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Islam : Als Gesetzbuch nur bedingt geeignet: Der Koran

  • -Aktualisiert am

Koran, Spanien, 13. bis 14. Jahrhundert Bild: Metropolitan Museum of Art, New York

Wie die Bibel, so enthält auch der Koran viele Gebote, doch wenige sind eindeutig.

          2 Min.

          Der Koran (arab. qu'ran, was „Vortrag oder „Lesung“ bedeutet) enthält die Offenbarungen, die Muhammad zwischen 610 und 632 zuerst in Mekka, dann in Medina empfing.

          Da Muhammad selbst weder lesen noch schreiben konnte, hielten wahrscheinlich Sekretäre die Offenbarungen schriftlich fest. Seine kanonische Textgestalt erhielt der Koran erst nach dem Tod des Propheten, als unter den ersten Kalifen Abu Bakr und Umar die vorhandenen Texte gesammelt und schließlich auf Initiative des dritten Kalifen Uthman (644-56) zur sogenannten „uthman.Rezension“ zusammengestellt wurden.

          Heilsgeschichte bis zum Weltuntergang

          Jüngste Funde von frühen Koranhandschriften im Jemen deuten darauf hin, dass die Einheitlichkeit des koranischen Wortlauts noch einige Zeit nach der „uthman.Rezension“ nicht gewährleistet war.

          Der Koran erzählt die Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zu ihrem Untergang, wobei der Schwerpunkt auf den „letzten Dingen“ liegt - Paradies und Hölle, das Jüngste Gericht. Daneben enthält der Koran in seinen 114 Suren ethische Maximen, theologische Diskussionen, etwa über die Überwindung von Christen- und Judentum und Rechtsvorschriften.

          Da die Themen oft nur angedeutet werden ist ein genaues Verständnis vieler Texte auf die Exegese angewiesen. Der Koran taugt deshalb nur bedingt als Vorlage für Gesetzbücher. Deshalb gingen in das islamische Rechtssystem (fiqh), das sich seit dem 8. und 9. Jahrhundert fixiert wurde, neben dem Koran die Lebenspraxis des Propheten freiere Maßstäbe wie die Übereinstimmung von Gelehrten in einer Frage und individuelle geistige Anstrengung (Ijtihad) ein.

          Die fünf Säulen des Islam

          Aus dem Koran gehen die Pflichten des Moslems, die „fünf Säulen“ (arkan) des Islam, hervor: 1. das Glaubensbekenntnis 2. das Pflichtgebet fünfmal am Tag zu verrichten 3. das Fastengebot im Monat Ramadan 4. die Armensteuer 5. die Pilgerfahrt nach Mekka (hajj), die einmal im Leben anzutreten ist. Zu den normativen Aussagen des Korans gehören außerdem Speisegesetze wie das Verbot von Wein (Sure 5, Vers 90) und Schweinefleisch (Sure 2, Vers 173) und das Verbot, Zinsen zu nehmen (Sure 2, Vers 275-77).

          Das alles ist jedoch nicht thematisch, sondern scheinbar unsystematisch zusammengestellt. Deshalb ist für das Studium des Korans eine Konkordanz unentbehrlich.

          Die Verse des Korans folgen keiner festen Metrik, die Versenden sind reimgebunden, doch der Reim kann innerhalb einer Sure wechseln. Diese einzigartige sprachliche Vielfalt ist für die Muslime ein zentraler Ausdruck der Göttlichkeit des Korans.

          Die sprachliche Schönheit des Originals

          Islamwissenschaftler betonen, dass die stilistische Vielfalt und poetische Schönheit des Korans in den Übersetzungen fast völlig verlorengehe. Als beste klassische Übersetzung gilt die von Friedrich Rückert.

          Nichtmuslimen ist es im Prinzip verboten, ein Exemplar des Korans zu berühren. Früher war sogar der Export des Korans in nicht-muslimische Gebiete verboten. Und obwohl die erste gedruckte Fassung des Korans um 1537 in Venedig entstand, fanden westliche Drucke in der islamischen Welt keine Verbreitung. Die heutige gültige Standardausgabe wurde 1923 von der Azhar-Universität in Kairo herausgegeben. Urteile über den Koran, die auf der Lektüre von Übersetzungen beruhen, werden von Muslimen nicht anerkannt.

          Materialisierung eines Ur-Buchs?

          Im Mittelalter kreisten theologische Diskussionen um die Frage, ob der Koran als eine zeitgebundene Schöpfung angesehen werden müsse oder als Ausdruck einer ewigen göttlichen Botschaft („Ur-Buch“), die schon immer im verborgenen existiert hatte und sich im Koran und durch Muhammad materialisierte.

          Eine Kontroverse unserer Zeit handelt von der Frage, inwiefern der Koran in den ersten Jahrhunderten nach Muhammeds Ton Veränderungen erfuhr.

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