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Interview : „Sie werden mich nicht ernst nehmen“

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Wissen, wo's lang geht: Stadlobers Band „Gary” Bild: A. Schmidt-Wiedhoff

Mit seiner Band „Gary“ nimmt er zur Zeit die erste Platte auf. Seiner Bekanntheit verdankt die Band ihre Vorschuss-Lorbeeren, aber als singender Jungschauspieler will sich Robert Stadlober auch nicht vermarkten lassen.

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          Aus den Kinofilmen „Crazy“ und „Sonnenallee“ ist Robert Stadlober bekannt. „Gary“ heißt seine Band, mit der er in Chicago gerade das erste Album einspielt. Viele Plattenfirmen leckten sich die Finger nach einem weiteren singenden Jungschauspieler, der sich sicher gut verkaufen lässt. Darauf können Robert Stadlober, David Winter und Rasmus Engler gut verzichten. Vor ihrer Abreise erzählten sie zusammen mit ihrem Manager Thomas Koester von Vorschuss-Lorbeeren, Vermarktungssorgen und ihren weiteren Plänen.

          Mit Deiner Band „Gary“ hast Du ziemlich viel vor in diesem Jahr. Wie vereinbarst Du eigentlich Musik und Schauspielerei? - Es wird doch langsam eng in Deinem Leben.

          Robert: Da gibt's nichts zu vereinbaren. Wenn's eng in meinem Leben wird, dann muss halt rausfliegen, was nicht zu meinem Leben gehört. Und die Musik gehört zu meinem Leben, sie ist mein Leben. Sonst habe ich eigentlich auch gar nicht allzu viel zu tun. Ich habe ja noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss, und mir fällt ganz oft auf: Das einzige, was ich wirklich gut kann, ist Band-Namen aufsagen. Und bei der Schauspielerei - ich weiß noch nicht einmal genau, wie ich das mache. Bei der Musik weiß ich das auch nicht, aber da passiert es von allein. Mit der Schauspielerei verdiene ich mein Geld, das macht mir auch Spaß, und das ist gut so. Musik hat zum Glück nichts mit meinem Beruf zu tun.

          Du hast gerade keine großen Projekte, die soviel Zeit beanspruchen, dass Du anfangen musst zu balancieren?

          Robert: Wenn ich einen Film drehe, komme ich abends ins Hotelzimmer, und da steht meine Gitarre und wartet auf mich. Und ich hab dann abends nichts anderes zu tun, außer vielleicht Gitarre zu spielen. Das ist das einzige. Man denkt immer, Schauspieler arbeiten so viel. Das ist völliger Quatsch. Ich mache ja nur zwei Filme im Jahr. Und die beanspruchen vielleicht, wenn es anstrengende Filme sind, fünf Monate. Dann sind immer noch sieben Monate übrig. Die können der Musik gehören.

          Ihr wirkt nicht wie die üblichen Schauspieler, die auch mal eine Platte machen wollen.

          Thomas: Die Leute von den meisten Plattenfirmen wollten unbedingt dieses Schauspieler-Ding in den Vordergrund stellen. Wir wollten das überhaupt nicht. Es sind ja drei Leute in der Band, und die wollten sich alle auf eine Person fixieren. Deswegen haben wir uns auch einen ausländischen Produzenten gesucht. Chris Holmes ist völlig egal, ob Robert Schauspieler ist, ob er bekannt ist. Hier fanden das die meisten cool und wollten damit eine schnelle Mark machen. Chris geht es um die Musik, und nicht um irgendeinen Personen-Hype.

          War das bei Eurem Label, Jive, auch so?

          Thomas: Hinter Jive steht ja Zomba. Und wir haben uns entschieden, zu deren Sub-Label Jive zu gehen, weil wir das witzig fanden, gerade auf dem Mainstream-Label mit den ganzen Bands zu sein.

          Robert: Das ist unser eigener Humor, den wahrscheinlich ganz viele nicht verstehen.

          Thomas: Wir wollten uns von der kommerziellen Schiene distanzieren. Deshalb sind wir schließlich zu Zomba gegangen. Und dass wir dann gleichzeitig auf dem Zomba-Label sind, wo auch die meisten Boy-Bands sind, ist ein schöner Widerspruch in sich. Zuerst hatten sich alle Plattenfirmen gemeldet, alle Major-Firmen bis auf Zomba. Die haben dann eine Dokumentation auf MTV gesehen und fanden das auch ganz gut.

          Robert: Die mochten auch den Song, den wir da gespielt haben. Da ging es dann auch wieder um die Musik. Natürlich werden auch die sich ausrechnen, dass wir, weil ich bekannt bin, um Längen mehr Platten verkaufen werden als andere unbekannte Bands, die vielleicht das gleiche machen wie wir. Aber das kann man auch als positiven Aspekt sehen: Wir können Leute erreichen, die wir mit der Musik, die wir machen, sonst nicht erreichen würden. Das ist eigentlich eine schöne Position.

          Vielleicht auch eine zwiespältige Position: Wenn der Schauspieler, der es dann auch noch mal mit der Gitarre um den Hals wissen will, dann nicht so ganz ernst genommen wird.

          Robert: Ich rechne sogar damit, dass sie mich nicht ernst nehmen. Es sind schon ganz andere Leute nicht ernst genommen worden, die trotzdem super sind. Man muss einfach damit rechnen, dass mich die deutsche Musikpresse am Anfang nicht unbedingt so toll finden wird. Aber wenn man sich darüber Gedanken macht, gehen die wieder in diese Kommerzrichtung. Und das wollen wir ja nicht. Also brauchen wir uns darüber auch keine Gedanken zu machen. Wir wollen einfach für uns Musik machen. Und ob das jetzt ein Kritiker gut findet oder nicht ...

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