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Israel-Reise des Papstes : Von den Juden

Heute bricht Papst Benedikt XVI. zu seiner Reise ins Heilige Land auf. Das Verhältnis zwischen Katholiken und Juden scheint nach der Williamson-Affäre beschwert. Was sagen die Schriften des Papstes und ehemaligen Kardinals über sein Verständnis des Judentums aus?

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          Heute bricht Papst Benedikt XVI. zu seiner Reise ins Heilige Land auf. Im Zuge der Williamson-Affäre ist die Behauptung in die Welt gesetzt worden, das Pontifikat des deutschen Papstes entwickele sich zur permanenten Belastungsprobe des Verhältnisses von Katholiken und Juden. Der Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für die Juden im außerordentlichen Ritus wird die Absicht abgelesen, hinter die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückzugehen.

          Von den Argumenten, die Robert Spaemann in der F.A.Z. gegen das Papier des deutschen organisierten Laienkatholizismus zum christlich-jüdischen Dialog dargelegt hat, mag sich mancher im Argwohn bestärkt sehen. Vor diesem Hintergrund hat der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im jüngsten Heft der Zeitschrift „Communio“ einen Aufsatz „Zur Theologie des Judentums bei Joseph Ratzinger“ publiziert. Schon 1997 erschien eine Sammlung von Ratzingers kleinen Schriften zu diesem Thema. Menke buchstabiert aus, was Martin Mosebach meinte, als er im „Spiegel“ schrieb, man könne sagen, dass dieser Papst „als erster Papst nach Petrus“ versucht habe, „das ganze Evangelium als Werk des Judentums zu lesen und zu verstehen“.

          Kritik des Relativismus und Synkretismus

          In einem Kommentar zum Paragraphen des Weltkatechismus über das Fest der Erscheinung des Herrn lässt Ratzinger die „Weisen aus dem Morgenland“ bezeugen, „dass die Heiden nur dann Jesus entdecken und ihn als Sohn Gottes anbeten können, wenn sie sich an die Juden wenden und von ihnen die messianische Weisung empfangen“. Die anderen Religionen könnten bestenfalls mit dem Stern verglichen werden, also nur Hilfsdienste leisten auf dem Weg zu der in Jerusalem geoffenbarten Wahrheit. Dieses Auslegungsdetail deutet an, dass das Thema für Ratzinger in engster Verbindung zu seiner Kritik des Relativismus und Synkretismus steht.

          Als Hauptgedanken arbeitet Menke heraus, dass der neue Bund den alten Bund nicht ersetzt. Ratzinger verwirft als Paulus-Exeget die antithetische Deutung des Verhältnisses von Gesetz und Evangelium und spitzt seine Sicht mystisch zu, indem er Christus die „Tora in Person“ nennt. „Jesus hat nicht als Liberaler gehandelt, der eine etwas weitherzigere Gesetzesauslegung empfiehlt und sie selbst vorführt. In der Auseinandersetzung Jesu mit den jüdischen Autoritäten seiner Zeit stehen sich nicht ein Liberaler und eine verknöcherte traditionalistische Hierarchie gegenüber.“ Der Autor dieser Sätze ist an die Spitze seiner Hierarchie getreten. Benedikts Theologie des Judentums ist durchaus geeignet, Anstoß zu erregen - indem sie an den Antijudaismus einer liberalen, ursprünglich protestantischen Theologie erinnert, die das Evangelium vom Jüdischen reinigen wollte.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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