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Interview : Nicole Kidman: "Ich liebe es, Teil von Visionen zu sein"

  • Aktualisiert am

Nicole Kidman, sehr lasziv, in Kubricks „Eyes Wide Shut” Bild: dpa

Schauspielerin Nicole Kidman spricht im FAZ.NET-Interview über eigene Stärken und Schwächen und ihre derzeitige Lektüre: Virginia Woolf.

          3 Min.

          Trotz privater Turbulenzen - ihre Ehe mit Tom Cruise zerbrach in diesem Jahr - scheint die Schauspielerin Nicole Kidman künstlerisch auf festem Kurs: Bei den Filmfestspielen von Venedig stellte die 34-Jährige ihren neuen Film “The Others“ vor. Ihr aktueller Film “Moulin Rouge“ ist ab 18. Oktober endlich auch in deutschen Kinos zu sehen. Demnächst dreht die rothaarige Schönheit mit Jane Campion und Lars von Trier. FAZ.NET sprach mit ihr.

          Nicole, Sie spielen in „Moulin Rouge“ die Hauptrolle, sind Sie ein Musical-Fan?

          Ich bin eher ein Baz Luhrmann-Fan. Und „Moulin Rouge“ ist ja alles andere als ein gewöhnliches Musical. Alles, was Luhrmann anfasst, ist irgendwie außergewöhnlich - sei es “Strictly Ballroom“ oder seine “Romeo & Julia“-Verfilmung. Ich liebe es, Teil von Visionen großer Regisseure zu sein. Das ist der wesentliche Impuls für meine Arbeit als Schauspielerin.

          Die Geste eines Stars: Nicole Kidmann macht „Winke, Winke”
          Die Geste eines Stars: Nicole Kidmann macht „Winke, Winke” : Bild: dpa

          Aber eine Schauspielerin, die jetzt auch noch singt...

          Doch nur für diesen Film. Ich kann Sie beruhigen: Abgesehen vom “Moulin Rouge“-Soundtrack wird es nichts von mir auf CD geben. Aber ich muss gestehen, dass ich mit 17 in einer Rockband gesungen habe. Wir nannten uns “Divine Madness“ und haben damals auf Parties und in Pubs vor allem Songs von Blondie, Kate Bush und Chaka Kahn nachgesungen.

          Was hatten Sie “großen Regisseuren“, deren “Vision“ Sie wurden, eigentlich selbst anzubieten?

          Ich glaube, meine Stärke als Schauspielerin liegt vor allem im Herstellen von emotionaler Wahrheit und Leidenschaft.

          Was würden Sie nie vor der Kamera tun?

          Ich verabscheue im Kino vor allem sinnlose Gewalt. Und außerdem würde ich mich nie für vordergründige Sex-Szenen hergeben. Gott sei Dank gibt es in letzter Zeit immmer mehr Drehbücher, in denen Frauen nicht nur als Stichwortgeberinnen für den männlichen Held fungieren, sondern wirklich Profil haben. Ich glaube, wir "Hollywood-Frauen" sind dabei, uns immer wirkungsvoller zu emanzipieren.

          Haben Sie sich schon einmal von einem Regisseur ausgenutzt gefühlt?

          Als Schauspielerin weiß ich, dass ich auf das Resultat letztlich keinen Einfluss habe. Der Regisseur macht den Film, ich bin nur sein Werkzeug. Bei einigen Filmen hatte ich hinterher allerdings ein sehr schlechtes Gefühl und habe allen erzählt, wie schrecklich ich darin bin. Aber sich selbst klein zu machen, ist - glaube ich - eine typische Eigenschaft von uns Australiern.

          Sie fühlen sich immer noch als Australierin?

          Bis zum Ende meiner Tage! Zum Glück bin ich nicht in Kalifornien aufgewachsen. Ich glaube, ich hätte eine schwere Zeit in "Silicon Valley" gehabt (lacht).

