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Interview : Opern-Mäzen Alberto Vilar: Weltweit bin ich der größte Sponsor

  • Aktualisiert am

Eng verbunden mit der Kultur: US-Mäzen Alberto Vilar Bild: dpa

Er gibt sein Geld der Oper. Weil er sie liebt. Nun engagiert er sich in Berlin. FAZ.NET sprach mit dem US-Milliardär Alberto Vilar.

          Wenn Alberto Vilar, Sohn eines kubanischen Zuckerplantagenbesitzers, Geld gibt, dann auch richtig. Der US-Milliardär, Präsident von Amerindo, einem Technologie-Investmentkonzern, liebt die Oper wie andere Leute ihre Kinder. Am 1. Juni wird Vilar im Festspielhaus Baden-Baden mit dem „Europäischen Kulturpreis 2001“ ausgezeichnet.

          Neuerdings engagiert sich der 60-Jährige, der begonnen hat, die deutsche Sprache zu erlernen, auch in Berlin. Zu Wochenbeginn kündigte er eine 8,8 Millionen-Mark-Spritze für das „Music Fellowship Program“ der American Academy an. FAZ.NET sprach mit dem Amerikaner über die Gründe seines Engagements.

          Herr Vilar, was war das für eine Überraschung, dass Sie Ihr Geld nicht der Lindenoper, sondern der American Academy spenden werden. Warum gerade der Academy?

          Die Academy ist eine feine Musikinstitution, und ich hoffe, dem musikalischen Publikum in Berlin eine neue Generation von hervorragenden amerikanischen Künstlern vorstellen zu können. Aber ich möchte nicht den Eindruck vermitteln, dass ich zehn Deutsch-Marks nur einer Person gebe. Natürlich gibt es mehrere Antworten. Berlins Kultur-Klima hat mich hierher gelockt. In New York habe ich mit Mr. Ohnesorg zusammen gearbeitet, der - wenn es alles nach seinem Willen läuft - als Intendant der Philharmoniker nach Berlin kommen wird. Und ich hoffe, dass ich ihn dann wiedertreffe und wir etwas gemeinsam anfangen werden.

          Welche Art von Musik hören Sie?

          Nur Klassische. Da sind vielleicht zehn Komponisten, die ich vor allen anderen schätze: Puccini, Verdi, Donizetti und Wagner...

          Sie bezeichnen Ihr Engagement als private Philanthropie. In welche Formen gießen Sie Ihre Menschenliebe?

          Vor allem in den Bereich der klassischen, darstellenden Künste. Meine große Liebe gilt der Oper. Ich engagiere mich bei Inszenierungen, wenn diese als Koproduktionen angelegt sind. Ich gebe aber auch Geld für die Erziehung von Sängern aus, etwa in St. Peterburg am Kirov-Theater, an dem Valery Gergiew ein Opernstudio eingerichtet hat. Ich möchte das Level und das Bewusstsein für die Bedeutung solcher Philanthropie in den Künsten heben, sowohl in Europa als auch den USA.

          Was meinen Sie ist der Grund dafür, dass es in Deutschland wohl keinen vergleichbaren Sponsor gibt?

          Erweitern Sie Ihre Frage. In der ganzen Welt kenne ich niemanden, der in derselben Liga spielt, wenn es um eine Förderung in diesen Größenordnung geht. Vielleicht bin ich anders, vielleicht bin ich der Welt größter Musikfan.

          Ihr Name würde also auch der Lindenoper stehen?

          Das Beste, was einer Institution wie der Berliner Staatsoper passieren könnte, wäre natürlich, dass eine anerkannte Person ihr Geld gäbe, damit sie etwas realisieren könnte, was mit dieser Person verbunden würde. So könnte sie ihr Renommée steigern.

          Was macht den Hauptunterschied zwischen dem amerikanischem und dem deutschen System der Kulturförderung?

          Amerika hat in seinen früheren Tagen Kirche und Staat getrennt und sich dann entschieden, die Künste vollständig dem privaten Sektor zu überlassen. Ich finde das nicht richtig. In Europa kommen fast 80 Prozent der Kulturförderung vom Staat. Die restlichen 20 Prozent sind private Gelder, die fürs Ticket ausgegeben werden.

          Wenn man in Deutschland ein Ticket für 100 D-Mark kauft, beteiligt man sich damit an etwa 13 Prozent der Produktionskosten. Wäre ich Direktor der Metropolitan-Oper, hätte ich ein Budget von über 190 Millionen Dollar. 50 Prozent dieses Budgets kämen vom Ticketverkauf, den Rest müsste ich eintreiben. Das ist eine außerordentliche Anstrengung, die keinen Sinn macht.

          Demnach plädieren Sie für staatliche Subventionierung.

          Ich plädiere vor allem erst einmal dafür, dass sich die europäischen Bürger stärker privat engagieren. Die Haltung ist doch die: „Ich zahle meine Steuern, also kann der Staat für dies und das aufkommen“. Das ist bequem. Und dann gibt es umgekehrt diese Furcht des Staates vor privater Einmischung. Als ob dann plötzlich Madonna statt Mendelssohn auf dem Programm stünde. Wenn ich zur MET gehe, und sage, letztes Jahr habe ich euch acht Millionen Dollar gegeben, nun soll meine Schwester hier den Sopran singen, würden sie mir sagen, „Mr. Vilar, Sie machen Spaß“.

          Wie hilft Ihnen das amerikanische Steuersystem bei Ihrem Engagement?

          Die amerikanischen Mäzene lassen sich oft weniger Geld gutschreiben, als sie den Institutionen geben, damit der Fiskus nicht anfängt, in ihren Bilanzen herumzuschnüffeln. Aber für Leute, die ein mittleres Einkommen haben, ist es wirklich gut.

          Meine Antwort ist: Man gibt Geld, weil man Geld geben will. Wären Sie meine Schwester, Sie feierten Geburtstag, und ich wollte Ihnen einen Kleid kaufen, das 1.000 Deutsch-Marks kostet, ohne dass der Staat hierfür eine Steuererleichterung vorsieht, wäre das darum kein Kleid für Sie? Wenn eine Krawatte für 100 D-Mark Ihnen zu teuer erscheint, weil der Staat nichts dazugibt, müssten Sie eben eine für 50 Mark erwerben.

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