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Interview : Mark Knopfler: Ich kann meine Stimme nicht ertragen

  • Aktualisiert am

Meidet Spiegel: Mark Knopfler, Ex-Sänger der Dire Straits Bild: Marek Lieberberg

Ein Interview mit Mark Knopfler. Der ehemalige Sänger der Dire Straits hat sich gerade mit einer neuen CD zurückgemeldet.

          Die Älteren kennen Mark Knopfler noch als Sänger der Dire Straits. Jetzt meldet sich der Saurier des Rockpop mit einer neuen CD, „Ragpicker's Dream“ zurück. Im Mai tourt er durch Deutschland. Alexander Marguier traf den Sänger in Hamburg zum Gespräch.

          Vor einigen Jahren haben Sie die „Dire Straits“ mehr oder weniger aufgelöst, weil Sie den Rummel um die Band satt hatten. Auf Ihrem neuen Soloalbum prangt jetzt ein Aufkleber mit den Worten „Die Stimme und Gitarre der Dire Straits“. Kommt Ihnen das nicht seltsam vor?

          Allerdings, aber die Geschichte mit dem Aufkleber hat das Plattenlabel so entschieden - da kann ich nichts für. Hinzu kommt, daß ich meine eigene Stimme schon seit Jahren nicht mehr ertragen kann.

          Sie ertragen Ihre Stimme nicht?

          So ist es. Mit meinem Äußeren geht es mir übrigens genauso.

          Das klingt nach einer Sinnkrise.

          Ach, ich weiß nicht. Aber wenn ich zum Beispiel ein Musikvideo von mir sehe, frage ich mich: „Wer ist der Typ da?“ Geht Ihnen das nicht so, wenn Sie sich auf Video sehen?

          Von mir werden keine Videos gedreht.

          Gut, aber wenn Sie zum Beispiel in ein Restaurant gehen: Setzen Sie sich gern auf einen Platz, von dem aus Sie sich im Spiegel sehen können?

          Eher nicht.

          Ich auch nicht. Ich bitte dann immer darum, ob ich mich woanders hinsetzen kann. Natürlich nur, wenn nicht jeder am Tisch wegen mir seinen Platz wechseln muß.

          Sind Sie unzufrieden?

          Nicht mehr so wie früher. Vor zehn Jahren hatte ich eine sehr, sehr negative Einstellung gegenüber mir selbst und der ganzen Welt. Das Problem dabei ist, daß man in solchen Phasen sein eigenes Talent nicht mehr ernst nimmt. Stattdessen trinkt man zuviel, raucht zuviel, versteckt sich vor sich selbst. So ging es mir jedenfalls. Ich hatte praktisch die Kontrolle über mein Leben verloren. Inzwischen kann ich mein Leben wieder genießen. Ich habe sogar das Gefühl, ein Recht darauf zu haben, es zu genießen. Mit dem Rauchen habe ich übrigens auch aufgehört.

          Die großen Konzerttourneen damals, war das auch eine Form von Flucht vor sich selbst?

          Auf jeden Fall. Auch das ist heute ganz anders, denn mein Zuhause ist mittlerweile ein Ort, an dem ich wirklich gern bin. Ich habe zwar immer noch den einen oder anderen Auftritt, aber eben nur vereinzelt. Nach einem Konzert freue ich mich jetzt jedesmal darauf, bald wieder bei meiner Familie in London zu sein.

          Die Rolling Stones sind sogar ein paar Jahre älter als Sie, aber derzeit schon wieder auf großer Welttounee. Ist Mick Jagger unausgeglichen, daß er sich das antut?

          Keine Ahnung, jeder soll zusehen, wie er glücklich wird. Für mich käme so etwas allerdings nicht in Frage. Schon allein, weil ich auf die Schulferien meiner Kinder Rücksicht nehmen muß.

          Was treibt Sie überhaupt noch aus dem Haus und in Konzertsäle?

          Für mich sind Konzerte Bestandteil eines Zyklus'. Ein Zyklus, der mit einer Inspiration beginnt, aus der heraus ein Song entsteht. Danach geht man ins Studio und nimmt das Lied auf - diesen Abschnitt mag ich mit zunehmendem Alter immer lieber. Später kommt die Probenarbeit mit den anderen Musikern, und am Schluß gehst du raus und spielst vor Publikum. Ohne Konzerte wäre die ganze Sache unvollständig. Schließlich will man ja auch sehen, wie die Leute auf das reagieren, was man sich ausgedacht hat.

          Als Sie Ende der siebziger Jahre Ihre ersten großen Konzerte gegeben haben, explodierte gerade der Punk. Hatten Sie nie die Befürchtung, mit Ihrem melodischen Gitarrensound ein bißchen arg altbacken rüberzukommen?

          Die Musikszene brauchte damals einfach so etwas Kathartisches wie den Punk - als eine Art Kontrapunkt zu „Saturday Night Fever“. Aber der Punk war ja eine Jugendbewegung, war „kid power“. Und ich selbst war damals schon Ende zwanzig, hatte meine rebellische Phase schon längst hinter mir gelassen. Ich war auf einem ganz anderen Trip.

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