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Interpol-Konferenz : Ashcroft: „Die Plünderer werden gefaßt“

  • Aktualisiert am

John Ashcroft Bild: AP

Die Plünderungen der irakischen Kulturschätze seien das Werk organisierter „Verbrecherbanden“, so der amerikanische Justizminister John Ashcroft auf einer Tagung in Lyon. Experten von Interpol widersprechen dem Minister.

          Die Plünderungen weltberühmter Kulturgüter in irakischen Museen sind nach Einschätzung des amerikanischen Justizministers John Ashcroft das Werk von „Verbrecherbanden“.

          Die Täter würden der Justiz nicht entkommen, selbst wenn sie es geschafft hätten, Kunstwerke außer Landes zu bringen, versicherte Ashcroft am Dienstag bei einer internationalen Konferenz am Sitz von Interpol in Lyon. Plünderungen und Raub seien von „organisierten Verbrecherbanden“ verübt worden und nicht das Werk einzelner Täter, betonte der Minister. Interpol-Experten haben nach eigenen Angaben allerdings bislang keine eindeutigen Beweise dafür, daß internationale Hehler hinter den Plünderungen stehen. Die meisten geraubten Kulturgüter befänden sich vermutlich noch im Lande.

          Ashcroft hat den den Fahndern uneingeschränkte Unterstützung bei der Suche nach den verschwundenen Kulturgütern zugesagt. „Es ist unser Ziel, dem irakischen Volk Teile seiner Vergangenheit zurückzugeben“, versicherte der amerikanische Justizminister. Ashcroft würdigte den Irak als „Wiege der Zivilisationen“. Eine ganze Generation von Irakern habe Wahrheit und Schönheit nicht gekannt; ein Sinn dafür könnte ihnen durch die Kunstschätze übermittelt werden.

          „Gewöhnliche Leute“

          Interpol-Experten widersprachen den Angaben des amerikanischen Ministers, Plünderungen und Raub seien nicht das Werk einzelner Täter. „In den meisten Fällen“ seien die geraubten Gegenstände „in den Händen gewöhnlicher Leute, die über keinerlei Verkaufs-Netzwerk verfügen“, sagte Interpol-Spezialagent Jean-Pierre Jouanny. Nun müsse an die Bevölkerung appelliert werden, damit die Räuber die Kunstschätze zurückgäben. Die Unesco wählte nach Angaben ihres Mitarbeiters Guido Garducci bereits Mitglieder einer Expertengruppe für eine Irak-Mission aus. Sie sollten nach Absprache mit den amerikanischen Behörden im Irak vermutlich „in den kommenden Tagen“ starten.

          Bei der zweitägigen Interpol-Konferenz vereinbarten rund 70 Fachleute von Interpol, Unesco und Internationalem Museumsrat (Icom), die Interpol-Datenbank gestohlener Kulturgüter bedeutend zu erweitern. Die Experten bemühen sich derzeit, für Polizei, Zoll und den internationalen Kunsthandel möglichst viele Informationen über die Kulturschätze zusammenzutragen. „Bislang arbeiten wir noch auf der Grundlage von Gerüchten und Einzelberichten“, sagte Interpol-Generalsekretär Ronald Noble.

          Nach dem ersten Golfkrieg sei es der internationalen Polizeiorganisation lediglich gelungen, ein einziges verschwundenes Stück in ihre Datenbank aufzunehmen. Die Unesco will möglichst rasch eine Expertenkommission in den Irak senden. „Aber erst muß die Stabilität wiederhergestellt werden“, unterstrich Jean-Pierre Jouanny von Interpol. Grundlage der gewaltigen Aufgabe sind deshalb zunächst die Bestandskataloge der geplünderten Stätten. Während die Inventarliste des Nationalmuseums in Bagdad weitgehend erhalten ist, wissen die Fachleute noch nichts oder wenig über die Kataloge in den Museen außerhalb der Hauptstadt und der zahlreichen archäologischen Stätten des ehemaligen Mesopotamiens.

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