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Scheitern der Piraten : Das Ende der Nerds

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Lauer: Ich bin beim Schreiben des Buchs noch mal richtig aggressiv geworden wegen dieses Irrsinns der Urheberrechtsdebatte und des Unverständnisses, das die Piraten kunst- und kulturschaffenden Menschen entgegengebracht haben, die sich in ihrer Existenz ernsthaft bedroht gefühlt haben. All das hat uns viel Sympathie gekostet.

Lobo: Wir stellen im Buch die These auf, dass der Wutanfall des Schriftstellers Sven Regener in einem Radiointerview über das Urheberrecht im März 2012 der Auslöser des Niedergangs der Piratenpartei war. Dieser Wutanfall hat die Unzufriedenheit der Künstler so massiv in die Öffentlichkeit gebracht, worauf die Piraten dann auch noch oft patzig und ohne ernsthafte Alternativen reagierten. Die Piraten sind von dreizehn Prozent in bundesweiten Umfragen im Frühling 2012 bis zur Bundestagswahl 2013 auf zwei Prozent gefallen.

Herr Lauer, Sie kamen im Februar 2009 aus China zurück und machten dann ein Praktikum im Wirtschaftsministerium. Karl Theodor zu Guttenberg war gerade Minister geworden und sprach sich mit Ursula von der Leyen für Netzsperren aus. War das der Moment, in welchem Sie Pirat wurden?

Lauer: Was mich politisiert hat, war mein Auslandsjahr in China 2008. Ich war dort mit sehr absurden Vorstellungen von einem Entwicklungsland hingekommen und war schockiert, wie Diktatur und Kapitalismus sich überhaupt nicht widersprachen. Ich bin dann wieder nach Deutschland gekommen und dachte, ich muss mich politisch engagieren. Und im Wirtschaftsministerium wurde mir das noch klarer. Ich hatte Hummeln im Hintern, habe mir die Piraten angeschaut und fand die Stimmung im Sommer 2009 ziemlich großartig. Es hat mir viel Spaß gemacht, da einfach sofort mitmachen zu können.

Lobo: Bei meinem ersten Kontakt mit den Piraten hatte ich zunächst wenig Sympathie für Leute, die mir erklären wollten, dass alles, was ich kann, nämlich Urheberrechtssachen, jetzt nicht mehr viel wert sei. Technisch beschlagene, intelligente Leute, die aber oft wenig kulturelle Vorbildung mitgebracht haben und deshalb die Entstehungsprozesse von gesellschaftlichen Zusammenhängen ignorierten.

„Die digitale Denkweise der Piraten hatte etwas zutiefst apolitisches.“ (Christopher Lauer)
„Die digitale Denkweise der Piraten hatte etwas zutiefst apolitisches.“ (Christopher Lauer) : Bild: dpa

Das mangelnde Geschichtsbewusstsein war ja auch ein Problem. War der Skandal mit Rechtsradikalen in der Partei so programmiert?

Lobo: Manchmal begegnete mir in Gesprächen ein naives bis gefährlich naives technizistisches Verständnis der Welt. In dem Moment, wo man die digitale 0-1-Struktur als Blaupause benutzt, um die Welt zu verstehen, werden automatisch historische und soziale Argumente unwichtiger. Die rein technische Betrachtungsweise der Welt führt dazu, dass man die geschichtlichen Vorgänge dahinter kaum ernst nimmt.

Lauer: Diese digitale Denkweise hatte etwas zutiefst Apolitisches.

Trotzdem waren die Piraten ein Phänomen, das die etablierten Parteien nicht ignorieren konnten. Es bildete sich sogar eine Gruppe: die „Piraten in der SPD“. Haben die Piraten die anderen Parteien verändert?

Lobo: Die positive Wirkung der Piraten ist bis heute spürbar: Das Netzsperrengesetz ist auf Bundesebene gescheitert. Die schwarz-gelbe Regierung hat wieder abgeschafft, was Merkel vorher vorangetrieben hatte, obwohl die gleichen Leute zum Teil noch Minister waren. Das lässt sich direkt auf die Piraten zurückführen. Man kann auch mit kleinen Oppositionsgruppierungen die Politik beeinflussen.

Wie ist dabei der Einsatz von Twitter und Facebook zu bewerten? Können wir aus der Geschichte der Piraten lernen, wie sich soziale Medien einsetzen lassen und wie nicht?

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