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Israel und Palästina : Meine Geburtstagsfeier im Niemandsland

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Auf Tiyul-Rihla-Rundfahrt durch die Westbank-Gebiete um Jericho und Bethlehem: Blick von Bayt Jala, nahe Bethlehem, auf Jerusalem Bild: Foto Miriam Waltz

Abseits der politischen Fronten: Eine neue Generation von Israelis und Palästinensern praktiziert in den Westbank-Gebieten Formen gemeinsamer Friedensarbeit.

          Als der Bus auf die Raststätte Almog an der Route One mitten in der wüstenähnlichen Landschaft zwischen Jerusalem und dem Toten Meer einfuhr, herrschte dort reger Betrieb: Der Parkplatz war gefüllt mit Bussen und Menschen, der ungewöhnliche Klang eines an die orientalische Flöte erinnernden Instruments mischte sich in das Stimmengewirr, ein rhythmischer Trommelschlag setzte ein, und ein Kreis von Menschen begann einen Tanz. Dieser Kreistanz schien ein Zwischending zwischen der palästinensischen Dabke und der israelischen Hora zu sein, wobei der Führer seine Schultern schüttelte und ein Taschentuch schwenkte, während die übrigen Tänzer sich an den Händen hielten und in immer schnellerem Tempo folgten. Man sagte mir, dass die Tänzer kurdisch-jüdischer Herkunft seien, aber auch zufällig Vorbeikommende würden sich anschließen und in den Kreis hineingezogen.

          Wir kamen aus Tel Aviv und wollten an dieser Stelle in der Wüste die palästinensischen Teilnehmer unserer zweitägigen Tiyul-Rihla-Rundfahrt durch die Westbank-Gebiete um Jericho und Bethlehem aufnehmen. „Tiyul-Rihla“ bedeutet „Reise“ auf Hebräisch und Arabisch, es ist auch der Name einer binationalen Organisation, die Palästinensern und Israelis die Möglichkeit bietet, Israel und die Westbank zu bereisen und das Land, die Geschichte zu erkunden, die sie miteinander teilen.

          Diese Reisen, zu denen die von Yovav Kalifon gegründete und von Ahmed Helou mitorganisierte Initiative einlädt, finden etwa alle drei Monate statt und führen abwechselnd in die Westbank und nach Israel. Auch wenn die Organisatoren unterschiedlicher Meinung hinsichtlich der Erfolgsaussichten solch einer friedenstiftenden Initiative sind, glauben doch beide, dass es zunächst einmal eines sicheren und vergnüglichen Orts der Begegnung und des Verständnisses für die Welt des jeweils anderen bedarf, damit eine Versöhnung überhaupt erst beginnen kann.

          Erste Chance Palästinensern oder Israelis zu begegnen

          Die Organisatoren der Reise nehmen große Mühen auf sich, um die Genehmigungen zu beschaffen, dass Menschen mit einem palästinensischen Ausweises nach Israel und Menschen mit einem israelischen Ausweises in die Westbank einreisen können, und diese Bemühungen sind nicht immer von Erfolg gekrönt. Für die Erteilung (oder Verweigerung) solcher Genehmigungen sind zwei verschiedene Abteilungen des District Coordination Office (DCO) zuständig, das der israelischen Armee untersteht.

          Viele Teilnehmer der Reisen sind Mitte zwanzig bis Anfang dreißig, also nach der Ersten Intifada geboren, und Tiyul-Rihla ist ihre erste Chance, Palästinensern oder Israelis zu begegnen, ohne Uniform zu tragen. Für die Generation davor war das noch anders. Vor der Intifada war es möglich, den Wagen zu nehmen und frei durch ganz Israel oder die Westbank zu fahren – als frisch verheiratetes palästinensisches oder israelisches Paar konnte man ganz einfach zu einer Hochzeitsreise in diese Regionen aufbrechen, und es ist tragisch, dass die meisten palästinensischen Angreifer in der jüngsten Welle von Messerattentaten unter fünfundzwanzig Jahre alt waren; sie stammen aus einer Generation, die keine Israelis persönlich kennenlernen konnte.

          Erster Treffpunkt: Zone C

          Unser erster Treffpunkt, die Fernstraßenkreuzung Almog, liegt in der sogenannten Zone C der Westbank. Einen Tag später verabschiedeten wir uns von den palästinensischen Teilnehmern auf einer weiteren Kreuzung in Zone C, Gush Etzion, etwa zwanzig Minuten von Jerusalem entfernt. Die Raststätte Gush Etzion liegt zwanzig Minuten in Richtung der sanften, grünen Hügellandschaft um Hebron, die Raststätte Almog zwanzig Minuten in Richtung der wüstenartigen Ebene um Jericho.

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