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Interview : „Ich bin sicher, dass ich einen Käufer finden werde“

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Der Kunsthändler Robert Noortman Bild: Galerie Noortman

Der Kunsthändler Robert Noortman verkauft in Maastricht den teuersten Rembrandt aller Zeiten. FAZ.NET sprach mit ihm.

          3 Min.

          Robert Noortman ist ein Kunsthändler aus Maastricht. Auf dem Gebiet der niederländischen Malerei des Goldenen Zeitalters und der flämischen Barockmalerei ist er einer der führenden Händler in Europa, vielleicht weltweit. Im Dezember sorgte der 55jährige für Aufsehen, als er in London das teuerste Rembrandt-Gemälde aller Zeiten ersteigerte. Für das „Porträt einer 62jährigen Frau“ war er bereit, 64 Millionen Mark zu zahlen. Auf der European Fine Art Fair (Tefaf) in Maastricht bietet Noortman das Bild jetzt an: zum Preis von 76 Millionen Mark. Obwohl die abgebildete Dame an Schönheit mit der Mona Lisa nicht mithalten kann, bilden sich vor dem Bild im Glaskasten ebenso lange Schlangen wie vor der rätselhaften Schönen im Louvre. FAZ.NET versuchte herauszufinden, was in dem Händler vorgeht, der so ein teures Bild besitzt.

          Herr Noortman, wie läuft es auf der Messe?

          Sehr gut. Das Interesse an meinem Rembrandt ist vorhanden. Definitives weiß ich noch nicht. Es ist eben doch ein sehr teueres Bild. Da lassen sich die Käufer Zeit. Hier werden wohl nur Gespräche beginnen. Dass ich das Bild schon auf der Messe verkaufen werde, glaube ich nicht. Ich rechne aber damit, dass es in den nächsten sechs bis acht Monaten einen Käufer finden wird.

          Rembrandt van Rijn, Porträt einer Frau, um 1632
          Rembrandt van Rijn, Porträt einer Frau, um 1632 :

          Wer waren die bisherigen Interessenten?

          Drei Privatsammler - ein Europäer, zwei Amerikaner - und zwei Museen. Die Museen zum Beispiel müssen ja eine Zahl von Kommissionen überzeugen, bevor sie das Bild kaufen können. Das braucht Zeit. Und soviel Zeit habe ich.

          Vor Ihrem Bild drängen sich die Besucher. Fürchten Sie nicht, dass einer dabei ist, der das Werk beschädigen könnte?

          Das Bild ist natürlich eine tolle Publicity für mich. Vor einem Verrückten fürchte ich mich nicht. Das Bild ist ja, wie Sie sehen, durch Glas gut geschützt.

          Als das Bild bei der Auktion schwindelerregende Summen erreichte, haben Sie da zwischenzeitlich gar nicht überlegt, ob Sie aussteigen sollen?

          Ich war fest entschlossen, das Bild zu kaufen. Ich wäre auch noch ein zwei Gebote höher gegangen.

          Eine indiskrete Frage: 64 Millionen Mark, woher nimmt man soviel Geld?

          Ich habe einen Partner und natürlich Banken. Das ist, wie wenn Sie ein Auto oder ein Haus kaufen.

          Nur deutlich teurer.

          Das stimmt. Aber auch die Sicherheit ist größer.

          Kann man bei Rembrandt so sicher sein? In den letzten Jahren gab es soviel Hin und Her bei den Zuschreibungen, dass auch der Kenner sich vergewissern muss: War das nun nach neuestem Stand ein Rembrandt oder doch nicht?

          Ich versichere Ihnen, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Es gibt keine Zweifel an diesem Gemälde. Niemand stellt in Frage, dass es ein echter Rembrandt ist.

          Weniger sicher ist, wen das Bild darstellt.

          Wir glauben, dass es sich um die Tante seiner Frau Saskia, Aeltje Uylenburgh, handelt. Rembrandt malte sie wohl, bevor er und Saskia heirateten.

          Was gefällt Ihnen an dem Bild?

          Wohl die selben Dinge, die Rembrandt auch gefielen. In dem Gesicht der 62jährigen Frau ist soviel verborgen. Man sieht, dass sie ein hartes Leben hatte, viele Sorgen, aber auch Freude. Das Leben hat Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen. Das muss Rembrandt fasziniert haben. Und das fasziniert auch mich.

          Sammeln Sie selbst?

          Ich sammele - aber keine Rembrandts, nicht für diese Summen. Aber ich liebe es, mich mit schönen Dingen zu umgeben, und darunter sind auch flämische und niederländische Maler.

          Stimmt es, dass die amerikanischen Sammler dieses Jahr in Maastricht weniger aktiv sind als in den letzten Jahren? Die sorgten bislang für den größten Umsatz auf der Messe.

          Die amerikanischen Sammler sind durch den Aktien-Crash in ihrem Land verunsichert. Sie trauen sich im Augenblick nicht, Geld auszugeben. Die Europäer denken hier langfristiger und lassen sich nicht so leicht verunsichern. Die Amerikaner werden leicht panisch. Aber präsent sind sie sehr wohl. Ich habe acht Bilder an Amerikaner verkauft.

          Haben sich auch niederländische Sammlungen für den Rembrandt interessiert?

          Die hiesigen Museen haben öffentlich bekundet, dass sie das Bildnis der alten Frau gern erwerben würden. Das Mauritshuis etwa. Andererseits sind die Museen hier schon gut bestückt mit Rembrandts. Und bei dem Preis fragen sie sich verständlicherweise, ob sie nicht andere Prioritäten setzen sollen.

          Was machen Sie, wenn Sie das Bild in Maastricht nicht verkaufen?

          Dann nehme ich es mit in die Galerie. Dort hänge ich es aus oder lege es in den Safe. Das überlege ich mir noch. Aber wie gesagt, ich bin sicher, dass wir Angebote bekommen werden.

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