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Interview : Regisseur Peter Jackson: "Ich bin ein Tolkien-Fan"

  • -Aktualisiert am

Szene aus: „Der Herr der Ringe” Bild: warner

Am 19. Dezember kommt "Der Herr der Ringe" auf die Leinwand. FAZ.NET sprach mit dem Regisseur und seinen Schauspielern.

          3 Min.

          Am 19. Dezember 2001 kommt der erste Teil der Tolkien-Trilogie “Der Herr der Ringe - Die Gefährten“ ins Kino. Der neuseeländische Regisseur Peter Jackson hat mit diesem Werk schon jetzt Filmgeschichte geschrieben: Noch nie zuvor hat ein Regisseur drei abendfüllende Spielfilme auf einen Streich gedreht. Über 18 Monate lang standen in Neuseeland bekannte Schauspieler vor der Kamera, die sich weniger als Stars fühlten, sondern eher als Mitglied einer großen Familie. So jedenfalls beschreiben sie es im Gespräch.

          Wie vertraut war Ihnen die “Herr der Ringe“-Trilogie vor Drehbeginn?

          Peter Jackson (Regie): Die Trilogie zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Ohne einen leidenschaftlichen Bezug zu dieser Fantasy-Materie hätte ich den Film nie machen können.

          Der psychologische Druck war enorm und ich wollte das Projekt natürlich trotz aller logistischen und technischen Schwierigkeiten nicht in den Sand setzen! Ich habe mich dann damit beruhigt, dass ich als grosser Tolkien-Fan eben einen Film für ganz normale Tolkien-Fans machen würde. Aber sicher nicht für die Tolkien-Aficionados, die das Buch jedes Jahr einmal lesen. Denn denen wird es wohl niemand recht machen können, und ganz abgesehen davon muss man bei einer Vorlage von über 1000 Romanseiten immer den Mut haben auszuwählen und Prioritäten neu zu setzen.

          Ian McKellen (Gandalf) und Christopher Lee (Saruman): Die Lektüre von J.R.R. Tolkiens Bücher gehört für jeden halbwegs gebildeten Menschen zum Literatur-Kanon.

          Elijah Wood (Frodo): Tolkien zählt zu meinen absoluten Lieblingsschriftstellern. Ich habe jedes seiner Bücher geradezu verschlungen.

          Liv Tyler (Arwen): Als man mir die Rolle der Elfe Arwen Undomiel in “Herr der Ringe“ angeboten hat, hatte ich keinen blassen Schimmer, wovon die Rede war. Das war mir schon ein bisschen peinlich. Aber jetzt kenne ich das Buch in- und auswendig und bin ein echter Tolkien-Fan geworden.

          Dann haben Sie sicher bemerkt, dass Arwen im Buch eher eine Nebenrolle spielt.

          Das ist wohl richtig, aber den Elfen wird im Anhang der Trilogie sehr viel Platz eingeräumt. Und für den Film haben sie die Liebesgeschichte zwischen mir und dem Menschen-Mann Aragorn, den Viggo Mortensen spielt, etwas ausgeweitet.

          Sie müssen im Film Elfisch reden...

          ...was mich total fasziniert hat! Ich konnte gar nicht genug von der Elfensprache bekommen und habe meinen Text mit grosser Begeisterung auswendig gelernt.

          Elfisch ist tatsächlich eine richtige Sprache...

          ...ja, die allerdings leider nur von einer Handvoll Oxford-Linguisten beherrscht wird. (Lacht) Was mich aber nicht davon abgehalten hat die Anruf-beantworter meiner Freunde und Bekannten auf Elfisch vollzuquatschen.

          Ian McKellen: Man darf nicht vergessen, dass John Ronald Reuel Tolkien nicht irgendein Fantasy-Schwafler war, sondern Professor für germanische Philologie in Oxford. Er wusste, wovon er schrieb.

          Christopher Lee: Keine Frage. “Der Herr der Ringe“ ist alles andere als eine simple Kindergeschichte. Bei Tolkien geht es um Ur-Mythologisches wie den Kampf von Gute gegen Böse, um Archetypisches wie Freundschaft unter Männern, um Kampf, Blut, Liebe, Hass. Er wusste ganz genau, woraus er schöpfte - vom Gilgamesch-Epos über Homer bis hin zu den keltischen, ja finnischen Sagen.

          Für die Dreharbeiten der “Herr der Ringe“-Trilogie waren Sie über eineinhalb Jahre in Neuseeland. Hatten Sie keine Angst, so lange von Hollywood weg zu sein?

          Liv Tyler: Obwohl ich in allen drei Teilen zu sehen bin, war ich immer nur mit Unterbrechungen dort. Es war also nicht so schlimm. Neuseeland ist ein wunderschönes, irgendwie unwirkliches Land. Und wenn man sich dann noch in so eine Fantasyfilm-Traumwelt einspinnt... ich war manchmal wie in Trance.

          Elijah Wood: Überhaupt nicht. Ich habe das Filmbusiness schlicht vergessen. Peter Jackson hat es geschafft, uns alle in seinen Phantasie-Kosmos hineinzusaugen. Es waren die herrlichsten Dreharbeiten, die man sich vorstellen kann. Und es tat gut zu sehen, dass hier jemand an der Arbeit war, der nicht etwa ein Kultbuch missbrauchte, um in Hollywood abzuzocken, sondern sich sehr viel Mühe gab, dem Geist von Tolkien gerecht zu werden.

          Peter Jackson: Für diese magische Traumwelt war Neuseeland wie geschaffen. Sie strahlt schon in natura eine fast unwirkliche Atmosphäre aus und natürlich erst recht, wenn sie durch Computerdigitalisierung farblich behutsam verfremdet ist.

          Mr. Wood, wie spielt man eigentlich einen kleinen, schüchternen, pelzigen Hobbit?

          (Lacht) Indem man selbst einer wird. Ich bin Frodo! Ganz im Ernst: Ich ha-be mich sehr schnell mit der der Rolle identifiziert. Meine Gang - also der engere Kreis der Gefährten - war eine echt verschworene Hobbit-Gemeinschaft. Und jeder von uns - und Ian McKellen, der den Gandalf spielt - hat diese aussergewöhnliche Erfahrung mit einem Tattoo besiegelt.

          Was für ein Tattoo?

          Das bleibt das ewige Geheimnis der Gefährten!

          Vermissen Sie Frodo?

          Und wie. Ich fand mit der Zeit sogar das morgendliche Ritual schön, in dem ich eineinhalb Stunden in die Maske musste und zu Frode “umgearbeitet“ wurde. Vor allem meine Füsse kommen mir jetzt so klein vor.

          Wie sieht es denn mit einem Prequel von “Der Hobbit“ aus?

          (Strahlt) Ich wäre sofort dabei! Um ehrlich zu sein, habe ich Peter Jackson auch schon darauf angesprochen. Aber er meinte, dass die Geschichten im Buch für einen Film etwas zu dünn wären.

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