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Islam : Mohammed - der Begründer des Islam

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Wer war der Begründer des Islams? Auf den Spuren des historischen Mohammed.

          3 Min.

          Mohammed - die Araber sprechen den Namen „Muhammad“ aus - wurde um 570 nach Christus in Mekka in die Familie der Haschemiten hineingeboren. Es war das „Jahr des Elefanten“, benannt nach einem Kriegselefanten, der beim Vorstoß des äthiopischen Statthalters von Südarabien nach Mekka zum Einsatz kam.

          Mohammeds Vater Abdallah starb vor der Geburt des Propheten. Das Kind wurde einem Onkel zur Erziehung übergeben. Mohammed trat als Jüngling in den Dienst der reichen Witwe Khadija. Sie war Inhaberin eines Handelshauses, das Fernhandel mit Syrien und Ägypten trieb. Später wurde Khadija seine Frau. Aus der Ehe mit Khadija stammt Fatima, das einzige Kind, das den Propheten überlebte. Aus Fatimas Ehe mit Ali, Mohammeds Vetter, gingen Hasan und Husein hervor. Nach dem Tod Khadijas, der ersten Muslimin, im Jahr 619 heiratete Muhammed Aisha, später weitere Frauen.

          Die Prophezeiung des Mönches Bahira

          Als Bediensteter, dann als Khadijas Gemahl lernte Mohammed wohl auf Reisen angrenzende Länder kennen. Die Überlieferung berichtet, er sei in Bosra mit dem christlichen Mönch Bahira zusammengetroffen; dieser habe ihn visionär als den zukünftigen Propheten der Araber erkannt und ihn im Glauben an den einen Gott unterrichtet.

          Bosra war die Hauptstadt und das kulturelle Zentrum der von den Römern gegründeten Provincia Araba. Der Überlieferung nach sah Mohammeds Mutter Amina vor der Geburt des Propheten ein Licht aus ihrem Leib hervorgehen, das bis nach Bosra strahlte.

          Berufung auf dem Berge Hira

          Mohammed war von früher Jugend an ein Gottsucher. Auf dem Berge Hira in der Nähe von Mekka, wohin er sich jedes Jahr zu Meditation und zu asketischen Übungen zurückzog, hatte er im Alter von 40 Jahren ein Berufungserlebnis.

          Als Prophet sah Mohammed sich in der Nachfolger der Offenbarungsempfänger des Alten und Neuen Testaments. Sein Hauptanliegen war zunächst weniger die Gründung einer neuen Religion, als die Schaffung eines Buches, das der Schrift der Juden und Christen entsprach und den Arabern in ihrer Sprache die Offenbarung brachte, die ihnen bislang vorenthalten war. Daher erinnert der Koran inhaltlich in manchem, etwa in seinem Kampf gegen die Vielgötterei, an das Alte Testament. Der Koran besteht aus den Offenbarungen, die Mohammed zwischen 610 und 632 zuerst in Mekka dann in Medina empfing. Da der Prophet nach Überzeugung der Muslime weder lesen noch schreiben konnte, hielten Sekretäre die Äußerungen fest.

          Als Verkünder tritt Mohammed um 614 zum ersten Mal in Erscheinung, dem Jahr in dem die Perser Byzanz besiegten und die Gebiete Syriens, Palästinas und Ägyptens besetzten.

          Kritiker des reichen Establishments

          In Mekka stieß der Prophet mit seiner Forderung nach moralischer Erneuerung und Umverteilung zugunsten der Armen auf den Widerstand der konservativen Kreise. Vor allem die reiche Kaufmannschaft sah ihre soziale Stellung gefährdet. Mohammeds Anhängerschaft bestand zunächst nur aus Familienmitgliedern sowie aus Armen und Bedrängten, die aus seiner Lehre die Hoffnung auf eine soziale Ordnung schöpften.

          622 - Flucht nach Medina

          Der Prophet fürchtete wohl um sein Leben und verließ 622 fluchtartig die Stadt in Richtung Medina. Mit dieser Übersiedlung (Hidschra) beginnt für den Islam eine neue Zeitrechnung. Die Bewohner von Medina schworen Mohammed Gefolgschaft und nahmen ihn und seine Anhänger auf. Mohammed war jetzt das Oberhaupt eines Gemeinwesens (Umma).

          In Medina wurden die ersten Moscheen errichtet. Die Juden waren anfangs in die Gemeinde integriert. Nachdem sie jedoch mit den polytheistischen Mekkanern eine Verschwörung gegen Muhammad anzettelten, wurden sie aus Medina vertrieben.

          Er träumte von Mekka und von der Ka'aba

          Das Ziel, nach Mekka zurückzukehren, verlor Mohammed nie aus den Augen. Dort befand sich die Kaaba, nach seiner Interpretation ein von Abraham und Ismail (Isaak) erbautes monotheistisches Heiligtum, das die Mekkaner durch Götzen entweiht hatten.

          Es kam zu mehreren Gefechten zwischen Mekkanern und Medina. Eine Schlacht (bei Badr, 624) endete für Medina siegreich, eine andere (bei Udr, 624) ging verloren. Erfolglos versuchten die Mekkaner 627 im sogenannten „Grabenkrieg“, Medina auszuhungern.

          Mohammed muss gewusst haben, dass er auch in Mekka schon viele Anhänger hatte. So konnte er 628 einen Pilgerbesuch an der Ka'aba wagen. Bei diesem Besuch ließen sich die Mekkaner auf Waffenstillstandsverhandlungen ein. Zwei Jahre später fiel die Stadt ohne Kampf dem Islam zu. Mohammed zerstörte eigenhändig die Götzenbilder in der Ka'aba.

          Missionare mit Pferden und Schwertern

          Von diesen Erfolgen beflügelt, unternahmen die Anhänger Mohammeds mit seiner Billigung missionarische Feldzüge. Schon zu Mohammeds Lebzeiten war ein Großteil der Arabischen Halbinsel für den Islam gewonnen. Auf dem Höhepunkt seiner Macht schrieb der Prophet angeblich Briefe an Herrscher umliegenden Reiche, den byzantinischen Kaiser und den persischen Großkönig, sich zu unterwerfen.

          Mohammed starb am 8. Juni 632 im Alter von 63 Jahren in Medina. Er wurde in seiner Hütte begraben. Das Grab ist heute in der „Moschee des Propheten“ zu besichtigen.

          Nach dem Koran (Sure 17:1) wurde Mohammed von Mekka aus vom Engel Gabriel auf einem paradiesischen Reittier zunächst nach Jerusalem, dann - vom Tempelberg aus - in den Himmel und die sieben Paradiese geführt, bis er schließlich Gott selbst schauen konnte.

          Mit dem Wirken Mohammeds vollendet sich die Heilsgeschichte des Islam, die mit Abraham, dem ersten Muslimen, begann. Mohammed war anders als Christus, der Sohn Gottes, nur „Mensch“. Sein Prophetentum ist durch zahlreiche Wunder beglaubigt. Als deren größtes gilt der Koran.

          Der Prophet bestimmte keinen Nachfolger. Schon kurz nach dem Tod brach daher ein Erbstreit aus, der zur konfessionellen Spaltung des Islams führte.

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