          Wie kommen Sie eigentlich mit Ihrem Superstar-Status zurecht?

          Ganz gut, aber ich denke nicht in solchen Kategorien. Diese Art von Ruhm distanziert einen von Menschen. Man wird nur noch als “Star“ wahrgenommen und auf eine Art Formel reduziert, die mit einem selbst nur wenig gemeinsam hat. Dabei bin ich ein sehr spontaner Mensch. Wenn mich etwas packt, greife ich zu. Aber ich bin erst jetzt wirklich dabei, aus dem Sterotyp "Nicole Kidman" auszubrechen.

          Was heisst das genau?

          Auf einen einfachen Nenner gebracht: „Selbst ist die Frau!“ Und man sollte auf keinen Fall seinen Sinn für Humor verlieren. Andere Menschen haben auch Schicksalsschläge zu meistern wie Baz Luhrmann zum Beispiel: Am ersten Drehtag zu “Moulin Rouge“ starb sein Vater. Das hat ihn tief getroffen, aber er hat sich trotzdem durchgebissen. Manchmal kann einem die Arbeit wirklich über vieles hinweghelfen.

          Sie scheinen zur Zeit selbst sehr aktiv zu sein...

          ...was eher Zufall ist. Außerdem liebe ich es, viele verschiedene Dinge zu machen. Mein nächster Film “The Others“ ist eine Mischung aus Geistergeschichte und Thriller. Gedreht hat ihn der noch relativ unbekannte Regisseur Alejandro Almenábar, ein echtes Talent in meinen Augen.

          Sind Sie für solche kleinen Filme nicht viel zu teuer?

          Ich suche mir meine Filme nicht nach der Höhe der Gagen aus. Mich interessieren Menschen, die künstlerisch etwas zu sagen haben und es so sagen, wie es noch niemand zuvor gesagt hat.

          Jetzt sind wir wieder bei den Visionen.

          Ganz genau. Darum geht es doch. Anstatt in einem fort diese dummen Fließbandfilme zu produzieren, sollte Hollywood sich doch einmal ein Beispiel an Leuten wie Stanley Kubrick, Baz Luhrman, Gus van Sant, Jane Campion oder Lars von Trier nehmen. Die machen aufregendes Kino.

          Mit Jane Campion und Lars von Trier werden Sie bald drehen...

          ... worauf ich mich schon sehr freue. Als nächstes steht “Dogville“ mit Lars von Trier an. Doch zur Zeit ist mein Kopf noch voll mit Virginia Woolf. Ich lese gerade alle Biografien über sie, die ich finden kann.

          Es gibt also bald einen Campion-Film über Virginia Woolf?

          Es gibt bald den Film “The Hours“ über Virginia Woolf, allerdings unter der Regie von Stephen Daldry. Ich stehe da mit so wunderbaren Schauspielerinnen wie Meryl Streep und Julianne Moore vor der Kamera.

          Und Sie spielen Virginia Woolf?

          Ja, und zwar zu der Zeit in ihrem Leben als sie gerade “Mrs. Dalloway“ schreibt.

          Haben Sie ein Woolf-Lieblingsbuch?

          Schwer zu sagen. Ich glaube an erster Stelle steht tatsächlich “Mrs. Dalloway“, dicht gefolgt von “Orlando“ und “The Lighthouse“. Virginia Woolf ist so eine tiefgründige Autorin.

          Lesen Sie - abgesehen von Drehbüchern - eigentlich viel?

          Auf jeden Fall. Und manchmal komme ich sogar durch meine Arbeit an einem Film zu einem großen Schriftsteller, wie im Fall von “Portrait of A Lady“ zu Henry James. Ich habe zwar den Roman in der Schule lesen müssen, aber ihn damals absolut nicht verstanden. Erst mit 25 Jahren, bei der Vorbereitung zum Film, habe ich erkannt, was für ein wunderbares Stück Literatur das ist.

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