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Interview mit einem Rhesus-Affen : Weibchen immer große Probleme

  • Aktualisiert am

Ja. Nein. Hunger: Charly gibt Auskunft Bild: AP

Können Tiere reflektierend ihr Gedächtnis befragen? Eine neue Studie soll belegen, daß Rhesusaffen außer „ja“ und „nein“ auch „ich bin mir nicht sicher“ sagen können. Dietmar Dath hat einen der Versuchsteilnehmer interviewt: den Affen Charly.

          4 Min.

          Was Tiere wissen und verstehen, interessiert seit Darwin nicht mehr nur Pfleger und Jäger. Wenn der Mensch mit anderen Spezies tatsächlich verwandt ist, müssen sich Hinweise auf Bewusstsein an deren Verhalten ablesen lassen. Forschungen mit Delphinen und Affen seit Anfang der neunziger Jahre deuten tatsächlich darauf hin, dass manche Tiere reflektierend ihr Gedächtnis befragen können. Die amerikanische Psychologin Janet Metcalfe von der Columbia University wird mit ihren Koautoren Nate Cornell und Lisa Son in der Zeitschrift „Psychological Science“ diesen Monat eine Studie veröffentlichen, die belegen soll, dass Rhesusaffen imstande sind, außer „ja“ und „nein“ auch „ich bin mir nicht sicher“ zu sagen. Zur Veranschaulichung der Tragweite der Funde hat diese Zeitung ein Exemplar der betreffenden Art mit Hilfe von Bildtafeln, Tonsequenzen und Zeichensprache interviewt. (F.A.Z.)

          Herr Charly, man hat Ihnen monatelang paarweise Linien auf einem Bildschirm gezeigt, ist das richtig?

          Ja.

          Mussten Sie sich die Farben der Linien merken?

          Nein.

          Mussten Sie beurteilen, welche Linie jeweils die längere ist?

          Ja.

          Haben Sie a.) den Bildschirm berührt, um Ihre Antwort zu geben, oder haben Sie b.) Klopfzeichen gegeben?

          Charly Bildschirm anfassen ja. Charly Klopfzeichen nein.

          Wurden Sie dann im zweiten Durchgang des Experiments aufgefordert, die Richtigkeit ihrer jeweiligen Längenschätzung selbst zu bewerten?

          Charly gefragt, ob Charly richtig. Charly Markierungen verschoben. Charly damit gewettet, ob richtig. Wenn Wette Ergebnis gut, Futter neu.

          Man hat Sie also nicht einfach für richtige Antworten belohnt, sondern dafür, dass Sie wußten, ob Sie die Antworten genau oder ungenau geben konnten?

          Ja.

          Die Forscher sind sicher sehr zufrieden mit Ihnen?

          Weiß nicht.

          Im Laufe der Zeit hat man Ihnen immer komplexere Fragen gestellt, trifft das zu?

          Hunger.

          Bitte?

          Charly Hunger. Test nur weitermachen, wenn Futter neu.

          Sie kennen doch die Regeln, Herr Charly. Erst beantworten Sie unsere Fragen, dann gibt's was.

          Nein.

          Doch.

          Na gut.

          Würden Sie mit der Einschätzung der Forscher übereinstimmen, dass das Wissen darüber, was man weiß, der Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Selbstbewusstseins ist?

          Forscher durcheinander. Viele Fragen über einfache Sachen, aber Fragen nicht einfach. Forscher zu viel fragen, zu wenig wissen. Charly manchmal ja, manchmal nein, manchmal weiß nicht. Forscher immer weiß nicht, immer fragen.

          Wollen Sie damit andeuten, Sie seien gescheiter als die Wissenschaftler?

          Andeuten nein.

          Wollen Sie es behaupten?

          Behaupten ja.

          Herr Charly, wir würden Sie gerne mit Ergebnissen einer anderen, älteren Studie konfrontieren. Sind Sie bereit?

          Weiß nicht.

          Es geht um unseren Verdacht, dass Sie ein ziemlich unaufrichtiger Affe sind. Zusammen mit Ihren Artgenossen. Dass Sie berechnender sind, als die Wissenschaftler meinen. Und weniger niedlich.

          Frage wo?

          Die kommt schon noch. Also, Folgendes: Vor vielen Jahren . . .

          Langweilig.

          Hören Sie damit sofort auf. Und werfen Sie nicht dauernd mit diesem Schmutz da.

          Du angefangen. Du böse geredet Charly und Freunde von Charly.

          Hören Sie jetzt zu? Vor längerer Zeit hat man eine Studie zu Territorialverhalten, Verwandtenhilfe und Brutpflege bei macaca mulatta durchgeführt, mit erstaunlichen Ergebnissen. Es stellte sich Folgendes heraus: Wenn man sie jeweils alleine getestet hat, haben männliche und weibliche Äffchen gleichermaßen heftig und prompt auf Alarmsignale isolierter Jungtiere reagiert. Wenn man aber jeweils dasselbe Männchen und dasselbe Weibchen gemeinsam im Quartier leben ließ, reagierte immer nur das Weibchen, wenn das Junge um Hilfe schrie.

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