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Interview : Alfred Holighaus auf der Berlinale: „Cannes war noch nie so nervös“

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Alfred Holighaus, Leiter einer eigenen Berlinale-Reihe Bild: Alfred Holighaus

„Sie ist so etwas wie eine Talentsuche“, sagt Alfred Holighaus über die neue Berlinale-Reihe „Perspektive Deutsches Kino“. Ein Interview.

          Jeden Abend dasselbe Bild: Vor den Sälen des Cinemaxx-Kinos am Potsdamer Platz staut sich das Publikum, drängt und schiebt, um doch noch einen guten Platz in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ zu ergattern. Die Auslastung der "Perspektive" liegt bei 130 Prozent. Am Mittwoch wurde für den Film „Der Glanz von Berlin“ sogar ein dritter Saal geöffnet.

          Schon jetzt, vor Abschluss des Festivals am Sonntag, kann dem jüngsten Berlinale-Kind Erfolg bescheinigt werden. FAZ.NET sprach mit Alfred Holighaus, dem Leiter der "Perspektive", über die Konzeption der Reihe und darüber, wie sie dem deutschen Film nützen wird.

          Herr Holighaus, haben Sie mit einem solchen Run auf die "Perspektive" gerechnet?

          Nein, in diesem Maße sicherlich nicht. Die Filme sind völlig unterschiedlich, so dass wir mal mit mehr Zuspruch, mal mit weniger gerechnet hatten. Aber die Leute gehen überall rein. Es scheint ein größeres Interesse am deutschen Film zu geben, als behauptet wird und die Kinowirklichkeit bestätigt. Und es ist sowohl ein Medien- wie eine Publikumsinteresse.

          Wie ist der Zuspruch der ausländischen Gäste?

          Etwa zehn bis 15 Prozent des "Perspektive"-Publikums kommt aus dem Ausland. Die Reihe ist aber nicht für den internationalen Zuschauer konzipiert worden. Ich bin zwar froh, wenn der kommt - die Filme laufen ja auch mit englischen Untertiteln. Aber wir dürfen hier ruhig ein bisschen im eigenen Saft schmoren, denn es geht ja zu allererst um unsere Kinozukunft.

          Wo steht die "Perspektive" zwischen Wettbewerb, Forum und Panorama?

          Wir haben in Deutschland keine Industrie, deswegen funktioniert der Film bei uns immer nur über Einzeltalente. Die "Perspektive" ist so etwas wie eine Talentsuche und das Forum ganz klar ihr Geburtshelfer. Früher liefen solche Filme auch im Forum - und wir haben sie nun als eigenes Programm mit mehr Breite und mehr Tiefenschärfe angelegt.

          Sie proben den Spagat zwischen ambitioniertem B-Picture und sensiblem Coming-of-Age-Film...

          Ja, man muss zweimal um die Welt, um vom einen Film zum anderen zu kommen. Das ist gerade das Spannende. Ich habe im Sommer letzten Jahres angefangen, das Material zu sichten. Wir gingen auf alle deutschen Festivals, besuchten Filmhochschulen und akquirierten. Ich habe 100 Filme gesichtet, und viel mehr wird nicht gemacht. Doch die Ausschluss-Kriterien eines Festivals haben wir nicht ganz befolgt, nur die Hälfte der Aufführungen sind Welturaufführungen.

          Konnten Sie bestimmte Trends in der augenblicklichen Produktion ausmachen?

          Wenn es solche Trends gibt, dann drei. Allen voran die Arbeit mit DV, mit der digitalen Videokamera, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Zum Beispiel dazu, dass man für 99 Euro einen Film machen kann. Auch dazu, dass die Filme manchmal zu verspielt werden und ihre Dramaturgie sich verliert. Trotzdem ist das digitale Video ein wichtiges Element für die neuen Filme geworden und wird das 16mm-Material nicht ersetzen.

          Dominik Graf hat seinen Wettbewerbsbeitrag „Der Felsen“ mit einer digitalen Videokamera gedreht und als Grund dafür sein knappes Budget genannt.

          Graf macht aus der Not eine Tugend. Durch den Einsatz der Kamera ist eine seltene Einheit von Form und Inhalt gelungen. Die Technik kann man dem Film, wie einige Kritiker es taten, nicht zum Vorwurf machen, denn sie hat ja diesem sehr viel gebracht - eine Freiheit der Schauspieler, ein optisches Verständnis der Geschichte...

          Sie sprachen von insgesamt drei Tendenzen, welche noch?

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