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Interview : Das Bauhaus der Popmusik

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Drummer, Dozent, Direktor: Udo Dahmen Bild: privat

Deutschlands erste Akademie für Popmusik wird in Mannheim eröffnet. FAZ.NET sprach mit dem designierten Leiter Udo Dahmen.

          Baden-Württembergs Landesregierung hat entschieden: Deutschlands erste Popakademie wird in Mannheim eröffnet. In sechs Semestern wird man sich dort vom nächsten Herbst an zum Popmusiker oder zum Musikmanager ausbilden lassen können; als Gastdozenten sind bekannte Musiker aus dem In- und Ausland vorgesehen, unter anderem der aus Mannheim stammende Soulsänger Xavier Naidoo, der die Schule auch finanziell unterstützen wird.

          Leiter der Akademie wird Udo Dahmen - wohl der einzige deutsche Hochschulprofessor, der gleich mehrere Top-Ten-Hits und goldene Schallplatten vorweisen kann. Dahmen, 1951 in Aachen geboren, gibt als Berufsbezeichnungen - in dieser Reihenfolge - „drummer, dozent, producer, autor“ an. Als Schlagzeuger spielte er unter anderem mit Sting, Nina Hagen, Sarah Brightman, James Last und Roger Whittaker, aber auch mit dem Gamelanorchester des Fürsten Agung Raka von Saba und Pinda. Als Dozent unterrichtete er unter anderem lange Jahre an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater.

          FAZ.NET sprach mit Udo Dahmen über Pop als Studienfach, über die Ziele der Popakademie, über die Erfolge deutscher Popmusik und über die unsichtbare Arbeit von Dieter Bohlen.

          Herr Professor Dahmen, darf man Sie künftig den Paul McCartney von Mannheim nennen?

          (Lacht) Das wäre, glaube ich, vermessen, das zu behaupten. Ich würde es eher so beschreiben, dass ich der Kopf und Spiritus Rector dieser Einrichtung sein werde. Mit Paul McCartney und seiner Liverpool School of Performing Arts möchte ich mich da nicht gerne vergleichen. Unsere Schule wird ein Unikat sein, weil wir andere Studiengänge in einem anderen Zuschnitt planen: Popmusikdesign und Musikbusiness in Verschränkung miteinander.

          Kann man Pop lernen?

          Das ist die alte Frage, die eigentlich auf Platon zurückgeht: Kann man Kunst lernen? Ich würde mal behaupten, dass es möglich ist, den Kessel unter Dampf zu bringen, also den nötigen kreativen Druck zu erzeugen, um den Künstlern die Möglichkeit zu bieten, in einem kreativen Humus ihre Ideen etwas leichter zu entwickeln. Dabei wird die Popakademie sicher helfen. Dazu gehört einmal, dass man die entsprechenden Mittel bereitstellt: Es werden Studios und Arbeitsräume vorhanden sein sowie Lehrpersonal, bei dem es sich vor allem um Praktiker aus der Szene handelt.

          Und es muss ein Curriculum vorhanden sein, welches kreative Freiräume als System nutzt. Wir werden stark in Projekten arbeiten: Vom Songwriting übers Texten und Produzieren bis hin zum Erstellen einer CD wird alles im wesentlichen in der Hand der Studenten liegen, unter Coaching-Anleitung von Dozenten. Die Hamburger Hochschule hat Bands wie Selig, Cultured Pearls oder Ute Lemper hervorgebracht - ich könnte ganz viele Namen nennen -, und das wird sich in der Mannheimer Situation entsprechend verstärken, weil es sich hier um einen sechssemestrigen Bachelor-Studiengang handelt.

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