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Islam-Kommentare : Ein Streit im Hause Springer

In „Bild am Sonntag“ hat der stellvertretende Chefredakteur einen Islam-Kommentar geschrieben, den man auf die Kurzformel „Nein danke“ bringen kann. In der „Bild“-Zeitung hat deren Chefredakteur Kai Diekmann scharf repliziert. Was sagt uns das?

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          Ein scharfer Kommentar, eine heftige Reaktion, eine Rolle rückwärts – dieses journalistische Bewegungsmuster kann man im Augenblick beim Springer-Verlag beobachten. Nicolaus Fest, stellvertretender Chefredakteur der „Bild am Sonntag“, eröffnete den Reigen mit einem Kommentar, der sich auf die Kurzformel „Islam, nein danke“ bringen lässt. Der Islam, schreibt Fest als „religionsfreundlicher Atheist“, störe ihn immer mehr – mit Blick auf die „überproportionale Kriminalität von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund“, die „totschlagbereite“ Verachtung für Frauen und Homosexuelle, Zwangsheiraten, „Friedensrichter“, „Ehrenmorde“ und „antisemitische Pogrome“.

          Seine Chefin, Marin Horn, schien zunächst noch gewillt, ihren Vize per Twitter zu verteidigen. Zumindest las sich ein erster Tweet so, in dem sie betonte, Fest habe sich gegen Intoleranz und Rassismus gewendet. Wenig später entschuldigte sie sich „für den entstandenen Eindruck“, die BamS habe „Gefühle verletzt“, doch gelte: „Wir sind nicht islamfeindlich!“

          Gegen Islamismus, für den Islam

          Der „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann schließlich formulierte für sein Blatt ein Stück, das man als Zurechtweisung von höchster Stelle vor versammeltem Publikum lesen muss: Für „Bild“ und den Springer-Verlag gebe es „eine klare, unverrückbare Trennlinie zwischen der Weltreligion des Islam und der menschenverachtenden Ideologie des Islamismus“. Schließlich zitiert Diekmann den Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner, der den Kampf gegen den Islamismus zugleich als Kampf „für einen aufgeklärten, starken, gesellschaftlich selbstverständlich verankerten, erfolgreichen Islam“ verstanden wissen will.

          Der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu bezeichnete Fests Kommentar in einem Gastbeitrag für die „Bild“ als „Rassismus pur“. Wie sagte einst der frühere Bundespräsident Christian Wulff? Auch der Islam gehöre zu Deutschland. Zumindest diesem Satz aus seiner verunglückten Amtszeit erweist Springer damit eine deutliche Reverenz.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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