https://www.faz.net/-gqz-3x5k

Interview : Neue Töne aus Italien: Elisa

  • Aktualisiert am

Elisa: „Erfolg ist mir egal” Bild: Sony Music

Italo-Pop ohne Kitsch: Elisa, die jüngste Entdeckung aus Italien, macht Alanis Morissette Konkurrenz. FAZ.NET sprach mit ihr.

          Italienische Popmusik ist normalerweise romantisch und leicht kitschig. Elisa, die neue Entdeckung aus Italien, macht ganz andere Musik. Ihre gitarrenorientierter Pop erinnert eher an Tori Amos und Alanis Morissette. Als sie 17 war, wurde sie von einem Mailänder Indie-Label entdeckt. Heute ist sie 24. Ihre erste CD wurde in Italien mit Platin ausgezeichnet und wird jetzt - auf Englisch wohlgemerkt - außerhalb Italiens Verbreitung finden. FAZ.NET sprach mit Elisa, als sie in Deutschland unterwegs war.

          Elisa, wie gefällt Ihnen Berlin?

          Leider hab' ich nur sehr wenig gesehen. Ich erinnere mich an die große Göttin auf der Siegessäule.

          Sind Sie das erste Mal in Deutschland?

          Ich war schon drei bis viermal hier, immer für Konzerte. Jedesmal habe ich fast nichts gesehen.

          Ihre Musik ist für Italien eher untypisch. Ihre Lieder erinnern an Alanis Morissette und Tori Amos. Haben Sie selbst das Gefühl, in ihrem Heimatland eine neue Ära einzuleiten?

          Ich fühle mich eher als Teil einer neuen Generation. Es gibt gerade eine ganze Reihe junger Musiker, die atypische Sachen machen, die nicht der großen Tradition der romantischen Melodien folgen. Die gibt es immer noch. Aber daneben gibt es viel Crossover und Avantgarde. Die meisten gelten als alternativ. Ich bin von allen die poppigste.

          Stimmt es, dass viele Italiener Sie für eine Amerikanerin halten?

          Das war nur am Anfang so. Ich sang auf Englisch, und mein erstes Video drehten wir in Amerika. Heute wissen die Italiener, wo ich herkomme.

          Seit Sie das Festival von San Remo gewonnen haben, müssen sie's auch wissen.

          Stimmt. Erst in San Remo haben es alle gemerkt, dass ich Italienerin bin. Das ist schon verrückt.

          Seit wann machen Sie Musik?

          In Bands spiele ich, seit ich 13 bin. Vorher habe ich alleine vor mich hinkomponiert.

          Sie haben schon damals eigene Stücke komponiert?

          Ja.

          Sind von den frühen Liedern auch manche auf der neuen CD?

          „Labyrinth“ habe ich mit 16 komponiert.

          Das heißt, Sie haben schon mit 16, also vor sieben Jahren, Musik komponiert, die an Alanis Morissette erinnert.

          Die Arrangements waren natürlich anders. Aber die Melodie war dieselbe.

          Man liest, Sie bewundern die „Doors“. Was fasziniert Sie an denen?

          Das ist die Musik, die ich mit 13 Jahren gehört habe. Wir sahen damals gemeinsam mit Freunden den Film von Oliver Stone, der mich tief bewegt hat. Da habe ich eine Wirklichkeit gesehen, die ganz anders als meine war. Das war eine unvorstellbare Sache. Das Kalifornien der 60er und 70er Jahre, die Hippie-Bewegung, all das hat mich mitgerissen. Die Texte der „Doors“ waren auch die ersten, die ich aufmerksam hörte und versuchte, zu übersetzen. Das erste Buch, das ich auf Englisch gelesen habe, war „American Prayer“ von Jim Morrison.

          Haben die Texte der „Doors“ auch Ihre eigenen Texte beeinflusst?

          Ganz bestimmt. Anfangs war ich sehr hermetisch. Meine Texte waren voll von Metaphern und Doppelbedeutungen. Heute ziehe ich eine einfache, direkte Sprache vor.

          Haben Sie sich selbst zum „Einfacheren“ hinentwickelt oder hat die Musikindustrie nachgeholfen?

          Für mich kommt es nicht darauf an, was die Manager sagen. Auf deren Ratschläge habe ich nie gehört.

          Angeblich haben Sie schlechte Erfahrungen mit der Musikindustrie gemacht.

          Es gab schon einmal einen Versuch, auf den internationalen Markt zu gehen - bei der Plattenfirma, wo ich vorher unter Vertrag war. Ich war damals jung und wusste nicht genau, was ich wollte. Die Manager der ausländischen Partner-Plattenfirma wollten mich verändern. Sie wollten aus mir etwas machen, was ich nicht bin: eine Art Spice Girl. Und das passt wirklich nicht zu mir.

          Wo wir über die Spice Girls reden: Heute kommen und gehen die Stars mit atemberaubender Geschwindigkeit. Beunruhigt Sie das?

          Auch wenn Sie es nicht glauben, aber der Erfolg ist nicht das, was mich am meisten interessiert. Ich mache Musik nicht, um Erfolg zu haben, sondern weil es mir Spaß macht. Ich schätze mich glücklich, dass ich das überhaupt auf so einem hohen Niveau tun kann. Mir geht es darum, das, was ich tue, möglichst gut zu tun.

          Aus welcher Gegend Italiens kommen Sie?

          Aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Triest. Da lebe ich auch jetzt.

          In diesen Tagen sind Sie für die internationale Promotion ihrer neuen CD in ganz Europa unterwegs. Ist das nicht sehr stressig?

          Mir macht es ungeheuren Spaß, gerade in dieser Jahreszeit. Man sieht so wunderschöne Farben, auch hier in Berlin.

          Wenn Sie einen Traum für die nächsten fünf Jahre hätten, wie wäre der?

          Ich fände es toll, eine CD mit meiner alten Band aufzunehmen. Die jetzige ist mit Studiomusikern gemacht. Ich denke, schon das nächste Album werde ich mit meiner Band machen. Ich würde gern mehr am Sound arbeiten. Alles soll noch mehr „live“ und „unplugged“ klingen. Ich glaube, das würde mir und bestimmt auch dem Publikum sehr gefallen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.
          Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, warnt die Parteien davor, eine Koalition mit der AfD einzugehen.

          Zentralrat der Juden : „AfD schürt Klima auch gegen Juden“

          Zentralratspräsident Josef Schuster warnt: Die AfD sei enger mit dem Rechtsextremismus verwoben, als sie es nach außen darstellt. Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen und Brandenburg hält Schuster einen dringlichen Appell an alle Parteien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.