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Verräterische IP-Adressen : Der Mensch hinter den Suchanfragen

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Sag’ mir deine IP-Adresse, und ich sag dir, wer du bist: Man muss nicht beim Geheimdienst sein, um aus Online-Daten eindeutige Rückschlüsse zu ziehen. Bild: dpa

Ministerien, Behörden und Firmen haben in der digitalen Welt feste Adressen. Wer diese kennt und Suchanfragen sammelt, weiß über die Absender alles und kann daraus Kapital schlagen. Können wir uns wehren?

          Wenn Sie ins Internet gehen, dann bekommen Sie jedes Mal eine IP-Adresse. Eine IP-Adresse ist nötig, damit ihr Computer mit anderen Computern im Internet reden kann. IP-Adressen sind Zahlenketten, die zum Beispiel so aussehen: 8.8.8.8. Das ist der DNS-Server von Google. Was bitte ist ein DNS-Server? Der ist so etwas wie ein Internet-Telefonbuch. Denn wenn Sie in den Browser „faz.net“ oder „ebay.de“ eingeben, dann weiß der Browser erst mal nicht, was er damit machen soll. Er fragt also freundlich beim DNS-Server seines Vertrauens an, und der gibt dann eine IP-Adresse heraus, mit welcher der Browser wieder etwas anfangen kann, und schwups - die Seite ist im Browser.

          IP-Adressen identifizieren also Anschlüsse im Internet. Privatkunden, die einen digitalen DSL-Anschluss für Surfen und Zocken und anderes im Internet benötigen, haben keine feste IP-Adresse. Ein Ministerium schon. Vereinfacht gesagt: Nicht jeder einzelne Computer im Ministerium hängt direkt am Internet, es gibt vielmehr ein internes Netzwerk, und das wählt sich dann über einen Knoten im Haus ins Internet ein.

          Gebündelte Suchanfragen ergeben ein Bild

          Dadurch hat ein Ministerium oder der Bundestag eine sogenannte feste „IPRange“. Das bedeutet, die Anfragen von bestimmten IP-Adressen sind immer einer bestimmten Behörde zuzuordnen. Man kann sich das wie die Vorwahl bei einer Telefonnummer vorstellen. Wenn 030 auf dem Display erscheint, dann weiß man zwar nicht wer anruft, aber man weiß, der Anrufer kommt aus Berlin.

          Jetzt beginnt die Magie: Wenn jemand aus der IP-Range etwa des Innenministeriums Google benutzt, weiß Google nicht, ob Thomas de Maizière oder sein Referent am Rechner sitzt. Aber Google weiß, die Anfrage kommt aus dem Innenministerium. Google als Beispiel, weil Google die meistbenutzte Suchmaschine in Deutschland ist. Auch in deutschen Behörden.

          Das Innenministerium googelt also den ganzen Tag: „Salafisten“, „3 minutes sur mer“, „NSU-Ausschuss“ und so weiter und so fort. Ohne zu wissen, wer da am Rechner sitzt, weiß man, zweimal geht’s um Arbeit, einmal um Essen, denn das „3 minutes“ ist ein Restaurant in Berlin. Jetzt wird also den ganzen Tag gegoogelt, und bei Google laufen die anonymen, aggregierten Suchanfragen des Innenministeriums ein. Und des Wirtschaftsministeriums. Und des Kanzleramts. Und jeder deutschen Behörde von Berlin bis Garmisch-Partenkirchen.

          Man muss kein Hellseher sein

          Diese Suchanfragen bedeuten konkret, dass die Suchmaschine und die daran hängenden Geheimdienste wissen, was deutsche Behörden denken. Es ist so einfach: Jahrelang konnte eine Datenbank aufgebaut werden, die die durchschnittlichen Suchanfragen erfasst, und immer wenn es eine Abweichung vom Jahresmittel gibt, wird es interessant. Im Kanzleramt wird viel zu China gegoogelt?

          Das heißt: Frau Merkels Reise in die Volksrepublik wird vorbereitet. Der Zauber der sogenannten Metadaten, vor kurzem auf Twitter sinngemäß wie folgt zusammengefasst: Wenn Sie wissen, dass über einen Anschluss die Selbstmordhotline angerufen wurde, worum wird es im Gespräch wohl gegangen sein?

          Diese sogenannten Metadaten sind keine konkreten Gesprächsinhalte, aber wenn jemand die ganze Zeit „Schuldnerberatung“ und „Privatinsolvenz“ sucht, dann muss man jetzt nicht hellseherisch begabt sein, um zu wissen, wohin die Reise geht.

          Smartphones bieten weitere Einblicke

          Überwachung ist in den Köpfen der meisten Menschen noch immer etwas aus James-Bond-Filmen. Ist sie aber nicht mehr. Jeder wird überwacht, nicht weil er so interessant ist, sondern weil genug Speicherplatz da ist, um die Speicher mit den Infos über jeden volllaufen zu lassen. Für irgendetwas kann es ja mal gut sein. Ist doch praktisch, wenn jemand mit 25 anfängt, sich politisch zu engagieren und Sie ihn mit den Dingen konfrontieren können, die er so mit fünfzehn gegoogelt hat.

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