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Interview : Beton, Beton, Beton - Der Architekt und das Löbe-Haus in Berlin

  • Aktualisiert am

Stephan Braunfels Bild: dpa

An diesem Montag wurde in Berlin das Paul-Löbe-Haus mit 1.000 Büros und Ausschusssälen bezogen. FAZ.NET sprach mit dem Architekten.

          Seit 1994 realisiert Stephan Braunfels einen zentralen Bundesbau in Berlin. Entlang des „Band des Bundes“ vollendete der Münchner Architekt mit dem Paul-Löbe-Haus nun den ersten Bauabschnitt. In den nächsten zwei Jahren folgt die Fertigstellung des Marie-Elisabeth-Lüders-Haus auf der östlichen Spreeseite. FAZ.NET sprach mit Braunfels über seine Vorbilder, Monumentalität und Beton.

          Herr Braunfels, warum haben sie Ihr Bauwerk so ganz dem „seelenlosen“, asketischen Beton gewidmet?

          Ich konnte mir ehrlicherweise kein anderes Material vorstellen. Es ging mir darum, der Struktur des „Bundes-Bandes“ streng zu folgen und deswegen der eigentlich stark gegliederten und aufgegliederten Doppel-Kamm-Form eine entsprechende Fassung zu geben; also nicht durch verschiedene Materialien das Gebäude additiv zusammenzusetzen, sondern es gesamtheitlich wirken zu lassen - aus einem Guss, ohne Dehnungsfuge, monolitisch, aus einem Stein sozusagen.

          Nun bezahlen Sie für dieses konsequente Denken einen hohen Preis, das bedeutet wachsende Kritik. Handeln Sie sich nicht den Vorwurf des Monumentalismus' ein?

          Ich glaube, das stimmt nicht. Im Vergleich zum Reichstag und dem Bundeskanzleramt ist das Haus doch ein Gelenkstück in einer eher ruhigen Großstruktur, das eben keine Konkurrenz zu diesen beiden großen Nachbar aufbauen will, sich aber auch trotzdem behaupten muss! Außerdem will ich darauf hinweisen, dass ja erst ein Teil fertig ist. Auf der östlichen Spreeseite wird in den nächsten zwei Jahren mit dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus eine fast skulpturale Raumgruppe aus dem Anhörungssaal, der Bibliothek, einer Freitreppe und dem öffentlich zugänglichen Spreeplatz entstehen - das ist nicht monumental, sondern eine lebendige kleine Stadt.

          Aber eben aus Beton!

          Das Haus ist natürlich nicht nur aus Beton, sondern zu ganz großen Teilen aus Glas. Ich glaube, es hat einen Glasanteil in der Fassade von 80 Prozent. Das betrifft nicht nur die Stirnseiten, sondern vor allem auch die raumhohen Fenster der Büros in den Höfen, und das wird natürlich besonders bei Nacht phantastisch zur Geltung kommen.

          Die Ausführung des Betons gefällt Ihnen nicht. Warum?

          Ja, leider besitzt der Beton nicht die Qualität, die wir für Sichtbeton brauchen. Das ist hier in Deutschland irgendwie schwieriger als in Japan oder in der Schweiz. Wir hatten ja ursprünglich Weißbeton geplant. Der wurde zu teuer, weil die Bundesbaugesellschaft schon einen Abnahmevertrag mit einem Betonwerk hatte, das sich wiederum auf die Ingenieur- und Tunnelbauten eingestellt hatte. Wir werden also nachbessern müssen. Ich denke an einen Anstrich, eine leichte Betonlasur. Das würde etwa zwei Millionen Mark kosten können. Die Bundesbaugesellschaft mauert aber noch zur Zeit gegen diese logische Vollendung. Für mich ist das Gebäude so noch nicht fertig!

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