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Interview mit einem Rhesus-Affen : Weibchen immer große Probleme

  • Aktualisiert am

Na und?

Dieser Verhaltens-Dimorphismus ist eindeutig sexistisch.

Charly versteht nicht.

Sie unterdrücken Ihre Weibchen. Mit Vorsatz!

Hunger.

Lenken Sie nicht ab. Und gucken Sie nicht so treuherzig. Herr Charly, wie rechtfertigen Sie das?

Forscher auch nicht besser. Weibchen Forscher immer Kaffee kochen, Kinder mitbringen, Futter neu. Männchen Forscher immer Computerspiele, nur kümmern Charly, wenn Weibchen Forscher nicht da. Arbeitsteilung normal. Charly gut versorgt von Weibchen Forscher, Äffchen Junges gut versorgt von Weibchen Äffchen.

Ist das Ihre Erklärung? Die Arbeitsteilung?

Natur schuld. Charly nicht schuld. Weibchen Forscher sagt, Eva Herman auch sagt, was Charly sagt. Weibchen immer große Probleme.

Eva Herman? Sie scheinen sich ja gut auszukennen. Haben Sie schon einmal davon gehört, dass Natur nicht alles ist? Von Simone de Beauvoir, Shulamith Firestone, Judith Butler?

Charly nicht lesen. Charly traurig, kann nichts machen. Armer Charly!

Tun Sie doch nicht so. Wir haben Sie durchschaut. Sie sind bequem und unredlich! Würden Sie nicht auch zustimmen, dass die Forscher bei Ihnen vor lauter „ja“, „nein“ und „weiß nicht“ die viel wichtigere Frage nach der Wahrhaftigkeit der getesteten Tiere . . .

Charly immer wahr, gut und lieb.

Das können Sie Ihren Weibchen erzählen! Sie glauben wohl, dass das hier alles immer nach Ihrem Plan läuft?

Weiß nicht.

Wir wollen Ihnen mal was sagen, Herr Charly! Ihre Tage der Fettlebe und Verlogenheit sind gezählt. Das Ganze ist nämlich im Kern eine demographische Angelegenheit! Da staunen Sie, was?

Charly staunt. Will mehr wissen.

Langzeituntersuchungen der Reproduktion sozialer Insekten haben gezeigt, dass bei Arten, deren Weibchen stärker und aufwendiger großzuziehen sind als die Männchen und bei denen das Zahlenverhältnis der Geschlechter genetisch hinreichend variabel ist, die Weibchen im Falle ausreichender Ressourcen mehr weibliche als männliche Nachkommen haben.

Charly versteht nicht.

Dann wollen wir Klartext mit Ihnen reden: Man hat diese Untersuchungen auf Ihresgleichen ausgedehnt, auf Meerkatzenverwandte. Es stellte sich heraus: Dominante Weibchen produzieren mehr Töchter als Söhne, bei unterwürfigen ist es umgekehrt. Was glauben Sie, was passiert, wenn die Weibchen von diesen Forschungen erfahren?

Charly kriegt Angst.

Ja, das schmeckt Ihnen nicht, wie? Dann müssen Sie eben von den Menschen lernen. In unserer Gesellschaft wird eine rege, offene und manchmal sogar faire Debatte über das Geschlechterverhältnis . . .

Du hast leicht reden - aber selbst die gute Übertragbarkeit von Erkenntnissen bezüglich Verhaltensdispositiven zwischen unsereinem und den Pongiden, zu deren nächster Verwandtschaft der Mensch bekanntlich zählt, ist als Schlüssel für die neuere Soziobiologie, wie nicht nur der direkte Abgleich von Rhesusaffen-Beobachtungen mit solchen zeigt, die man etwa bei pan paniscus, dem aus Film und Fernsehen so beliebten Schimpansen, hat machen können, was insbesondere im Hinblick etwa auf Rangstreben und Territorialverhalten und deren jeweilige Relevanz für die Fortpflanzungswahrscheinlichkeit eines gegebenen Genotyps . . .

Herr Charly?

Ja?

Wo haben Sie denn auf einmal diese interessante Syntax her? Überhaupt, wer hat Ihnen eigentlich beigebracht, die Signaltafeln zu ignorieren und stattdessen direkt fertige Sätze mit elaboriertem Vokabular ins Keyboard zu tippen?

Äh . . . hoppla.

Erwischt! Von wegen Hunger! Von wegen weiß nicht! Herr Charly!

Ohne meinen Anwalt sage ich überhaupt nichts mehr.

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