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Interview : „Welche Bedeutung hat Kino in unserer Kultur?“

  • Aktualisiert am

Fatih Akins „Gegen die Wand” Bild: Berlinale

Romuald Karmakar, Fatih Akin und Achim von Borries zeigen ihre Filme auf der Berlinale. Im Interview sprechen die drei Regisseure über Festivals, Finanzen und die kulturelle Bedeutung des Kinos in Deutschland.

          Romuald Karmakar ist mit „Die Nacht singt ihre LIeder“ im Berlinale Wettbewerb, Fatih Akin mit „Gegen die Wand“. Achim von Borries, der mit „Was nützt die Liebe in Gedanken“ ebenfalls als deutscher Wettbewerbsbeitrag im Gespräch war, hat seinen Film lieber auf dem Sundance-Festival gezeigt. Die drei Regisseure sprechen über heimische Filme und internationale Ausstrahlung, Festivals und Finanzen - und die kulturelle Bedeutung des Kinos in Deutschland.

          Welches war der letzte deutsche Film, den Sie gesehen haben?

          Fatih Akin: Das war "Verschwende deine Jugend" auf DVD; aber im Kino, das ist eine Ewigkeit her.

          Szene aus Romuald Karmakars „Die Nacht singt ihre Lieder”

          Gehen Sie so selten ins Kino?

          Akin: Ich finde DVD als Medium spannender. Wenn ich ins Kino gehe, gucke ich mir so etwas wie "Last Samurai" an - das macht mehr Spaß.

          Romuald Karmakar: Ich habe "Das Wunder von Bern" gesehen und dann noch "Kroko" von Sylke Enders. Das ist mein deutscher Lieblingsfilm zur Zeit.

          Achim von Borries: "Liegen lernen" habe ich als letztes gesehen. Davor "Good bye, Lenin!".

          Gibt es eine Art Pflichtbewußtsein, daß man wissen möchte, was im deutschen Kino sonst noch passiert?

          Karmakar: Deswegen schaue ich mir diese Filme ja an. Wenn alle über "Das Wunder von Bern" reden und selbst der Bundeskanzler heult, dann schaue ich mir eben an, was das für eine Arbeit ist. Und ich versuche auch, Fernsehfilme zu sehen, weil ich erfahren will, warum diese Geschichten so eine Aufmerksamkeit bekommen wie beim "Wunder von Lengede".

          Borries: Wenn ich ins Kino gehe, möchte ich mich von einem Film verführt sehen, und da macht es keinen Unterschied, ob es ein deutscher Film ist oder ein amerikanischer, französischer, iranischer. Im Kino will ich einfach Zuschauer sein. Insofern gucke ich mir einige deutsche Filme dann doch eher zu Hause an . . .

          Aber Sie kennen sich ja untereinander. Gibt es so etwas wie einen Austausch, weiß man, was die anderen gerade tun?

          Karmakar: Achim von Borries kenne ich privat, wir waren auch auf demselben Gymnasium in München. Jetzt kriege ich natürlich mit, daß es seinen Film gibt und daß dieser Film auch hier im Kino plaziert wird - das ist dann schon eine Art Konkurrenz zu meinem Film, weil es eine Auseinandersetzung unter Verleihern und Kinobesitzern gibt, welche Kinos in Berlin belegt werden. Und bei Fatih ist es so, daß ich im Dezember mitbekommen habe, daß die Berlinale Schwierigkeiten hatte, sich auf einen zweiten oder sogar dritten deutschen Wettbewerbsfilm zu einigen. Dann war ich vor ein paar Wochen in München und habe bei der Bavaria einen ersten Plakatentwurf zu Fatihs Film gesehen. Geiles Plakat, habe ich gedacht. Was ist das für ein Film? Und dann habe ich bei der Berlinale noch mal angerufen und gesagt: Ihr müßt auf alle Fälle noch einen anderen deutschen Film in den Wettbewerb nehmen.

          Schön. Es gibt also Konkurrenz und gleichzeitig Solidarität.

          Karmakar: Wenn Dieter Kosslick in seinem ersten Jahr mit vier deutschen Filmen im Wettbewerb antritt, im zweiten mit dreien und im dritten Jahr Probleme hat, einen zweiten Film zu finden, dann kann ich doch nicht glücklich damit sein. "Die Nacht singt ihre Lieder" ist ein kleiner Film, und es kann doch nicht sein, daß es da keine anderen Filme mehr gibt.

          Fatih Akin, wie ist das für Sie?

          Akin: Ich habe zuerst eine Absage bekommen. Das war schon arg, denn ich wollte auf das Festival und in den Wettbewerb. Ich habe die Dreharbeiten extra sechs Wochen früher begonnen, um den Film rechtzeitig für das Festival fertig zu bekommen. Nachdem er abgelehnt wurde, habe ich noch versucht, ihn in Cannes unterzubringen. Dann hieß es von meinem Verleiher und meinen Partnern: Vergiß Cannes, laß uns ins Panorama gehen. Das habe ich akzeptiert. Und vier Tage später kam ein Anruf, wir hätten doch einen Platz im Wettbewerb. Zuerst war ich in einer Art hysterischen Euphorie. Dann dachte ich, sie haben erst abgelehnt, jetzt sagen sie zu, vielleicht sagen sie wieder ab.

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