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Interview : Tefaf-Präsident: Diese Kunst-Messe ist krisenfest

  • Aktualisiert am

Willem Baron van Dedem, Präsident der Tefaf Bild: Tefaf

Ein Gespräch mit Willem Baron van Dedem, dem Präsidenten der Tefaf Maastricht, der schönsten Kunstmesse der Welt.

          3 Min.

          Die teuerste und schönste Kunstmesse der Welt findet einmal im Jahr im niederländischen Maastricht statt. Hier, im Dreiländereck von Belgien, Deutschland und den Niederlanden, füllen Jahr für Jahr Milliardäre, die im eigenen Flugzeug anreisen, und Kuratoren mit üppigem Budget, ihre Sammlungen auf. Auch in diesem Jahr ist von Krisenstimmung kaum etwas zu spüren. Die schöne Welt der Superreichen scheint aller Sorgen enthoben. Messe-Präsident Willem Baron van Dedem ist am Tag der Eröffnung guter Dinge, wie er im FAZ.NET-Gespräch verkündet.

          Baron van Dedern, wie sind Ihre Erwartungen angesichts der aktuellen weltwirtschaftlichen Lage? Muss da nicht auch der Kunsthandel seine Erwartungen zurückschrauben?

          Wir sind natürlich sehr gespannt. Wir wissen es erst in einigen Tagen. Aber die Aussichten sind gut. Die Qualität der Messe ist wieder so, wie wir das gewohnt sind, ich habe den Eindruck, dass in diesem Top-Segment eine Wirtschaftsflaute überhaupt keine Rolle spielt. Die Leute, die dieses Geld haben, flüchten sich sogar noch eher in Kunst von höchster Qualität als sonst. Die Tefaf scheint krisenfest zu sein. Sorgen machte uns natürlich der amerikanische Markt. In Amerika hat jeder Museumskurator Sammler und Sponsoren, und bringt dann manchmal ganze Flugzeugladungen mit, um die Messe zu besuchen. Wir haben jetzt die Buchungen vorliegen, wissen welche Museumskuratoren mit welchen Sponsoren kommen werden. Das sieht alles sehr gut aus und beruhigt uns auch.

          Ein Sicherheitsbeamter vor Rembrandts „Minerva” (40 Millionen Dollar)
          Ein Sicherheitsbeamter vor Rembrandts „Minerva” (40 Millionen Dollar) : Bild: dpa

          Was ist anders als im letzten Jahr?

          Der Bereich für moderne Kunst ist noch einmal augedehnt worden. Das ist die wichtigste Neuerung. Und die Altmeister sind wieder fabelhaft. Ich habe die Prüfungen selbst zwei Tage beobachtet. Es sieht wirklich sehr gut aus.

          Maastricht ist bekannt für seine strengen Auswahlkriterien. Können Sie einige nennen?

          Wir haben besonders für die Gemälde eine Reihe unabhängiger Experten. Da darf überhaupt kein Zweifel aufkommen, weder an der Qualität noch an der Echtheit. Und wenn die Zuschreibung nicht ganz gesichert ist, dann darf man eben nicht Brueghel dranschreiben, sondern muss sich mit „Brueghel zugeschrieben“ begnügen. Da sind wir sehr streng.

          Bei Möbeln verhält es sich etwas anders, weil sich die Kommission nicht nur aus ganz unabhängigen Prüfern zusammensetzen kann, denn die haben nicht genügend Kenntnis. Die können zwar sagen, 'das Möbel ist Louis VI', aber ob 25 Prozent des Stücks erneuert sind, das sehen sie nicht. Solche Fragen können die Händler viel besser beurteilen. Meine Aufgabe als Präsident ist, darauf zu achten, dass es fair zugeht.

          Der Eintritt kostet in diesem Jahr 30 Euro. Dafür bekommt man zwar auch den Katalog. Trotzdem: Ein stolzer Preis.

          Wissen Sie, wir haben ein Problem: Der Zufluss ist zu groß. Wir haben die Messe ohnehin schon ausgedehnt. Und trotzdem müssen wir hoffen, dass nicht noch mehr Besucher kommen wollen als in den letzten Jahren. Es gibt einen Moment, da wird es für alle eng und unbequem. Diese Gefahr müssen wir irgendwie entgegenwirken. Aber das bedeutet nicht, dass wir den Eintritt noch verdoppeln werden.

          Soll, kann die Messe noch weiter wachsen?

          Die Schmerzgrenze ist erreicht. In Quadratmetern können wir auf keinen Fall mehr weiter wachsen.

          Mussten Sie vielen Händern absagen?

          Natürlich. Es gibt Wartelisten. Und manche Händler müssen wir Jahr für Jahr aufs Neue vertrösten. Das liegt dann nicht allein an der Qualität ihrer Ware, sondern auch am Eindruck der Koje. Die Konkurrenz ist einfach groß.

          Die Händler in Maastricht scheinen einen geschlossenen Kreis zu bilden. Jedes Jahr sind dieselben renommierten Namen vertreten. Hat ein Galerist, der gerade anfängt, überhaupt Chancen, hier aufgenommen zu werden?

          Unter den 199 Händlern sind diesmal sieben neue dabei. Zwei von ihren waren schon früher einmal dabei - bleiben fünf wirklich neue Teilnehmer. Der Anteil der Neulinge ist gering. Es gibt eine Chance für junge Händler, aber nur eine sehr kleine.

          Nennen Sie uns ein Kunstwerk, dass Ihnen persönlich bei der Sichtung besonders gut gefiel?

          Die qualitätvollen sind oft die kleineren Meister, die in Maastricht mit ihren besten Beispielen gezeigt werden. Das kann nicht überraschen, da die großen Meister mit ihren besten Beispielen lange vom Markt verschwunden sind. Mir gefällt zum Beispiel ein Kirchen-Interieur von Jan van Vliet sehr gut. Van Vliet ist ein kleiner Meister. De Witte ist der große Meister. Aber ich habe diesen kleinen Van Vliet gesehen und muss sagen: Das ist ein brillantes kleines Gemälde.

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