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Interview : Architekt Richard Meier: „Weiß hat eine harmonisierende Wirkung“

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Stararchitekt: Richard Meier Bild: Richard Meier

Richard Meier hat für die Rickmers Reederei am Hamburger Alsterufer gebaut. FAZ.NET sprach mit dem weltberühmten Architekten.

          2 Min.

          Richard Meier, New York, hat sein achtes Gebäude in Deutschland errichtet. Diesmal für die Rickmers Reederei am Hamburger Alsterufer. Natürlich wieder in Weiß. Die Farbe „Weiß“, so sagte der Architekt einmal, sei besonders reizvoll, weil sie alle Farben des Regenbogens beinhalte und das Licht im Wechsel der Jahreszeiten besonders gut reflektiere. FAZ.NET nahm das jüngste Werk zum Anlass, um mit Meier über seine Architektur zu sprechen.

          Herr Meier, man nennt Sie auch den "weißen Architekten". Die Farbe, so meinen Sie, hebe das Bauwerk aus der natürlichen Umgebung hervor. Hat Weiß aus Ihrer Sicht sogar spirituelle Qualität?

          Durchaus. Für mich findet Architektur in Weiß ihren klarsten Ausdruck. Weiß vermag am stringentesten die architektonischen Prinzipien von Transparenz und Geschlossenheit zu vermitteln und eine Beziehung zwischen der durchgehenden Wandfläche und der Offenheit des Glases herzustellen. Hinzu kommt, dass Weiß bei der Verwendung unterschiedlicher Materialien im Bauwerk eine harmonisierende Wirkung hat.

          Wie kommt die Farbe bei dem Hamburger Neubau ins Spiel?

          Bei dem Firmensitz der Rickmers Reederei am Alterufer, bestehen die Geländer beispielsweise aus Stahl und die Paneele aus Aluminium. Wenn nun unterschiedliche Farben im Spiel wären, würden sie miteinander in Konflikt geraten. Meine Art, Architektur zu betreiben, zielt darauf, eine harmonische Einheit zu schaffen, Dinge zusammen zu bringen, nicht darauf, sie voneinander zu trennen.

          Welche Dramaturgie setzen Sie dafür ein?

          Alles beruht auf der Beziehung zwischen den Maßstäben: Ob es sich hier - wie jetzt im konkreten Fall des Hamburger Bürogebäudes - um den Maßstab der Oberlichter oder die Aufteilung der Fassade handelt: Alle diese Dinge stehen in Beziehung zueinander. Und diese Beziehung zieht sich durch das gesamte Gebäude hindurch.

          In wie weit ist das Umfeld, also die urbane Situation, in dieses System eingebunden?

          Das Umfeld ist natürlich sehr wichtig. Sehen Sie sich nur den Blick aus dem Fenster an. Man schaut von hier aus direkt auf die Stadt, auf die andere Seite der Alster. Sie erkennen, dass der Maßstab dieses Gebäudes eine Beziehung zu der Uferbebauung hat. Das Außergewöhnliche an diesem speziellen Grundstück ist die Tatsache, dass es zwar sehr eng an die Nachbargrundstücke angrenzt, wie überhaupt die Bebauung hier sehr dicht ist. Dennoch hat man diese Weite zum Wasser hin. Über die Möglichkeit, so großzügig mit Glas umgehen zu können, war ich sehr froh. Mir würde es großen Spaß machen, in diesem Haus zu arbeiten.

          Viele Ihrer Bauwerke haben eine private und eine öffentliche Seite. Wie ist das in diesem Fall?

          Bei dem Rickmers-Bürogebäude ist es so, dass es keine wirkliche Differenzierung gibt: Man kann es als öffentlich oder privat bezeichnen, je nach Standpunkt. Es gibt keinen individuellen Raum, außer den individuellen Büroräumen natürlich. Also ist es schon deshalb ein sehr öffentliches Bürohaus, weil es eine große Transparenz und Offenheit hat.

          Das Licht spielt für Ihre Gestaltung eine zentrale Rolle. Sie nannten Licht sogar das wichtigste Material bei der Realisierung eines Bauwerks.

          Ich glaube, dass Licht und Natur - also die Umgebung - für mich gleichermaßen wichtige Elemente sind. Aber das gilt auch für den menschlichen Maßstab, ein Aspekt, auf den ich vielleicht nicht so oft hinweise. Denn das, was wir zu machen versuchen, ist ja eng mit dem menschlichen Maß verknüpft und mit der Frage, wie sich das Individuum durch den Raum bewegt.

          Sie haben den Einfluss von Le Corbusier als wesentlich für Ihr Schaffen hervorgehoben. Welche Tendenzen sehen Sie in der Architektur der jüngeren Generation? Sind die Einflüsse der Moderne weiterhin wirksam?

          Ich glaube, dass junge Architekten erkennen, dass die Geschichte der Architektur sowie der modernen Architektur sehr wichtig ist. Wir wurzeln in ihr, lernen von ihr und bewegen uns weiter. Und doch streben wir heute nach einer Einfachheit und Klarheit, die meiner Ansicht nach bezeichnend ist für unsere Zeit.

          Was planen Sie als nächstes?

          Gerade haben die Arbeiten an zwei Appartementgebäuden in New York begonnen, die direkt am Hudson River gelegen sind. Ein besonders schöner Ort, wegen des Lichts und des Wassers. In dieser Hinsicht also durchaus mit dem Hamburger Projekt vergleichbar.

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