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Kulturerbe in Mossul : Die Schätze unter Jonas zerstörtem Grab

  • -Aktualisiert am

An den antiken Ruinen von Ninive scheinen sich die Islamisten zwar nicht vergriffen zu haben, wohl aber an der modernen Rekonstruktion des monumentalen westlichen Stadttors („Mashki-Tor“), das mit Baggern planiert wurde. Eine geflügelte Torwächter-Figur (Lamassu), die am nördlichen „Nergal-Tor“ stand, wurde vom IS entfernt und wegtransportiert. Dass die Nabi-Yunus-Anlage und ihre Umgebung im größtenteils überbauten südlichen Teil des einstigen Ninive noch Schätze aus assyrischer Zeit bergen könnte, dürften die im Antikenraub geübten Dschihadisten gewusst haben. Schließlich hatten noch Anfang der neunziger Jahre irakische Altertumsforscher in der Nähe der Nabi-Yunus-Moschee einen imposanten Lamassu freigelegt und auch weitere Funde gemacht, die darauf hindeuten, dass dort einst der Palast von Sanheribs Sohn Asarhaddon gestanden haben könnte. Tatsächlich machten sich die Islamisten nach der Sprengung der Moscheeanlage ans Werk und gruben dort mehrere Tunnel, die erst im Februar, nach der teilweisen Befreiung der Stadt, von irakischen Soldaten entdeckt wurden.

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Die Funde sorgen seitdem nicht nur unter einheimischen Archäologen, sondern auch weltweit bei Assyrologen für Aufsehen. Für den niederländischen Archäologen David Kertai, einen Experten für assyrische Architektur, sind die entdeckten Artefakte, darunter Steinreliefs und ein monumentaler Lamassu, nicht leicht einzuordnen. Er bemerkte auf Anfrage dieser Zeitung, dass sie die bisherige Annahme von der Existenz eines assyrischen Palastes unterhalb der Nabi-Yunus-Moschee zwar stützten. Aber die dort entdeckte Steintafel mit einer Inschrift von König Asarhaddon sei noch kein Beweis dafür, dass es sich auch wirklich um seinen Palast handele. Denn aus Kertais Sicht spricht einiges dafür, dass an der freigelegten Fundstelle Bauteile aus verschiedenen Perioden verbaut wurden – ein auf den bislang kursierenden Fotos zu sehendes Relief mit menschlichen Figuren stehe sogar auf dem Kopf. Diese Einschätzung teilt auch die Münchner Archäologin Simone Mühl, die an mehreren Initiativen zur Dokumentation und Erhaltung des Kulturerbes im Irak beteiligt ist. Sie hob dieser Zeitung gegenüber indes hervor, dass einige der Darstellungen auf den Steinreliefs, vor allem Frauenfiguren, den Forschern bislang unbekannt gewesen seien.

Was mit den einsturzgefährdeten Ruinen der Moscheeanlage und den Funden geschehen soll, ist noch unklar. Ginge es nach der Vorsitzenden des Kulturausschusses des irakischen Parlaments, Maysun al Damludschi, die unlängst die Stadt besuchte, so sollten die Mauerreste vorerst erhalten und die entdeckten assyrischen Schätze in das irakische Nationalmuseum nach Bagdad gebracht werden. Auch die Zukunft des vollständig ausgeraubten und teilweise durch einen Brand zerstörten Museums von Mossul ist noch ungewiss. Pläne für seinen möglichen Wiederaufbau werden der Archäologin Simone Mühl zufolge derzeit von einer Kommission der irakischen Antikenverwaltung diskutiert.

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