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Interview : Götz Alsmann: „Schlechtes Fernsehen erledigt sich von selbst“

  • Aktualisiert am

Götz Alsmann - bereit für den Samstagabend Bild: dpa

Götz Alsmann ist ein Fernseh-Conferencer der alten Schule. FAZ.NET sprach mit ihm.

          3 Min.

          Der promovierte Musikwissenschaftler Götz Alsmann, bekannt als salzstangenwerfende, scharfzüngige Stimmungskanone „Götzi“ in der Sendung „Zimmer frei“, hat derzeit viel zu tun.

          Seine neue CD „Filmreif“ ist raus. Außerdem hat Alsmann gerade zum zweiten Mal die Verleihung des Deutschen Filmpreises moderiert. Im Rahmen des am Wochenende begonnenen, internationalen Film- und Fernsehfestes „Cologne Conference & Screenings“ betreut der Mann mit der Tolle und den maßgeschneiderten 50er-Jahre-Anzügen eine Retro-Show über alte Fernsehserien. FAZ.NET sprach mit ihm über seine Arbeit und über das Fernsehen heute.

          Herr Alsmann, Sie sind im Augenblick viel beschäftigt. Wollen Sie das Sommerloch im Alleingang stopfen?

          Es ist in der Tat so, dass ich momentan sehr präsent bin. Aber das ist eine Häufung von Zufällen. Klar, wenn man eine neue Platte macht, wird man auf Promotion-Reise geschickt. Und Talk-Shows laden einen ein, wenn es einen Anlass gibt.

          In einem Sommerloch sind Sie ja auch mit „Zimmer frei !" groß raus gekommen. War das auch Zufall?

          Kalkuliert war der Erfolg auf keinen Fall. Das war einfach was, was sich ereignet hat, was uns ereilt hat. Es war ein Konzept, das ein Redakteur abends am Küchentisch innerhalb von 30 Minuten ersann. Der Redakteur stammte aus dem Umkreis der „Tagesthemen“. Das Konzept kam nicht mal aus der Unterhaltungs-Abteilung. Wir sind erst im dritten Jahr der Unterhaltung zugeschlagen worden.

          Für das Zufallsprodukt „Zimmer frei“ haben Sie dann recht bald den „Grimme-Preis" bekommen.

          Ich glaube, dass alle glücklichen Dinge im Leben ein Mittelding zwischen Sich-Erarbeiten und Zufall sind. Zwar war „Zimmer frei“ ein Zufallsprodukt, aber ich war, als das losging, ja auch schon zehn Jahre beim Fernsehen.

          Wir hatten damals überhaupt keine Ambitionen, wir wollten einfach nur sechs Wochen Programm füllen. Ambitioniert sind wir jetzt schon, aber auf eine Art und Weise, die eine gewisse Beiläufigkeit hat.

          Wo kommt dieses Beiläufigkeits-Ideal her?

          Das Ideal durchdringt auch meine anderen Betätigungen. Ich habe mich schon immer faszinieren lassen von Jazz-Pianisten, die mit einer gewissen Nonchalance gespielt haben und nicht wie Rock-Musiker gleich unheimlich schwitzen mussten. Die Eleganz eines Nat King Cole oder eines Duke Ellington, die hat mich früher als Jungen dazu veranlasst, einen Spiegel vor mein Klavier zu stellen und diese Gestik nachzuahmen.

          Wer ist Ihnen ähnlicher? Der Götz aus "Zimmer frei !" oder der sich auch mal snobistisch gebende intellektuelle Dr. Alsmann in Maßanzügen ...

          Ich snobistisch?

          Neulich bei „Beckmann“ wirkten Sie schon ein bisschen snobistisch.

          Ja, bei Beckmann. Das Drama dieser Sendung war, dass er mich zu nicht sehr spannenden Themen befragt hat. Im Verlauf des Gesprächs war ich immer erstaunter, dass ich offenbar nur eingeladen worden war, um über meine Kleidung und meine Frisur zu sprechen. Aber, um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich habe sicher eine Tendenz zum Albernsein, ich kann aber auch ganz melancholisch sein oder verfolge irgendwelche anderen Interessen.

          Wie sieht die Zukunft von „Zimmer frei !“ aus? Bleibt alles beim Alten?

          Es wird vorerst alles beim Alten bleiben. Das Alte ist momentan einfach bombenerfolgreich. Ich habe gerade die Statistiken bekommen. Wir sind an Sonntag Abenden tatsächlich um 23 Uhr in NRW Marktführer, noch vor ARD und RTL. Das ist kaum zu fassen.

          Auf dem Kölner Film- und Fernsehfest „Cologne Conference“ diskutiert man momentan über den „Wert des Fernsehens"? Wie steht es darum aus Ihrer Sicht?

          Ich finde das Programm manchmal gut, manchmal schlecht. Ich sage es mit Reich-Ranicki: Fernsehen macht die Schlauen schlauer und die Dummen dümmer.

          Was war früher besser im Fernsehen?

          Früher war besser, dass es bestimmte Dinge nicht gab. Die „Vati, ich will ein Kind von Dir“-Talk-Shows gab es nicht und das Wort „Reality-TV“ war noch nicht erfunden.

          War das Unterhaltungsfernsehen je so einfallslos wie heute?

          Es gibt viel Mist, in den man beim Auswählen des Fernsehprogramms reintappen kann. Aber viele Sachen erledigen sich glücklicherweise von selbst: die „Big Brothers“, die „Big Diets“ und so weiter.

          Würden Sie sich zutrauen, ein wirkliches Massenpublikum - in der Größenordnung von „Wetten dass ...?“ - auf hohem Niveau zu unterhalten?

          Vielleicht besinnt man sich auch wieder darauf, dass der Samstagabend durchaus auch eine Tradition von leicht abseitigen Moderatoren hat, das war eigentlich sogar das Normale. Früher, da gab's die glatten Moderatoren donnerstags. Den etwas merkwürdigeren Köpfen gehörte aber das Wochenende: Kuhlenkampff, Frankenfeld, Paul Kuhn et cetera.

          Wenn Sie also das „Wetten dass ...?“ rauslassen, sage ich „ja“. Nachdem wir das Revival der „Quiz-Show“ erlebt haben, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass auch der Samstagabend irgendwann mal wieder mehr als eine Show verträgt.

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