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Interview : Was Lehrer in Amerika können müssen

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Schulreformer: Soterios Zoulas vom Annenberg-Institut Bild: Soterios Zoulas

Zukunft der Schule: Ein Gespräch mit Soterios Zoulas vom Annenberg-Institut im amerikanischen Providence. (Teil VII)

          4 Min.

          Dass gute Schulen nicht nur eine moralische Verpflichtung sind, sondern auch im elementaren Interesse eines Landes liegen, erfuhr Amerika 1983. Damals sagte ein Bericht der Nationalen Kommission für Ausbildung unter dem Titel "Nation At Risk" den Amerikanern voraus, dass die schlechte Schulausbildung eine Katastrophe für das Land heraufbeschwört, und zwar sozial wie wirtschaftlich. Seitdem hat sich vieles geändert. Das Annenberg-Institut für Schulreform im amerikanischen Providence kämpft bei der Verbesserung des öffentlichen Schulwesens an vorderster Front.

          FAZ.NET sprach mit dem Sprecher der Stiftung, Soterios Zoulas, über die Frage, was Amerikas Lehrer können müssen.

          Herr Zoulas, bitte erzählen Sie uns etwas über Ihr Institut.

          Es trägt den Namen von Walter Annenberg. Er stammt aus Pennsylvania und war ein erfolgreicher Verleger und Publizist. Von 1968 bis 1974 war er amerikanischer Botschafter in London. Annenberg war ein Pionier auf dem Gebiet des Schulfernsehens. Themen wie Schule und Ausbildung haben ihn zeitlebens interessiert. Nachdem er 1980 seine Verlage verkauft hatte, widmete er sich der Wohltätigkeit. Das Annenberg-Institut für Schulreform wurde 1993 auf der Grundlage einer anonymen Spende über fünf Millionen Dollar an die Brown University in Providence gegründet. Die Annenberg Stiftung steuerte 50 Millionen Dollar bei.

          Wie lautet das Ziel des Instituts?

          1983 erschien ein Bericht mit dem Titel "Nation At Risk". Er zeigte die verheerenden Defizite des amerikanischen Schulsystems. Seitdem haben eine Menge Leute in Amerika erkannt, dass gute Schulen nicht nur eine moralische Frage sind, sondern auch zu den vitalen Interessen unseres Landes gehört. Als der Bericht erschien, war die Angst groß, dass Amerika hinter Wirtschaftsnationen wie Japan und Deutschland zurückfällt. Seither gibt es eine breite Bewegung, die das öffentliche Schulsystem, vor allem das in den Städten, verbessern möchte. Das Annenberg-Institut spielt hier eine gewisse Rolle.

          Zu unseren Zielen gehört es, die akademische Ausbildung der Lehrer zu verbessern und die Lücke zwischen den Schulleistungen von weißen Schülern und denen von Minderheiten zu beseitigen. Wir wollen aber auch mithelfen, in ganz Amerika Standards durchzusetzen, die jeder Schüler erfüllen muss. Unser Wunsch ist es, dass jedes Kind in Amerika eine gute Schulausbildung bekommt. Um mit Präsident Bush zu sprechen: Kein Kind darf zurückgelassen werden, ob es weiß, schwarz, hispanischer oder asiatischer Herkunft ist. Amerika scheint das begriffen zu haben. Immerhin gehen 85 Prozent der amerikanischen Kinder auf öffentliche Schulen. Diese 85 Prozent entscheiden über die Zukunft Amerikas. Es sind nicht allein die 15 Prozent, die sich private Schulen leisten können.

          Wo liegen die Probleme des öffentlichen amerikanischen Schulsystems?

          Ein Problem ist, dass die Schulen oft in lokaler Trägerschaft sind oder dem Bundesstaat unterstehen. Das führt zu einer großen Uneinheitlichkeit der Lehrpläne - und auch zu Ungleichheiten in der finanziellen Ausstattung und der Qualität des Unterrichts. Hier versuchen wir entgegenzusteuern, indem wir ärmere Schulen unterstützen - finanziell und inhaltlich. Dann verstehen sich die Aufsichtsbehörden oft als eine Art Polizei. Das muss sich ändern. Die Behörden müssen sich in Zukunft so verstehen, dass sie den Schulen einen Service bieten.

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