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Irland & Lektüre : Bücher von Terroristen und Staatsmännern

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Die explosive Wut der Protestanten Bild: AP

Der Nordirlandkonflikt hat an nichts an Schärfe verloren. FAZ.NET stellt die interessantesten Bücher zum Thema vor.

          2 Min.

          Die Gewalt im Nordirlandkonflikt hat eine erschreckend skrupellose Dimension angenommen. Protestantische Terroristen warfen jüngst eine Brandbombe in Richtung einer Gruppe katholischer Schulmädchen. Die Mädchen wurden nicht verletzt. Was sind das für Menschen, die ihren blinden Hass an Kindern austoben?

          Terror verbreitet auch die Organisation Irisch-Republikanische Armee (IRA). Einer von ihnen, Eamon Collins, hat ein Buch mit dem Titel „Blinder Haß“ über die Niederungen des IRA-Kampfes geschrieben.

          Abkehr von der Vergangenheit als Attentäter

          Der irische Terrorist war an 15 Morden beteiligt, er wurde gefasst, musste die Strafe jedoch nicht absitzen. In seiner Autobiografie beschreibt er die IRA als „eine Bande von betrunkenen Psychopathen“ und wurde dafür wahrscheinlich von Republikanern 1999 zu Tode geschlagen.

          Verklärter Terror

          Gerry Addams ist seit 1983 Vorsitzender der Partei Sinn Fèin, die als politischer Arm der IRA gilt. In seiner Autobiografie „Bevor es Tag wird“ schildert er die Zeit von seiner Geburt bis zu den Toten des Hungerstreiks der IRA, die der Organisation internationale Aufmerksamkeit verschaffte (1948 - 1981).

          Rezensent Paul Ingendaay hat das Buch mit gemischten Gefühlen gelesen. „Möglicherweise verkörpert Addams' Buch wie kein anderes die verfahrene Situation zwischen Loyalisten und Republikanern, die seit den späten sechziger Jahren einige tausend Tote gefordert hat.“ Ingendaay kritisiert jedoch eine „gewisse Sentimentalität des Stils“ des Buchs, das einer „Opfer-Mythologie“ gleichkomme.

          Sehr souverän und mit einem Hauch Polemik führt Stephen Howe in „Ireland and Empire“ durch das Labyrinth der verschiedenen Standpunkte im Nordirlandkonflikt. Ist es ein „antikolonialer Befreiungskrieg“, ist die herrschende Klasse der Republik Irland Juniorpartner eines „kollektiven Imperialismus“? Howe analysiert die kontroversen Sichten von der Vergangenheit bis in die Gegenwart.

          Eagletons Irland ABC

          Ein Buch, das Irland nicht nur politisch betrachtet, sondern auch der irischen Volksseele gerecht werden will, legt Terry Eagleton vor. Mit dem typischen irischen Humor gibt der Oxforder Literaturwissenschaftler in dem Buch „Die Wahrheit über die Iren“ einen Einblick in die abgründigen aber liebenswerten Eigenheiten der Iren.

          Dabei geht er in alphabetischer Reihenfolge vor. Unter dem Buchstaben J findet sich „einer der führenden Wirtschaftszweige Irland“ - James Joyce. Gemeinsam mit dem Schrifsteller Butler Yeats präsentiert ihn Eagleton derart, dass man an der Sprachbeherrschung des ersten und an der Zurechnungsfähigkeit des zweiten zweifeln muss. Rezensentin Martina Bretz hat sich bei der Lektüre gut amüsiert: „Eagletons Buch ist witzig, intelligent und mit leichter Hand geschrieben.“

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