https://www.faz.net/-gqz-6pxx1

Interview : Der Realität ins Gesicht schauen: Adriane Piper im Gespräch

  • Aktualisiert am

Adrian Piper, „The Mythic Being/ I Embody Everything You Most Hate and Fear”, 1975 Bild: Generali Foundation

In Kürze auf der Documenta11, jetzt schon in Wien. FAZ.NET sprach mit der schwarzen New Yorker Künstlerin Adrian Piper.

          Adrian Piper ist Schwarze und lebt im New Yorker Stadtteil Harlem. Die Künstlerin und diesjährige Documenta11-Teilnehmerin kämpft gegen Rassismus und Ignoranz. Die Generali Foundation in Wien widmet der Künstlerin jetzt eine eindrucksvolle Einzelausstellung. FAZ.NET sprach mit Ihr in Wien.

          Frau Piper, wenn Sie Ihre Serie „Color Wheel“ charakterisieren sollten, was steht im Mittelpunkt Ihrer Kunst?

          Mich interessieren verschiedenen Wege, die Realität abzublocken. Die drei Affen, die sich Mund, Ohren und Augen zuhalten, haben in der westlichen Kultur eine positive Interpretation. Sie stehen dafür, das Böse zu vermeiden. Das ist eine Haltung, die ich kritisiere - sich der Realität zu entziehen.

          Aber es gibt auch einen positiven Aspekt darin, der durch den Hindugott Shiva ins Bild kommt. Ich praktiziere seit über 35 Jahren Yoga. Eine der Meditationstechniken sieht vor, die Sinne zu verschließen, um sich ohne Ablenkung in das Selbst zu versenken. Das ist der positive Weg. Aber ich stelle in Frage, ob beziehungsweise wann es eine gute Idee ist, Augen und Ohren zu verschließen und nicht zu reden.

          Tritt Shiva als Gegenpol zu den Affen auf?

          Shiva ist für mich eine sehr wichtige Figur. Im Vedanta, der Gründungsphilosophie des Hinduismus, gilt Shiva als Zerstörer der Illusion. Die Welt ist Illusion, und durch Yoga und Meditation gelangen wir dahinter, in die wahre Wirklichkeit. Shiva ist eine große Herausforderung: der klare Blick ohne Illusionen zeigt sehr viel Entsetzliches. Es ist eine Suche nach Wissen, die zu großem Schmerz oder Enttäuschung führen kann - aber wenn es wahr ist, muß man sich dem stellen.

          Daher auch die drei Fadenkreuze, die über die Affen gelegt sind und das auf-die-Stirn-Zielen. Im Yoga ist dieser Punkt ein bestimmtes Shakra, auf den sich die Konzentration versammelt, denn hier öffnet sich der Verstand.

          Zwischen den Affen und dem Gott steht ein Sanskrittext. Was heißen die Zeichen?

          Das wird auf einem Papier zum Mitnehmen erklärt: Es ist das elfte Mantra aus Shankaras Atma Bodha und besagt ungefähr: Wenn wir das wahre Selbst mit verschiedenen begrenzenden Aspekten in Verbindung bringen, überlagern wir es mit Ideen wie Kaste, Hautfarbe und Ansehen, so wie wir Wasser mit Geschmack und Farbe überlagern.

          Sanskrit ist eine sehr ungewöhnliche Sprache. Sanskrit basiert auf einem System von Tönen, die in einer metaphysischen Sicht mit dem Universum verbunden sind: mit Energie und Vibration. Daher kann uns der Text als Klang erreichen, auch ohne dass wir die Sprache verstehen. Ich bin mir im Klaren darüber, dass ich hier Inhalte aus sehr verschiedenen Kulturen zusammenbringe... aber, wir kennen world-music schon so lange, die verschiedenste Elemente zusammenbringt, und ich denke, es wird jetzt Zeit für eine world-art...

          Weitere Themen

          Hoffnung im Angesicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Angesicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und Non-Stop-Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte, erklärt F.A.Z.-Redakteur Andreas Platthaus.

          Eine Girlband für Kim Jong-un

          Nordkorea : Eine Girlband für Kim Jong-un

          Der nordkoreanische Diktator hält zwar an der Machtpolitik seiner Vorväter fest, setzt aber neue ästhetische Akzente: im Pop. Exklusiver Vorab-Auszug aus dem Buch „Der Spieler. Wie Kim Jong-un die Welt in Atem hält“.

          Topmeldungen

          Finanzminister Scholz will den Soli zurückschrauben. Aber nicht für Sparer.

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.