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Interview : Bundeskulturstiftung - genau das ist richtig

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Der Direktor der Bremer Kunsthalle, Wulf Herzogenrath Bild: dpa

Wulf Herzogenrath plädiert für die Gründung einer Bundeskulturstiftung.

          Professor Dr. Wulf Herzogenrath ist Direktor der Bremer Kunsthalle und setzt sich seit vielen Jahren für Medienkunst ein. In einem FAZ.NET Gespräch begründet er, warum er Kulturstaatminister Julian Nida-Rümelin in seinem Vorhaben unterstützt:

          Herr Herzogenrath, brauchen wir eine Bundeskulturstiftung?

          Ja, ja, ja, ja. Man sieht doch, was gerade wieder auf der Biennale von Venedig passiert ist, sowohl in der Ausstellung von Harald Szeemann, wie auch in den Nationalpavillons stehen die Leute Schlange für Kunst. Und gerade für solche, die kompliziert und schwierig ist, die eben nicht marktgängig ist und nicht für 200.000 Mark über dem Sofa eine Sammlers hängt.

          Das funktioniert in Venedig, weil es ein Erlebnis ist, diese Kunst, etwa von den mit Preisen ausgezeichneten Künstlern Janett Cardiff aus Kanada oder Gregor Schneider aus Deutschland zu sehen. Das hat mit der Intensität eines Erlebnisses zu tun. Dazu im Gegensatz steht jene Ware, die in diesen Tagen gerade wieder auf der Kunstmesse in Basel hochgehalten wird, nach dem Motto: „hier, kostet 200.000 Mark, kannste haben“. Das ist was anderes. Die Kunst, die nicht in Basel zu sehen ist, weil sie nicht über das Sofa passt, wird in Deutschland radikal runtergekürzt, dafür gibt der Staat kein Geld aus.

          Sie sprechen von Kunst, die nicht marktgängig ist?

          Ja. Dabei ist diese Kunst ja auch sehr erfolgreich, wie man auf der Biennale in Venedig sieht. Allerdings erst, wenn sie da ist. Da eine anspruchsvolle Installation, wie die von Gregor Schneider im Wohnzimmer eines Sammlers keinen Platz hat, gelangt sie auch über den Weg einer Schenkung nicht ins Museum. Damit fällt diese Kunst für uns weg. Sie wird nicht nur nicht gefördert, sie fällt einfach weg.

          Experimentelle Kunst hat also in Deutschland nur im Rahmen von Großprojekten wie der Biennale noch eine Chance?

          Ja, die haben Geld. Oder auch die Berlin-Biennale oder ähnliche Veranstaltungen. Und das ist zu wenig. Schließlich muss es ja auch in den Bundesländern, in München, in Bremen oder in Saarbrücken oder sonstwo mal was Anspruchsvolles zu sehen geben. Deshalb brauchen wir unbedingt eine Bundeskulturstiftung. Daran gibt es keinen Zweifel, und das Förderative sehe ich dadurch nicht gefährdet.

          Wie sollte die Bundeskulturstiftung ihre Mittel am besten einsetzen?

          Mir hat ein Modell sehr gut gefallen, das die Krupp-Stiftung eingeführt hat. Nämlich erste Projekte, erste Ausstellungen von Künstlern über Institutionen und mit Katalog zu fördern. Damit ist dem Künstler geholfen, aber auch der Vermittlung von Kunst gedient. Wenn die Produktion nämlich allein gefördert wird, wird das Werk nicht wirklich öffentlich. Also muss für die Vermittlung ans Publikum ebenfalls gesorgt sein.

          Das wäre auch kulturpolitisch wichtig, weil wir von der öffentlichen Hand so niedergespart werden, dass unser eigentlicher Kunstauftrag ziemlich hinten runterfällt. Da scheint mir das wirkliche Anliegen von Nida- Rümelin sehr vernünftig zu sein - wir hatten ihn gerade hier in unserem Museum und da konnten wir auch über die Gründung einer Bundeskulturstiftung sprechen. Ich habe ihm gesagt: „Ich danke Ihnen, genau das ist richtig“.

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