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Interview : Was, wenn sie in unseren Straßen sterben?

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Der Filmemacher William Nicholson über seinen Film „Der Marsch“ vor fünfzehn Jahren und das Flüchtlingsproblem von heute.

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          Der Filmemacher William Nicholson über seinen Film „Der Marsch“ vor fünfzehn Jahren und das Flüchtlingsproblem von heute.

          Herr Nicholson, was haben Sie gedacht, als Sie die Fernsehbilder der afrikanischen Flüchtlinge in Marokko gesehen haben?

          Das sind natürlich außergewöhnliche Bilder, aber unser Film war nicht prophetisch, denn das Flüchtlingsproblem exisitert ja nun schon eine ganze Weile. Schon in den achtziger Jahren hatten wir ein enormes Wohlstandsgefälle. Aber erst jetzt gibt es so dramatische Bilder für die Fernsehkameras.

          Wie wurde „Der Marsch“ damals von der Öffentlichkeit aufgenommen?

          Wenn ich mich richtig entsinne, wurde der Film zwar geschätzt, aber ich glaube nicht, daß irgendjemand ihn besonders beachtet hat. Wir zeigen in „Der Marsch“ ja eine riesige Armee der Entrechteten, die auf Europa zumarschiert, und weil das eine Erfindung war, hat sich damals wohl auch niemand davon besonders bedroht gefühlt. Eine Botschaft des Films ist: Wir verhalten uns gerne liberal und wohlwollend gegenüber den Afrikanern, bis sie dann kommen und sagen: Wir sterben jetzt in euren Straßen - und dann entscheiden wir Europäer uns, daß wir das nicht mehr wollen. Diese verstörende Botschaft wollten damals nicht viele hören. Aber wer weiß, das ist schließlich ein langer, kontinuierlicher Prozeß, bei dem wir den Leuten Fragen ins Hirn träufeln.

          Wie sehen Sie die Lage heute, fünfzehn Jahre nach ihrem Film?

          Ich habe auch heute keine fertige Antwort auf das Flüchtlingsproblem. Der Unterschied war 1990, daß wir uns noch für relativ aufgeklärt in solchen Fragen hielten. Ich glaube die Idee, am Ende des Films zu zeigen, wie die Armee aufmarschiert, um die Menschen aufzuhalten und sogar auf sie zu schießen, diese Idee erschien damals unrealistisch. Jetzt wissen wir, daß genau das passiert.

          Wie kam der Film zustande?

          „Der Marsch“ wurde als Beitrag zur „One World Week“ produziert. Bei der BBC dachte man, daß wir mit einem Fernsehspiel mehr Aufmerksamkeit erregen können, als mit einem Dokumentarfilm, und da ich seit Jahren für die BBC Reportagen in Entwicklungsländern produziert hatte, hat man mich damals um ein Drehbuch gebeten.

          Später haben Sie sich als Drehbuchautor von Blockbustern wie „Gladiator“ einen Namen gemacht.

          Trotzdem haben sich meine Interessen nicht wirklich verändert. Ich habe auch eine Reihe von Kinderbüchern geschrieben, die dem Thema von „Der Marsch“ wesentlich näher stehen. Im zweiten Band meiner „Windsänger“-Trilogie wird eine Stadt niedergebrannt und ein ganzes Volk muß in die Sklaverei ziehen. Das sind zwar Fantasy-Bücher, aber es geht darin nicht um Drachen, sondern um genau die sozialen Probleme, die ich als Journalist draußen in der wirklichen Welt erlebt habe.

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