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Iraks Kulturschätze : Die Legende vom „Verbrechen des Jahrhunderts“

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Hat sich verzählt: Donny George Bild: AP

170.000 wertvolle Stücke seien aus dem Nationalmuseum gestohlen worden, hieß es nach den Plünderungen von Bagdad. Jetzt hat sich die Zahl als grotesk übertrieben erwiesen - und ihr Urheber als zwielichtige Figur.

          Aus dem Nationalmuseum in Bagdad wurden nicht 170.000 Exponate aus den Vitrinen sowie Gegenstände aus dem Archiv gestohlen, sondern - zweiunddreißig. Schuld an dieser grotesken Übertreibung war Donny George Youkhanna, Chef der Forschungsabteilung des Nationalmuseums und während des Krieges faktisch amtierender Direktor des Museums. Die dubiose Geschichte dieses Mannes erzählt die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Montag.

          Die amerikanischen Besatzungstruppen hätten trotz seiner flehentlichen Bitten den Eingang zum Nationalmuseum nicht bewacht, seien statt dessen mit ihren Panzern vor dem Ölministerium aufgefahren, um dieses zu schützen, hatte der Mann, den alle Donny George nennen, seinerzeit geklagt - und vom „Verbrechen des Jahrhunderts“ gesprochen.

          Die Meldung vom ausgeräumten Museum hatte den erwünschten Medieneffekt, und nur wenige wagten die Frage, ob es nicht Aufgabe der Angestellten, gar der Leitung des Museums gewesen wäre, Vorbereitungen für den Krieg zu treffen, der sich ja schon Monate zuvor angekündigt hatte. Die Schuld traf die britischen und zumal die amerikanischen Truppen, Doktor Donny George aber wurde zu Konferenzen und Expertentagungen nach London und anderswo eingeladen, wo er seine ursprüngliche Bestandsaufnahme vom katastrophalen Verlust mit bebender Stimme und Tränen in den Augen - wie berichtet wurde - bestätigte, jedenfalls nicht revidierte.

          Der Befund, daß die meisten Kulturschätze des Museums inzwischen wiedergefunden wurden, wirft ein seltsames Licht auf Donny George, gegen den nun seinerseits schwere Vorwürfe erhoben werden.

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