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Interview : Stanley Kubrick fand sich selber langweilig

  • Aktualisiert am

Christiane Kubrick Bild: dpa

Diese Woche kehrt das Film-Epos „2001-Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick in die Kinos zurück. Ein Interview mit Kubricks Witwe Christiane über einen der größten Regisseure aller Zeiten.

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          Das Jahr 2001 war Anlass dafür, einen der besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten wieder im Kino zu zeigen: In dieser Woche läuft Stanley Kubricks Film-Klassiker „2001-Odyssee im Weltraum“ in einer restaurierten Fassung in Deutschland an. In einem Interview, das am 17. Februar in den Berliner Seiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien, sprach Andreas Kilb mit Kubricks Witwe über die Arbeit des Regisseurs und seine Persönlichkeit. Über ihren Mann, so Christiane Kubrick, sei viel Unfug im Umlauf gewesen.

          Frau Kubrick, vor gut vierzig Jahren haben Sie in „Wege zum Ruhm“ die junge deutsche Gefangene gespielt, die am Ende vor den alliierten Soldaten das Lied vom treuen Husaren singt. Können Sie sich an die Dreharbeiten noch erinnern?

          Ich erinnere mich genau. Stanley wollte wissen, welches Lied denn jedem einfalle. Da haben wir das Lied vom Husaren genommen und es hat ihm sehr gefallen. Stanley arbeitete sehr gut mit Schauspielern. Er brüllte nicht, sondern nahm mich zur Seite und erklärte. Damals kannte ich ihn allerdings schon eine Weile. Er hatte mich drei Monate zuvor engagiert, und wir wohnten schon zusammen, als der Film gedreht wurde.

          Kubrick ist dafür bekannt, dass er ein Perfektionist war, der eine Szene dutzende Mal wiederholen ließ, bis sie ihm gefiel. Mußten Sie das Lied sehr oft hintereinander singen?

          Ich habe es nicht oft gesungen. Einmal habe ich in der falschen Tonart angefangen, das war alles. Stanley hat nie mehr gearbeitet, als nötig war.

          Auf der Website, die Sie nach dem Tod Ihres Mannes eingerichtet haben, beklagen Sie sich bitterlich über das Enthüllungsbuch des Drehbuchautors Frederick Raphael, der mit Ihrem Mann bei „Eyes wide shut“ zusammengearbeitet hat.

          Der hat ein bisschen auf dem Grab getanzt, ja. Das hat mich geärgert. Er kam nicht zur Beerdigung - angeblich, weil er zu traurig war. In Wirklichkeit war er zu beschäftigt, denn er hat gleich ganz schnell sein Buch geschrieben. Es war eine Verfälschung von allem, was er über Stanley zu sagen gehabt hätte. Diese Angeberei mit seiner großen Bildung im Gegensatz zu der von Stanley war wirklich idiotisch.

          Über welches der Gerüchte, die in den letzten Jahren über Ihren Mann verbreitet wurden, haben Sie sich am meisten geärgert?

          Es war so viel, ich kann gar nicht alles aufzählen. Stanley dachte, wenn er sich still verhält, hört das wieder auf, aber das Gegenteil war der Fall. Es wurde immer schlimmer. Er hatte sich dann vorgenommen, ein Buch zu schreiben, um sich zu verteidigen. Aber jeder weiß, dass es fast unmöglich ist, zu sagen: Nein, liebe Leute, ich bin in Wirklichkeit reizend. Ich habe mich über all diese Verleumdungen sehr geärgert: dass er irgendein Monstrum sein sollte, das in seinem Haus herumschleicht und niemanden mag, Frauen nicht leiden kann und auf Touristen schießt - es war der reine Wahnsinn. Angablich hatte er sogar einen Doppelgänger, der so tat, als wäre er Stanley Kubrick. Zuerst fanden wir das alles noch komisch. Aber nicht mehr, als er dann tot war.

          Warum ist er nicht, beispielsweise, in einer Talkshow aufgetreten, um die Lügen über ihn zu entkräften?

          Er fand sich im Vergleich zu seinen Filmen langweilig.

          In „Stanley Kubrick - A life in pictures“, dem Film, den Ihr Bruder Jan Harlan über Ihren Mann gedreht hat, erscheint Stanley Kubrick als netter Zeitgenosse und liebevoller Familienvater. Aber wenn man Regie führt, kann man nicht immer nett sein. Die Szene am Set von „The Shining“, in der Ihr Mann Shelley Duvall anschnauzt, zeigt, daß er auch eine bissige Seite hatte.

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