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Islam : Drei Tage in Medina

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Unser Autor war der einzige Ungläubige unter Korangelehrten

Unser Autor war der einzige Ungläubige unter Korangelehrten Bild: AP

Streitgespräche finden heute überall statt. Auch in Medina? Bei den heiligen Stätten wurde über den „edlen“ Koran verhandelt. Stefan Wild, der Islamwissenschaft in Bonn lehrt, war der einzige nichtmuslimische Teilnehmer.

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          „Wenn sie nicht darauf aus wären, Muhammads Unehrlichkeit oder die Unechtheit des Korans zu beweisen, was würde sie hindern, sich zum Islam zu bekehren?“ Muhammad Mustafa al-Azami

          Wer ein Flugzeug der Saudi Arabian Airlines betritt, taucht in eine islamische Welt ein. Der Pilot meldet sich mit „Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers“, vor dem Start wird eine Art Reisesegen des Propheten Mohammed rezitiert, im hinteren Teil des Flugzeugs ist ein Gebetsraum eingerichtet, und die Gebetsrichtung nach Mekka wird fortwährend angezeigt. Eine Reihe vor mir sitzt ein älterer Mann, der während des ganzen Fluges zwischen Frankfurt und Dschidda Gebete und Koransuren halb laut spricht.

          Pilgerinnen in Medina. Bei der Tagung waren nur Männer
          Pilgerinnen in Medina. Bei der Tagung waren nur Männer : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Kurz vor der Landung wird angezeigt, daß wir demnächst den heiligen Raum Mekka überfliegen. Der murmelnde Pilger legt rasch das vorgeschriebene weiße Gewand an. Bei der Landung sind die Frauen, die beim Einsteigen verschiedene oder keine Kopfbedeckungen trugen, schwarz verschleiert. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben im Herzland des Islams.

          Der Koran gilt als Verfassung

          Die überraschende Einladung zu der Tagung „Der edle Koran und die orientalistischen Studien“ war vom „König-Fahd-Zentrum für den Druck des edlen Korans“ in Medina ausgegangen und mit der Aufforderung verbunden, einen Vortrag zu halten. Ich hatte dankend zugesagt - nicht ohne zu betonen, daß ich kein Muslim sei. Tagungsort war Medina; Medina und Mekka sind bekanntlich die beiden heiligsten Stätten des Islam, deren „Hüter“ zu sein, Ehrentitel des saudischen Königs ist.

          Die saudische Monarchie steht und fällt mit ihrer islamischen Legitimation, und der Koran gilt als Verfassung des Landes. Der Zutritt zu den heiligen Stätten ist dem Nicht-Muslim verwehrt - in Medina liegen das Hotel Meridien, der Tagungsort, und das König-Fahd-Zentrum außerhalb des Sperrbezirks.

          Zwei Tage im König-Fahd-Zentrum

          Das König-Fahd-Zentrum, in dem ich zwei Tage bis zum Beginn der Tagung verbringe, ist das islamische Gegenstück zur Bible Society - allerdings mit komfortablen Gästezimmern, der neuesten Computertechnik und einem reichen Petro-Dollar-Budget ausgestattet. Hier wird der arabische Korantext mit größter Sorgfalt kalligraphisch geschrieben und in verschiedenen Formaten millionenfach gedruckt. Jeder Mekkapilger bekommt ein solches Koranexemplar geschenkt.

          Hier werden auch Übersetzungen in die verschiedensten Sprachen hergestellt. Eine Übersetzung des Korans gilt nicht als wirkliche Übertragung, sie wird nur als „Übersetzung der Bedeutungen“, als eine Art Kommentar, verstanden, der aber in keiner Weise den arabischen Text ersetzen kann. Das jüngste Vorhaben ist eine Übertragung des Korans in die Gebärdensprache.

          „Allah“ oder „Gott“?

          Ein erstes Gespräch mit etwa einem Dutzend Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats des Zentrums verläuft in freundlicher Atmosphäre. Wir diskutieren, ob das Wort „Allah“ in einer deutschen Koranübersetzung mit „Gott“ übersetzt werden oder ob das arabische Wort stehenbleiben solle. Die Meinungen sind geteilt; Stichworte wie „Distanzierung“, „Exotisierung“ und „Projektion“ fallen.

          Die Problematik von kommentierenden Ergänzungen zum übersetzten Text und deren dogmatische Korrektheit werden ebenfalls zum Thema. Die Anwesenden sind unangenehm überrascht zu hören, daß für längere Zeit die am leichtesten zugängliche deutsche Koranübersetzung mit beigefügtem arabischem Text eine Version der Ahmadiyya war, einer muslimischen Gruppe, die in Saudi-Arabien als häretisch gilt.

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