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Interview : Harrison-Produzent Jeff Lynne: Es sollte Georges Album bleiben

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Sein letztes Album konnte er nicht mehr selbst vollenden: George Harrison im Studio Bild: George Harrison

George Harrison hat sein Album „Brainwashed“ nicht mehr selbst vollenden können. Sein langjähriger Weggefährte Jeff Lynne erzählt, was noch zu tun war.

          Ex-Beatle George Harrison starb am 29. November 2001, bevor er sein neues Album „Brainwashed“ vollenden konnte. Zusammen mit Georges Sohn Dhani hat Harrisons langjähriger Weggefährte Jeff Lynne das Album, das am Montag veröffentlicht wird, fertig gestellt. In einem Interview erzählt Lynne, Bandkollege Harrisons bei den Traveling Wilburys und Kopf des Electric Light Orchestras von dieser Arbeit.

          Jeff Lynne, Sie haben sechs Monate im Studio an der Produktion von George Harrisons letztem Album gearbeitet. Wie würden Sie diese Zeit beschreiben?

          George hatte bereits alle Lieder abgeschlossen, nicht im Sinne von Plattenaufnahmen, aber die Rohfassungen waren fertig. Das Album fertig zu stellen, war eine sehr beklemmende Perspektive. Es geht einem nahe, weil man für einen Freund etwas zu Ende bringt. Und George war ein sehr guter Freund.

          Zum Glück hatte ich Dhani Harrison, seinen Sohn, bei dem ganzen Projekt dabei. Ich wollte möglichst alles vermeiden, was George nicht gewollt hätte. Dhani stand seinem Vater sehr nahe, und der hatte ihm viel darüber erzählt, wie er das Album haben wollte. Auch ich sprach mit George darüber, als er mich fragte, ob ich das Album produzieren würde. Er erklärte mir, dass er es nicht zu extravagant haben wollte, es sollte mehr wie ein Demo klingen.

          Das Album klingt jetzt allerdings eindeutig ausgefeilter als ein Demo-Band. Warum?

          Die Lieder sind einfach so schön, sie haben noch ein wenig mehr „Arbeit“ gebraucht. Einige habe ich aber auch im Rohzustand belassen, es ist wirklich eine der minimalistischsten Produktionen geworden, die ich je gemacht habe. Ich wollte, dass es Georges Album bleibt. Also wurde George herausgearbeitet, seine Stimme und Gitarre sind am lautesten. Das sind die wichtigsten Aspekte von Georges Arbeit. Alles, was Dhani und ich hinzugefügt haben, sind ein paar akustische Gitarren. Es wurde sehr wenig gemischt, so dass George immer durchscheint.

          Wann begann George die Aufnahmen für „Brainwashed“? Es scheint, dass sie sehr unterschiedliche Phasen seiner letzten Jahre umfassen, optimistische und pessimistische.

          Ich weiß nicht genau, wann die Stücke geschrieben wurden. Ich kenne aber einige Entstehungsgeschichten. Zum Beispiel „Rising Sun“, er kam in mein Haus und spielte es mir einfach auf der Ukulele vor. Und es hat mich umgehauen! Ich dachte: „Wow, das ist fantastisch. Sogar nur mit der Ukulele.“ Zu diesem Lied hat George Anmerkungen auf dem Multi-Track-Gerät hinterlassen. Er sang einen Cello-Teil, und wir haben ihn von Marc Mann arrangieren lassen. Wir haben zwei Celli eingesetzt, um jene Musik zu spielen, die George auf dem Band gesungen hat. Es hat wunderbar geklappt.

          Die ganze Zeit vor seinem Tod hat George - Gott segne ihn! - darüber gesprochen, wie er es haben will. Dann, als er uns die Bänder hinterließ, um damit weiter zu arbeiten, fanden wir immer Hinweise, was in ein Lied hinein sollte und wie wir es machen könnten.

          Er hat auch auf Alben vieler anderer Musiker mitgespielt: Auf Ihrem ELO-Album „Zoom“, er spielte bei Bill Wymans Rhythm Kings, Jim Capaldi und Jools Holland. „Horse To The Water“ war möglicherweise seine letzte Aufnahme?

          Könnte sein. Er könnte es - ich bin mir nicht sicher - noch nach den „Brainwashed“-Songs aufgenommen haben.

          Als ich den Song hörte, fragte ich mich, ob ein spiritueller Mensch wie George fähig war, Wut über jene Medien zu empfinden, die ihm auf Schritt und Tritt folgten, die herausfinden wollten, in welches Krankenhaus er geht und so weiter. War er wütend oder nur ironisch?

          Es ist wohl eine Art Ironie. Ich denke nicht, dass er wütend war. Ich denke, er hatte es satt, dass ihm gewisse Leute ständig nachstellten. Aber wem ginge das anders? Er war friedlich und ruhig, meistens zumindest. Viele Jahre war er so. Er hatte überall wunderschöne Gärten - das war etwas, was er mochte. Er mochte all den Dreck nicht, der herauskam, wenn Leute über ihn redeten oder schrieben. Er behielt sein Inneres lieber sich selbst vor.

          Wie würden Sie den Menschen George Harrison beschreiben?

          George war ein sehr lustiger Bursche, sehr schlagfertig, sehr geistreich. Er ließ sich von niemandem etwas vormachen, er stand immer zu seiner Meinung. Er war einfach ein großartiger Bursche, wissen Sie? Einer, der Ideen verwirklichen konnte, wie damals, als wir sein Album „Cloud Nine“ aufnahmen. Er formierte die Traveling Wilburys - das war allein Georges Verdienst. Er hatte die Kraft, das zu tun. Und wir machten mit und hatten einen Riesenspaß.

          Obwohl er mehr oder weniger alles machen konnte, was er wollte, war Einsicht das, wonach er wirklich strebte. „Schau nach innen, da ist die Antwort“ - das war seine Art von Weltanschauung.

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