sind jedoch nicht nur als Mittel gegen das Vergessen wichtig. Sie markieren gemeinsame kulturelle und emotionale Erfahrungen und können Teil des Heilungsprozesses sein.

          Dass es das Bedürfnis für ein Gedenken an die Corona-Opfer gibt, zeigte sich im November, als die Anzahl der Toten weltweit eine Million überschritten hatte. Vielerorts entstanden damals spontane, von privater Hand organisierte Gedenkstätten. Der Granitblock in Wiesloch ging ebenfalls aus einer Privatinitiative hervor. Er ist mittlerweile auch den Toten der Corona-Pandemie gewidmet. Er sollte nicht der einzige deutsche Gedenkort für die vielen Corona-Opfer bleiben.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

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