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Interview : Rock am Ring: Von Schlüpfern und Schlümpfen

  • Aktualisiert am

Wissen, wo's lang geht: Stadlobers Band „Gary” Bild: A. Schmidt-Wiedhoff

          3 Min.

          Der erste Auftritt war turbulent und komisch. Dass das Rocktrio „Gary“ beim Pfingstfestival „Rock am Ring“ spielen wird, können Robert Stadlober, David Winter und Rasmus Engler selbst noch gar nicht glauben. Sie erzählen über die Gründung ihrer Band zwischen Schicksal und Zufall, über ihre Arbeit in Chicago und die weiteren Pläne.

          Wie seid Ihr zusammen gekommen?

          Robert: Ich habe einen Film gedreht mit dem ehemaligen Schlagzeuger dieser Band. Wir haben uns dann mal getroffen und ein bisschen gejammt, wie man das so macht unter Musikerkollegen. Wir wollten einen Soundtrack-Beitrag zu diesem Film, „Sonnenallee“, machen, den fand die Plattenfirma dann aber nicht so gut. Die haben dann mit einem Mann ihres Vertrauens, dem ich überhaupt nicht vertraue, eine eigene Version dieses Stücks aufgenommen. Und ich bin hingekommen, hab' es eingesungen und bin in der Mainstream-Mühle untergegangen. Die Band hieß „Dynamo 5“. Ich hatte dann eigentlich gar keine Lust mehr drauf und hab trotzdem mit diesen Menschen weitergemacht. Irgendwann kam dann David dazu. Der rief mich nachts an, nachdem seine Freundin ihn verlassen hatte, und er meinte, er will jetzt auch Musik machen. Ich fand, das war eine gute Idee, und er ist nach Berlin gekommen. Unser erster Song bestand aus: (singt) „uh-uh-uh, uh-uh-uh“ und dann „dap-dap-dap-de-dap-dap-dap“ ...

          David: Das war schön.

          Robert: Das war schön, aber in diesem Song war kein einziges Wort. Und der zweite Song hatte dann Wörter. Den finden immer noch alle total toll, nur wir nicht mehr. Und weil wir immer noch keinen Bassisten hatten, ist Rasmus dann hinzugekommen. Irgendwann hat Rasmus dann erzählt, dass er eigentlich Schlagzeuger ist. Oder Thomas hat das erzählt. Wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass die anderen beiden Jungs nicht mehr zu uns passen, von dem, wo's hingehen soll. Die hatten einen neuen Bassisten und haben angerufen und gesagt, sie hätten ein völlig neues Konzept für diese Band. Wir könnten jetzt endlich voll durchstarten.

          David: Und wir haben geantwortet: Na dann viel Spaß.

          Hattet Ihr schon einen Gig als Trio?

          David: Ja. Das war sehr witzig. Und danach waren wir auch zu viert.

          Robert: Wir haben gespielt, zuerst als komplette Deppen-Kombo. Da hat David nämlich noch nicht Bass gespielt, sondern Rasmus. Und wir hatten keinen Schlagzeuger, weil wir den Rest der Band ja kurz vorher rausgeschmissen hatten. Wir standen auf dieser Bühne, und die ersten Songs waren grauenhaft. Dann kam dieser Kerl auf die Bühne, Hagen, und hat sich ans Schlagzeug der Vorband gesetzt. Die wollten das eigentlich überhaupt nicht, weil wir eh schon komplett ihr ganzes Equipment gespielt haben, und dann hat der auch noch aufs Schlagzeug draufgehauen. Die standen da irgendwo und haben gar nicht glücklich geguckt. Danach hat es richtig Spaß gemacht, und die Leute fanden es auch gut. Es war der erste Gig, der wirklich Spaß gemacht hat. Das war in der Kalkscheune in Berlin, das Jubiläum einer Internet-Nachhilfestunden-Tauschbörse.

          Morgen geht's dann ins Studio nach Chicago. Was habt Ihr im Gepäck? Und was wollt Ihr zurückbringen?

          Robert: Gute Vorsätze. Dann haben wir noch - wie ein Liedermacher sagen würde - ein paar Stücke dabei. Neun Stücke, und ich hoffe, wir nehmen die auch aus Amerika wieder mit zurück und lassen die nicht da. Vielleicht sind dann auch noch ein paar hinzugekommen. Das alles dann zusammen konserviert auf einem Tonträger. Und vielleicht, wenn wir ganz viel Glück haben, haben wir ein Gefühl mit konserviert.

          Rasmus: ... das wir auch wieder mitbringen können. Das kann man sich dann jederzeit abrufen.

          Ihr trefft in den Staaten den Produzenten Chris Holmes. Wie wird die Zusammenarbeit aussehen?

          Robert: Ich habe ihn schon mal auf der Bühne gesehen. Er hat - ich weiß nicht mehr welchen - Satz immer wiederholt und dabei mit dem erhobenen Zeigefinger in der Luft gekreist. Chris spielt in einer Band, die ich sehr cool finde, bei den „Yum-Yums“. Ich hoffe, dass er ein Quäntchen zu unserer Musik beiträgt, das wir noch nicht beitragen können. Er wird uns produzieren. Er hat sich auch Arrangements überlegt.

          Rasmus: ... Streicher.

          David: ... hoffentlich Streicher.

          Robert: ... und Keyboards.

          David: ... und so Klingeldingel-Sachen. Vibraphon.

          Robert: Aber es ist jetzt nicht so, dass wir in ein Studio rein gehen als völlig bekloppte Deppen, und uns ein Produzent sagt: Macht den Song mal so und so. Er soll uns helfen, und wir werden die Vorschläge gemeinsam besprechen und umsetzen. Das Glück: Ihn interessiert nicht wirklich, dass ich Schauspieler bin. Es geht ihm mehr um unsere Musik, als um mich als fragwürdigen Teenie-Star.

          In diesem Jahr spielt Ihr auf dem Festival „Rock am Ring“. Lampenfieber?

          Rasmus: Wir glauben das noch gar nicht, dass das passiert. Das glauben wir erst, wenn wir da oben auf der Bühne stehen. Ich halte das für ein Gerücht. Noch. Unten stehen die ganzen Leute, wir spielen, und die wissen nicht, was sie davon halten sollen.

          Robert: Ich werde mir auf jeden Fall zur Aufgabe machen, die Bierdosen zu zählen.

          Rasmus: ... und einzusammeln. Vielleicht kommen ja auch volle.

          Robert: Vielleicht kommen ja auch Schlüpfer.

          Rasmus: ... oder Schlümpfe.

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