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Interview : Hans Zimmer: „Ich suche das gefährliche Abenteuer“

  • Aktualisiert am

Hans Zimmer mit Produzent Dino de Laurentiis und Anthony Hopkins auf der Berlinale Bild: dpa

Diese Woche läuft der Film „Hannibal“ in den Kinos an. Die Film-Musik komponierte Hans Zimmer, ein 43jähriger gebürtiger Deutscher, der seit Jahren zu den gefragtesten Film-Komponisten Hollywoods gehört. Zimmer komponierte auch die Filmmusik zu „Gladiator“, die für den Oscar nominiert ist. FAZ.NET traf ihn in Berlin.

          Für die Ohren der Hollywood Insider gibt es keinen wohlklingenderen deutschen Namen als Hans Zimmer. Der Filmmensch denkt an ausdruckstarke Klangbilder und Oscar-Nominierungen. Der gebürtige Frankfurter ist einer der begehrtesten Filmkomponisten der Welt. Soeben wurde der 43-jährige für seine Komposition (zusammen mit Lisa Gerarde) zu "Gladiator" für einen Oscar nominiert. Zum ersten Mal wurde Zimmer 1989 (“Rain Man“) für die höchste Hollywood-Ehrung nominiert. 1995 erhielt er den Oscar für seine Musik zu "Lion King". Weitere Nominierungen: "The Preacher´s Wife" (1997) und "As Good As It Gets" (1998). 1999 war er gleich zwei mal im Rennen um die vergoldete Statuette ("The Prince of Egypt" und "The Thin Red Line").

          Sie sind einer der wenigen viel beschäftigten Filmkomponisten Hollywoods. Kommen die Auftraggeber mit Projekten zu Ihnen oder müssen sie sich um Engagements bemühen? Wie war das im Fall von "Hannibal''?

          Ich habe das Buch gelesen, während wir noch an "Gladiator" gearbeitet haben. Die Liebesgeschichte darin gefiel mir. ´Laß uns doch mal eine Liebesgeschichte machen´, hab ich Ridley Scott vorgeschlagen. Da hatte der allerdings schon das Drehbuch zugeschickt bekommen. Wir haben viel über diese Geschichte gesprochen. Ich sammle deutsche Expressionisten und ich dachte, "Hannibal" könnte ein richtiger Otto-Dix-Moment werden. Wir haben über Füssli und Böcklin gesprochen. Daraus hat sich langsam ein Stil entwickelt, der sich schließlich durch die gesamte Produktion zieht.

          „'Hannibal' zu machen, war für mich so aufregend wie Wedekinds 'Lulu' zu verfilmen”: Hans Zimmer

          Sie haben auch auf die visuelle Stilistik Einfluß genommen?

          Ich erzähle Ihnen etwas, was erklärt, warum ich diese Sachen mache. Als wir fertig waren mit den Dreharbeiten, waren wir wieder zusammen im Schneideraum: Pietro Scala (Schnitt), Ridley Scott (Regie) und ich. Und wir haben uns angebrüllt, weil wir uns nicht über die Bedeutung einer Träne verständigen konnten, die über Juliannes Gesicht lief. Wir stritten darüber ob sie Abscheu, Einsamkeit oder Liebe ausdrückte. Drei erwachsene Männer, die sich um elf Uhr nachts über eine Träne streiten, das ist wunderbar!

          In solchen Momenten weiß man, warum man diesen Job macht. Hier geht es um Leidenschaft. Gestern auf der Pressekonferenz war klar, dass die Journalisten glaubten, wir haben "Hannibal nur gemacht, um Geld zu verdienen. Der Film ist ein Sequel, da glaubt jeder Bescheid zu wissen... Weder Ridley Scott, noch David Mamet noch Anthony Hopkins oder ich, haben es nötig irgend etwas zu machen, nur weil wir Geld verdienen müssen. Das Projekt war für uns interessant. Für mich war das so aufregend, als hätte Ridley mich gebeten, mit ihm Wedekinds Lulu zu verfilmen.

          Was also müssen Sie in einem Projekt finden, um mit dabei sein zu wollen? Was suchen sie in der Arbeit?

          Das gefährliche Abenteuer. Das war auch bei "Gladiator" so. Als Ridley mich gefragt hat, ob ich einen Gladiator-Film machen wolle, habe ich nur gelacht. Ich dachte an Sandalen-Filme - so etwas wollte ich jedoch nicht machen. Ridley meinte aber, bei ihm würde niemand auf der Ottomane liegen und Trauben essen.

          Sie hinterlassen ja Ihre musikalische Handschrift an den Filmen, für die sie komponieren.

          "Gladiator" und "Hannibal" sind sehr unterschiedliche Filme und klingen doch verwandt. "Hannibal" und "Gladiator" haben auch einige wichtige Gemeinsamkeiten. Da ist nicht nur das Italienische. Vor allem die Idee, das Zivilisation und Kultur auf Brutalität aufgebaut sind, verbindet die beiden Filme miteinander. Das ganze römische Empire gedieh auf dem Blut vieler Kulturen, die vor ihm da waren. Nun machen wir einen Film über den zivilisiertesten und kultiviertesten Mann, der zufällig ein Mörder, ein Monster und Kannibale ist.

          Ich würde von Ihnen gerne mehr über den Entstehungsprozess der Filmmusiken wissen. Wenn Sie beginnen, die Musik zu schreiben, müssen Sie sich dann überlegen, welchem Genre der Film zugehören soll?

          Natürlich. "Hannibal" hätte ich am liebsten in der Berggasse 19 in Wien geschrieben - auf der Couch. Ich fand, dass der Film die Opulenz des ausgehenden 19. Jahrhunderts haben müsse. Jugendstilelemente gehörten da hinein. Nachdem ich im letzen Jahr nur Musik für Actionfilme gemacht habe, war ich froh, jetzt etwas anderes tun zu können. Action gibt es in "Hannibal" nicht. Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätten wir eine romantische Komödie daraus gemacht. Einiges ist ja auch sehr lustig.

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