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Iran : Zaris Geständnis

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Solidaritätswebsite für Zahra Amir Ebrahimi Bild: Solidaritätswebsite Zarah Ebrahimi

Zahra Amir Ebrahimi war ein Fernsehstar in Teheran. Dann tauchte ein Video auf, das sie beim Sex mit ihrem damaligen Freund zeigen soll. Ihr drohen nun harte Strafen - auch wenn sie behauptet, die Frau in dem Film sei nicht sie.

          Sie hat ihren Tod schon gefühlt im aggressiven Gebrüll dieser Menschen - nun sitzt sie in ihrer Wohnung wie in einer Zelle, denn sie hatte es als ein Geschenk gesehen, ihre Liebe, und so bittet sie Gott, ihr zu sagen, daß das nur ein Traum ist“ - wacht alle auf und wehrt euch gegen diesen Albtraum, fordert der Teheraner Rapper Yas.ft.Ammin in seinem neuesten Lied. Er erzählt vom realen Schicksal Zahra Amir Ebrahimis. Ihre Geschichte ist die einer Generation junger Menschen in Teherans liberalem Norden: Sie wurden während des achtjährigen Kriegs geboren, in einer Zeit, als die 1979 siegreiche Revolution das Land veränderte; sie mußten unter der harten Kontrolle des islamischen Regiments ihren Geist, ihr Verhalten und ihren freiheitlichen Lebensstil entwickeln. Haben sie das geschafft, sind sie in täglicher Gefahr, einen unachtsamen, einen falschen Schritt zu tun.

          Die fünfundzwanzigjährige Zahra Amir Ebrahimi war ein Fernsehstar in Teheran, wurde liebevoll von ihren Fans Zari genannt und nicht nur wegen ihres Aussehens bewundert: „Sie ist unser Vorbild in einer Soap gewesen, auch wenn sie dort eine Frau spielt, die aufrecht und überzeugt die moralische Vorstellung der Konservativen des Irans propagiert; ihrem Vorbild sollten wir wohl folgen“, sagt eine gleichaltrige Teheranerin und gibt zu verstehen, wie das Leben dort für viele junge Menschen funktioniert: „Sie war unsere Identifikationsfigur, da so viele von uns nach außen eine Rolle spielen müssen und es innen meist ganz anders aussieht. Wir sind Meister der Maskierung.“

          Jeder kannte ihr Gesicht

          Zahra Amir Ebrahimi stammt aus einer Familie der iranischen Mittelschicht, wuchs in einer Wohnung im Zentrum Teherans auf, in einer Gegend, in der berühmte Künstler wie ihre Eltern lebten - eine für sie beschützende, kreative Atmosphäre. Ein liberaler Zirkel abseits der Repressalien der neuen Machthaber. Sie ging auf die Schauspielschule, wo es hieß, sie habe nicht genug Talent. So arbeitete sie hinter den Kulissen, bis sie ein Angebot aus der Werbung bekam - und ein paar Jahre später eine Rolle in einer Fernsehserie: „Doch erst ihre letzte Serie wurde ein unbeschreiblicher Erfolg; sogar Iraner in anderen Länder sahen sie über das Internet. Jeder kannte sie, kannte ihr Gesicht“, erzählt ein Freund von ihr, der sie noch vom Theater kennt. Tatsächlich konnte sie zeitweise gut zwei Drittel der Bevölkerung erreichen.

          Doch die Rolle der Züchtigen, Religiösen wird Zahra Amir Ebrahimi in Zukunft wohl nicht mehr spielen dürfen. Ihr drohen soziale Ächtung, das Ende ihrer Karriere und möglicherweise Peitschenhiebe. Vor drei Jahren, damals war sie zweiundzwanzig Jahre alt, soll sie ein privates Sexvideo gedreht haben, das sie mit ihrem damaligen Freund, der ebenfalls beim iranischen Fernsehen arbeitete, zeigt. Es sollte ein Stück Erinnerung sein, privat und für keine Öffentlichkeit gedacht.

          Schwulenpartys und mondäne Feste

          Zwischen dem privaten und öffentlichen Leben in Iran herrscht eine tiefe Kluft, ja eine Spannung: Nach den Jahren der Revolution, des Krieges mit dem Irak, der Auslöschung der politischen Opposition und nach der Etablierung der Islamischen Republik war nur das herrschende Regime im öffentlichen Raum präsent. Im Privaten haben die liberalen Teheraner schon immer gemacht, was sie wollten: Von Schwulenpartys bis zu mondänen Festen gab und gibt es alles - allerdings nur in den eigenen vier Wänden. In den Straßen und Cafés halten sich Mädchen und Jungen nicht einmal an den Händen, aber privat haben sie häufig schon weitaus mehr sexuelle Erfahrung, als die Generation ihrer Eltern in ihrem Alter hatte.

          In der Öffentlichkeit jedoch heißt es vorsichtig sein: Doch Ebrahimis Freund vergaß angeblich das Video auf seiner Festplatte, als er den Computer Monate später zur Reparatur brachte. Der Techniker soll es entdeckt haben und die Schauspielerin und den kommerziellen Wert sofort erkannt haben: Vervielfältigt und zu mehreren hunderttausend Stück in den Straßen der Hauptstadt für rund zehn Euro - eine hohe Summe für Teheraner Verhältnisse - verkauft, war es nur eine Frage der Zeit, bis es auch im Internet auftauchte (680.000 Mal heruntergeladen) und ungnädige Personen Konsequenzen ziehen würden.

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