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Gespräch mit Hermann Parzinger : Es könnte etwas Großartiges entstehen

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Archäologe im Dienst der Kulturpolitik: Hermann Parzinger Bild: Andreas Pein

Hermann Parzinger, der neue Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erläutert die zukünftigen Projekte der Stiftung und die Pläne für das Humboldt-Forum hinter der barocken Fassade des Berliner Stadtschlosses.

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          Hermann Parzinger, der neue Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erläutert die zukünftigen Projekte der Stiftung und die Pläne für das Humboldt-Forum hinter der barocken Fassade des Berliner Stadtschlosses.

          Herr Parzinger, am morgigen Freitag werden Sie in Ihr neues Amt als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eingeführt. Was steht als Erstes auf Ihrer Liste – das Humboldt-Forum im Berliner Schloss, mit dessen Bau ja schon 2010 begonnen werden soll, oder die Themen Raubkunst und Restitution?

          Diese Themen sind natürlich die zentralen. Um mit der „kriegsbedingt verlagerten Kunst“, also der Kunst, die im und nach dem Zweiten Weltkrieg Deutschland Richtung Russland verlassen hat, anzufangen: Da sind wir jetzt dabei, gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder im Rahmen des deutsch-russischen Museumsdialogs ein Projekt auf den Weg zu bringen. Es geht um einen Austausch von Kuratoren und die Auswertung von Transportlisten, die in Moskauer Archiven liegen. Von russischer Seite gibt es da durchaus eine gewisse Offenheit.

          Was bedeutet das konkret?

          Ende Oktober wird es in Berlin eine große Feier zum fünfzigjährigen Jubiläum der Rückgabe von über einer Million Objekten und Kunstschätzen an die damalige DDR geben. Die Museumsinsel wäre heute nicht das, was sie ist, wenn die Werke – darunter auch der Pergamon-Altar – damals nicht zurückgekommen wären. Wenn man bedenkt, was die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg erleiden musste, ist es angemessen, an diese Rückführung zu erinnern und auch eine gewisse Dankbarkeit zu zeigen – verbunden natürlich mit dem Wunsch, dass wir die Probleme, die es in Fragen der Restitution zwischen Deutschland und Russland noch gibt, eines Tages gemeinsam lösen sollten.

          Eine Frage, die die Öffentlichkeit noch mehr bewegt, ist die Zukunft des Berliner Schlosses – wobei Sie ja lieber vom Humboldt-Forum sprechen. Sie sitzen in der Auswahlkommission für den Architektenwettbewerb; vor kurzem haben Sie erklärt, Sie könnten auch mit einer modernen Fassade leben. Jetzt gibt es die ersten Entwürfe – machen die Sie eher optimistisch oder skeptisch?

          Ich habe nur gesagt, dass man sich vieles vorstellen kann, doch ich bevorzuge die barocken Schlossfassaden, weil sie für eine klare städtebaulich-harmonische Einbindung sorgen, gerade auch in Verbindung mit dem Boulevard Unter den Linden. Ich habe noch keine Entwürfe gesehen, aber bei der Gestaltung dieses besonderen Ortes ist jetzt die Kreativität der Architekten gefragt, ein wirklich einzigartiges Monument zu schaffen.

          Das wofür stehen soll?

          Es muss ein Bau sein, in dem sich möglichst viele wiederfinden. Wenn es gelingt, die Historizität des Ortes mit den Brüchen unserer deutschen Geschichte und dem im Humboldt-Forum angelegten Aspekt einer neuen Weltläufigkeit, mit dem „Blick nach außen“ zu verbinden, könnte etwas Großartiges entstehen.

          Nun war ja das Schloss immer wahrgenommen worden als ein Projekt, das die historischen Brüche, von denen Sie sprechen – „heilen“ sollte, sagen die Befürworter, „verkleistern“, sagen die Gegner. Sie sind von Haus aus Archäologe, wie sehen Sie das Problem der rekonstruierten Geschichte in diesem Fall?

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