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Israel-Boykott : Einladung zum Hass

Nachdem die zwei Cousins aus Hebron Menschen in Tel Aviv abknallten wie der IS, schrieb Ismail Hanija, ein Hamas-Führer, auf Twitter „Ruhm und Glückwünsche den Einwohnern Hebrons“. Was sagt BDS dazu? „Die Bewegung ist so formuliert, organisiert, dass es keinen Anlass gibt, sich von politischen Parteien zu distanzieren.“ Darauf noch mehr Hamas-Zitate. „Ich verstehe, worauf Sie hinauswollen“, sagt die Juristin dann mit einem Ich-weiß-alles-Blick, „Sie wollen, dass ich mich von der Hamas distanziere.“ Ich nicke heftig. „Als Nadine Taufik kann ich es und mache es. Doch das kann ich für BDS nicht sagen, denn die Bewegung sagt nichts zu einzelnen Parteien.“ Ich bin halb zufrieden, halb enttäuscht. Denn BDS bleibt immer nur halb klar, auch dann, als Taufik erklärt: „Diese Bewegung hat keine konkrete Vision, wie Israel-Palästina aussehen soll, aber konkrete Forderungen. Und diese Forderungen haben wir nicht erfunden, sie sind im internationalen Recht verankert.“

„Ein Großteil dieser Bewegung will Israel beseitigen“

Die Forderungen, sie gehen so: Abriss der Mauer und Ende der israelischen Besetzung. Anerkennung und völlige Gleichheit der arabisch-palästinensischen Bürger in Israel und Schutz und Förderung der Rechte „der palästinensischen Flüchtlinge, in ihre Heimat und zu ihrem Eigentum zurückzukehren“.

Das alles heißt zusammen eins: das Ende Israels. Denn würden diese Millionen Flüchtlinge in Israel ankommen, wären die Juden eine Minderheit des Landes, und dieses Land wäre dann alles andere, nur nicht Israel. So ist es eine klare, konkrete Vision einer Gesellschaft, eines Landes. Sogar Noam Chomsky und Norman Finkelstein, die Superkritiker Israels, kritisieren deshalb die Bewegung. „Das ist ein Geschenk an israelische Hardliner. (...) Wenn man wirklich Palästinenser hasst, dann ist es ein guter Schritt“, so Noam Chomsky. Dass BDS zu Israel nichts sage, sei kein Versehen, sagt Finkelstein, „denn ein Großteil dieser Bewegung will Israel beseitigen“. Und das kann man auch lesen, hören, sehen in Interviews mit prominenten Boykotteuren, die oft und offen das Ende Israels besprechen. Auch einer der Begründer, Omar Barghouti, sagt, dass das Ziel nicht zwei Staaten seien. „Er sagt das als Privatperson“, verteidigten ihn Aktivisten, die mir das Nicht-Konkrete so verkaufen wollten, in den Cafés, in Treffen in Berlin.

Und in den Straßen in Berlin? Da leben auch Privatpersonen, sie laufen herum, sehen BDS-Plakate, auf denen Sachen stehen wie „Israeli Apartheid Week“ oder „End Israeli Impunity“. Und dann kommt es zu einer Stimmung, in der sich der Hass aufdreht. Er fällt nicht einfach so aus diesen grauen Wolken über Deutschland, er lebt in den Privatpersonen, und er lebt da lange. Doch in den BDS-Ansagen sehen diese Menschen Zustimmung, Gemeinschaft. Und dann hassen sie heftiger und lauter.

Sie rufen Boykott, es kommt Hass

Das alles schadet Israel zwar nicht, das zeigt die Wirtschaft Israels zum Beispiel. Seitdem es die Bewegung gibt, haben Investitionen sich aus dem Ausland fast verdreifacht. Das alles schadet Deutschland, das zeigen zum Beispiel die Hasser in Berlin. Man könnte das natürlich übersehen, denn man sieht überall ganz anderen Hass und viel: Die Linken hassen Rechte. Die Rechten hassen Linke, oder sie hassen den Islam oder die Ausländer und Flüchtlinge und manchmal sogar alles. Dann hassen erdoganberauschte Türken die anderen Türken, und diese anderen Türken hassen die erdoganberauschten. Und seit dieser EM hassen jetzt Putinfreunde wieder mal lauter Putinfeinde, und die hassen zurück. Ist das denn nicht für den Moment und für ein Land genug?

Sehen denn die Boykotteure nicht, dass Hass kommt, wenn sie Boykott rufen, und kein Frieden? Sie sehen es. Sie stehen da und sehen zu. So wie an diesem einen Tag im März. Das Internet zeigt es. Während der Kindermörder-Brüller „Kindermörder“ brüllt, stehen BDS-Aktive herum mit ihren Fahnen, reden gelassen miteinander und lassen brüllen. Vielleicht haben sie Angst, diesen Titanen anzusprechen, zu groß ist er, zu laut. Vielleicht denken sie auch, dass diese Situation keine konkrete ist, weil sie von BDS das Nicht-Konkrete lernen. Vielleicht hat, wenn ein Ausländer zu Juden „Kindermörder“ sagt, das nichts mehr mit dieser authentischen Antisemiten-Ritualmord-Mär zu tun. Vielleicht sind aber die Aktiven, nachdem die Kamera aus war, zu dem Titanen gegangen und haben ihm ganz BSD-haft politisches Bewusstsein eingeimpft. Und vielleicht sagt er heute, wenn er die israelische Regierung kritisieren will, nicht mehr „Apartheidsschweine“, „Söhne Hitlers“. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Nur eins ist sicher: Es gibt zu viel Vielleicht und zu viel Hass. Um diese BDS. In diesem Deutschland.

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