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Interview mit Folgen : Die „taz“-Chefin Ines Pohl

Erst der Fall des Redakteurs Christian Füller, dessen Pädophilie-Artikel ungedruckt blieb, dann das Interview mit Phillipp Rösler, das keine Antworten hatte - und nun ein ominöses Interview der „taz“-Chefin Ines Pohl. Was ist da los?

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          Ines Pohl, die Chefredakteurin der „taz“, hat in der vergangenen Woche der „Süddeutschen Zeitung“ ein denkwürdiges Interview gegeben. Und sie hat am Montag eine denkwürdige Mitarbeiterversammlung erlebt. Denn in der Redaktion fanden viele das Interview nicht witzig. Nicht witzig, nicht angemessen, nicht auszuhalten. „Mutti kann nicht immer reingrätschen“ lautete die SZ-Überschrift. Gemeint war: Die Chefin könne nicht alle Fehler ausbügeln.

          Da gab es, erinnern wir uns, in der „taz“ das Interview mit dem einstigen FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler zum Thema „Hass“, das keine Antworten hatte und doch erschien. Sie habe das „Interview in dieser Form erst nach Drucklegung gelesen“ und trage „natürlich die Verantwortung“, sagt Ines Pohl. Zu dieser stand sie zum Erscheinen am 9. September voll und ganz. Sie erklärte im „taz“-Hausblog, wieso das Interview in dieser Form erscheine, und twitterte das auch fröhlich. Wir nehmen an, das war nach der Drucklegung. Die Erkenntnis, dass dies ein Fehler war, kam wohl später.

          Rechtzeitig vor dem Andruck hatte Ines Pohl bekanntlich den Artikel des Redakteurs Christian Füller zur Pädophilen-Szene und den Grünen gekippt. Dem Autor, dessen Recherchen dazu beitrugen, dass dieses Thema überhaupt aufs Tapet kam, schenkt sie im Interview kräftig ein: „Der Text war handwerklich schlecht“, der Kollege sei „beurlaubt, es laufen arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen“. Das nennt man Hinrichtung erster Klasse vor großem Publikum oder Mobbing von oben. Ob die Kritik härter sei, „weil man in einem Kontext arbeitet, in dem die moralischen Standards noch höher sind“, wird Ines Pohl in der “Süddeutschen“ gefragt. Antwort: „Unbedingt.“

          Bei dieser vermeintlichen moralischen Fallhöhe könnte es sich jedoch um Autosuggestion handeln. Viele bei der „taz“ wären zufrieden, wenn Mindeststandards gälten, etwa, dass man bei einem vermeintlichen Selbstbekenntnis nicht andere hinhängt. Ines Pohl „diskreditiert die Redaktion insgesamt“, schrieb die verdiente „taz“-Korrespondentin Bettina Gaus in einer Mail. Das sahen bei der Versammlung viele genauso. Sie erfuhren aus der SZ auch, dass sich die Chefredakteurin vorstellen kann, dass die Zeitung „irgendwann nur noch dreimal pro Woche in gedruckter Form erscheint“. Was für Aussichten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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