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Interview : Boris Groys: Die Zukunft der Museen

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Was heute zu großen Problemen in der Ausstellungspraxis führt. Dort nämlich muss man sich fragen, wie geht man mit Filminstallationen, Medieninstallationen, Videoinstallationen um? Allgemein wird angenommen, dass die Medien etwas sehr Flüchtiges sind und dass die mediale Kunst etwas Immaterielles oder zum Immateriellen Tendierendes darstellt.

Wobei wir in dem Moment, in dem wir beginnen, ein Video oder einen Film im Raum zu installieren, merken, dass diese Kunst sehr schwer ist. Ein Computer oder ein Videogerät sind schwerer als Leinwand. So scheint Leinwand viel immaterieller und flüchtiger zu sein als Medienkunst.

Aber das bezieht sich doch nur auf Material und Form, nicht auf die Inhalte?

Das bedeutet in der Tat eine Verlagerung des Blicks und der ganzen Aufmerksamkeit auf die Hardware, auf die Materialität, nicht nur auf die Bilder selbst. Und daher sprechen viele darüber, das die Kunstwissenschaft am Ende und die Bildwissenschaft auf dem Vormarsch ist.

Mir scheint das jedoch ist eine völlig falsche Fährte zu sein. Denn Kunst etabliert sich nicht als Unterschied zwischen verschiedenen Bildern. Kunst bedeutet einen spezifischen Umgang mit Bildern. Und gerade die Ausstellungs- und Installationskunst besteht darin, den künstlerischen Umgang mit dem Bild zu implizieren und zu explizieren. Das bedeutet, dass wir bei der Bilderbetrachtung eigentlich übersehen, dass der Kontext als Bedingung, als das, was hinter dem Bild steckt, auch wichtig ist. Das wird, wenn wir Bilder unter normalen Bedingungen betrachten, von uns schlichtweg nicht gesehen.

Die Ausstellung muss dazu führen, dass etwas sichtbar wird, eben das Materielle, das Kontextuelle, das Mediale, das Tragende, was man in den Medien alles nicht sieht.

Durch Veränderung des Hintergrunds, durch das Verändern des Kontextes wird das Eigentliche des Alltags also erst sichtbar?

Ich würde behaupten, dass man im Alltag nichts sieht. Wir konzentrieren uns auf das Bild, vor dem Fernseher, im Kino im Dunkeln. Wenn wir ins Museum gehen, um uns ein Video anzuschauen, dann können wir uns frei bewegen. Dann können wir diese Bilder mit Texten und anderen Bildern, mit anderen Medien vergleichen. Das heißt, wir bekommen einen anderen räumlichen Bezug zu diesen Bildern als sonst. Ich glaube nicht, dass dies im Alltag so unmittelbar und sinnlich gegeben ist.

Als physische Erfahrung ist der Museumsbesuch also wichtig. Das Museum als Ort der Aufklärung und Reflektion ist für Sie immer noch von großer Wichtigkeit?

Das ist es eben, dass wir in einer medialen Welt leben, die unseren Geschmack und unsere Bildempfinden prägt. Aber wir sind berechtigt, uns die Frage zu stellen, wie diese Bilder eigentlich zustande kommen, wie sie produziert und distributiert werden. Sie mögen schön sein, aber schön in welchem Sinne? Mit welchen Bildern vergleicht man sie, um sie schön zu finden. Die analytischen Vergleichmöglichkeiten sind im Ausstellungsraum unmittelbar gegeben. Und das Museum ist der geeignetste Ort, wo man diese Vergleiche vornehmen kann.

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